Ministerin will Schutzvorgaben Absenken

„Erschreckende Wolfsrisse“ - Kaniber fordert schnellere Wolfs-Abschüsse

Bild von Ministerin Kaniber
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Ministerin Kaniber kritisiert in der Wolfsthematik das Fehlen eines gesamteuropäischen Vorgehens

Der Wolf ist wieder auf der Agenda: In Österreich sank die Anzahl der Tiere zuletzt. Agrarministerin Michaela Kaniber fordert angesichts von Wolfsrissen in Bayern indes, Möglichkeiten zu schaffen, damit die Tiere schneller entnommen werden können.

Lange war es ruhig geworden um Meister Isegrim - damit ist es vorläufig aber vorbei. Zunächst wurde von Experten aus Österreich vermeldet, dass der dortige Bestand der Tiere von 48 im Jahr 2019 auf 40 Exemplare im Jahr 2020 zurückgegangen sei. Über die Gründe wird zwar noch gerätselt - es steht allerdings der Verdacht illegaler Entnahmen im Raum. Die Meldung ist für Bayern durchaus auch relevant, zumal es sich bei den Wolfspopulationen in Bayern und Österreich um resonierende Körper handelt: Es ist bereits nachgewiesen, dass Tiere aus Süd- und Südosteuropa via Österreich nach Bayern einwandern, und das Jagdgebiet von Individuen erstreckt sich beiderseits über österreichisches und bayerisches Gebiet.

Unabhängig davon hat sich nun Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber zu Wort gemeldet. In einer Presseaussendung fordert sie angesichts der „zunehmenden Risse“ von Nutztieren durch Wölfe in Bayern eine Absenkung der Schutzvorgaben für Wölfe. Die Entnahmen - sprich Tötungen - von Wölfen müsste künftig „deutlich leichter möglich sein“. Kaniber kommt damit einer Forderung nach, die von Jagdverbänden und Landwirten schon länger aufgestellt wurde: Dass etwa die Grenzregion als Lebensraum geeignet sei wird von manchen Stimmen durchwegs in Abrede gestellt, zu intensiv sei das Gebiet von Menschen genutzt.

Um der Sache Nachdruck zu verleihen, hat sich Kaniber nun sowohl an den EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius wie auch an Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber gewandt. „Die zunehmenden Wolfsrisse und die Bestandszahlen zeigen, dass wir hier dringend handeln müssen. In einem dicht besiedelten und genutzten Land muss die Politik aktiv regelnd einschreiten. Wir dürfen keine Zeit mehr mit Debatten darüber verlieren, wie der Wolf zu schützen ist und wie er sich noch zahlreicher verbreiten kann. Jetzt geht es um den Schutz der Weidetiere, bloße Entschädigung ist nämlich nicht die Lösung. Die Weidetiere leisten wertvolle Landschaftspflege und sind Erwerbsgrundlage für viele Bauernfamilien und Schäfer. Die Wolfsbestände müssen frühzeitig reguliert werden “, so die Ministerin.

Für den Erhalt einer gesunden und nicht vom Aussterben bedrohten europäischen Wolfspopulation sei es nicht erforderlich, dass Wölfe in allen Teilen Europas in gleicher Dichte vorkommen, so Kaniber.

Die Landwirtschaftsministerin warnte: „Wenn die EU und das Bundesumweltministerium hier nicht schnell handeln, zum Beispiel durch ein länderübergreifendes Monitoring und verbesserte Regulierungsmöglichkeiten, drohen langfristige Schäden, hohe Kosten und auch menschliches Leid.“

Sie kritisierte das Fehlen eines gesamteuropäischen Vorgehens bei der Beurteilung des Erhaltungszustands. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum in jedem Mitgliedstaat einzeln der so genannte ‚günstige Erhaltungszustand‘ in einer biogeografischen Region hergestellt werden muss“, so Kaniber.

Hier nachlesen: Wie viele Wölfe verträgt unsere Region?

Es gelte, bei der Diskussion eine „entscheidende Frage“ klar zu benennen: „Wie viele Wölfe verträgt unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft? Auch hier fehle angesichts der immer weiter steigenden Wolfszahlen die wichtige „Feststellung des günstigen Erhaltungszustands“ durch das Bundesumweltministerium, sagt die Ministerin. „Die Ausbreitung des Wolfs darf nicht dazu führen, dass die naturnahe und tierwohlgerechte Landwirtschaft in manchen Regionen aufgegeben wird“, so Michaela Kaniber. Aus ihrer Sicht sei „gerade im alpinen Raum“ ein zumutbarer und verhältnismäßiger Herdenschutz oft nicht möglich.

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