Ex-Ehefrau: "Ich war seine Sklavin"

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Der 65-Jährige bei seinem Prozess in Traunstein.
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Traunstein/Prien -  Wegen Totschlags wurde ein 65-Jähriger zu 14 Jahren Haft verurteilt - allerdings noch nicht rechtskräftig. Seine Ex-Frau fürchtet seitdem, dass er wieder frei kommen könnte.

Fünf Monate ist es nun her, dass der 65-Jährige wegen Totschlags vom Landgericht Traunstein zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde. Im August 2013 hatte er seine damalige Lebensgefährtin und Nachbarin in Prien mit einer Vielzahl von Messerstichen getötet. Sein Verteidiger Harald Baumgärtl legte nach der Urteilsverkündung Revision ein. Und seitdem lebt die Ex-Frau des Angeklagte, die derzeit in Paderborn lebt, wieder in Angst: "Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem er das Gefängnis wieder verlässt." Sie wandte sich an chiemgau24.de, um von ihrer schlimmen Zeit mit dem 65-Jährigen zu erzählen.

Bilder vom Tatort in Prien

Tote Frau (63) in Prien

Bereits 1985 war ihr Ex-Mann wegen Mordes an seiner damaligen Lebensgefährtin zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte seine damalige Ex-Freundin in Wien mit einer Pistole erschossen und anschließend einen österreichischen Polizisten mit einem Schuss und mehreren Messerstichen schwer verletzt. 1997 wurde er zur Bewährung aus der Haft entlassen. "Als er damals wieder rauskam, hat er versucht, Kontakt zu unseren gemeinsamen Söhnen und zu mir aufzunehmen." Er habe die Söhne dazu drängen wollen, sich von ihrer Mutter zu lösen. Glücklicherweise gelang ihm dies aber nicht.

Das Martyrium der Ex-Frau

Mit Schrecken erinnert sie sich auch an ihre siebenjährige Ehe mit dem 65-Jährigen. "Mit 16 Jahren, nachdem ich aus dem Heim geflohen war, bin ich ihm in die Hände gefallen." Nur unter Zwang habe sie 1977 die Ehe mit ihm geschlossen. "Selbst vor dem Standesamt hatte er ein Messer dabei", so die 57-Jährige. Während der sieben Ehejahre habe er sie wie eine "Sklavin" gehalten. "Ich habe während der Schwangerschaft nichts zu essen bekommen. Ich wurde von ihm gefesselt und gequält." Erst 1984 sei es ihr gelungen, die Scheidung zu erringen. Und nun kämpft die 57-Jährige mit aller Kraft darum, dass ihr Ex-Ehemann nie wieder auf freien Fuß kommt. "Er wird wieder töten, wenn er rauskommt - vielleicht sogar Amok laufen. Er hat dann ja nichts mehr zu verlieren."

Urteil noch nicht rechtskräftig

Anwalt Harald Baumgärtl (Links) im Gespräch mit seinem Mandanten.

Der Bundesgerichtshof ist derzeit dabei, den Revisions-Antrag von Verteidiger Baumgärtl zu prüfen. "Der General-Bundesanwalt hat bereits einen Antrag gestellt, dass die Revision verworfen wird", so Rechtsanwalt Baumgärtl, der den Antrag auf die Bitte seines Mandanten hin eingereicht hatte. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss der 65-Jährige - der derzeit noch in Untersuchungs-Haft sitzt - umgehend seine Freiheitsstrafe antreten. "Aufgrund seiner massiven Vorstrafen muss man davon ausgehen, dass er die vollen 14 Jahre absitzen muss", erklärt Baumgärtl. Zum Ende seiner Haft werde dann von einem Gutachter geprüft, ob eine anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet wird.

Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden über die Entscheidung des Bundesgerichtshofes zum Revisions-Antrag.

Quelle: chiemgau24.de

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