Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Berufungsprozess in München

Boateng erneut vor Gericht: Fußballstar lehnt Einigung ab, Ex-Freundin schockt mit Aussage

Jerome Boateng
+
Jerome Boateng während einer Pressekonferenz.

München – Im vergangenen Jahr verurteilte das Amtsgericht München Jérôme Boateng wegen Körperverletzung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Ex-Freundin geschlagen hat. Doch das Urteil wurde nicht rechtskräftig - und das Verfahren geht jetzt in die Verlängerung.

Update, 6.20 Uhr - Ex-Freundin schockt mit Aussage vor Gericht

In seinem Berufungsprozess um den Vorwurf der Körperverletzung hat Ex-Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng (34) die Aussage verweigert. „Er bestreitet strafbares Tun, wird sich ansonsten aber nicht zur Sache äußern“, sagte sein Anwalt am Donnerstag vor dem Landgericht München I. Boatengs Verteidiger betonten, ihr Mandant habe vor allem vor dem Hintergrund umfangreicher Berichterstattung über ihn im Vorfeld des Prozesses „Anspruch auf ein faires Verfahren“. 

Zuvor hatte Boateng, der 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Fußballweltmeister geworden war, einen Vorschlag des Gerichts auf eine Verständigung abgelehnt. Er könne das „mit seinem Gewissen nicht vereinbaren“. Auch wenn die Verhandlung sicher „anstrengend und langwierig“ werde, wolle Boateng das Verständigungsangebot nicht annehmen, sagten die Anwälte. 

Das Gericht hatte angeregt, das Verfahren „möglichst unproblematisch und ohne großen Aufwand“, aber dennoch „sachgerecht“ zu beenden. So könne man sich ein „umfangreiches und ungutes Verfahren ersparen“, sagte Richter Andreas Forstner. Er hatte den Prozessbeteiligten daher vorgeschlagen, die Berufung weitgehend zurückzunehmen und nur noch gegen die Rechtsfolgen vorzugehen. Dann wäre es nicht mehr um den Tatvorwurf gegangen, sondern nur um die Höhe der Strafe. Richter Forstner betonte direkt zu Beginn der Berufungsverhandlung, er halte das Urteil aus erster Instanz für durchaus fundiert. 

Ex-Freundin: Er hat mir Blut ins Gesicht gespuckt

Weil es zu einer solchen Einigung nicht kam, steht erneut eine Beweisaufnahme auf dem Programm. Den Anfang machte die Ex-Freundin Boatengs, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt und vor Gericht schilderte, wie der Fußballstar in einem Karibikurlaub 2018 auf sie losgegangen sein soll. „Dann hat er mich so ein Stück nach vorne gerissen an den Haaren“, sagt die Frau. Boateng habe ihr den Daumen ins Auge gedrückt, ihr mit der Faust in die Flanke geboxt und ihr in den Kopf gebissen, „seine Zähne in meinen Kopf gebohrt“. Er habe ihr Blut ins Gesicht gespuckt und sie aufs Übelste beleidigt. Vorher habe er noch eine gefüllte Kühltasche nach ihr geworfen und sie damit am Rücken getroffen.

Sie betont auch, es sei nicht die erste Attacke dieser Art in der rund elf Jahre dauernden Beziehung zwischen ihr und Boateng gewesen: „In der Vergangenheit sind solche Übergriffe oft passiert.“ Sie sei „daran gewöhnt“ gewesen, „dass es Gewaltübergriffe gab, dass es toxisch zuging“. Die Beziehung sei „geprägt von Streit, geprägt von Untreue, Gewalt, viel Unsicherheiten, wenig Gesprächen und wenn, dann sehr unreif, sehr manipulativ“ gewesen. Boateng schüttelte bei der Aussage seiner Ex-Freundin immer wieder den Kopf. 

Für den neuen Prozess waren ursprünglich zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil sollte also eigentlich an diesem Freitag fallen. Weil Boatengs Verteidigung aber beantragt hat, alle Akten aus den Familienrechtsverfahren zum aktuellen Prozess hinzuzuziehen und auch die Nebenklägerin womöglich noch einmal zu befragen, gibt es große Zweifel daran, dass der Prozess wirklich nach zwei Tagen zu einem Ende kommen kann. „Wir haben viel Zeit“, sagt der Richter konsterniert. „Wenn es denn sein soll, werden wir uns die Zeit nehmen.“

Vorbericht

Vor dem Landgericht München I startet am Donnerstag (10 Uhr) ein neuer Prozess gegen den langjährigen Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng. Das Amtsgericht hatte ihn im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Euro verurteilt.

Der Richter sah es damals als erwiesen an, dass der langjährige Fußball-Nationalspieler, der heute bei Olympique Lyon unter Vertrag steht, seiner Ex-Freundin bei einem gemeinsamen Urlaub im Jahr 2018 ins Gesicht geschlagen hat. Weil dieser Urlaub in einem Luxusresort auf den karibischen Turks- und Caicosinseln stattfand, hat die Justiz das Verfahren, für das zwei Verhandlungstage angesetzt sind, „Karibik“ getauft.

„Wir erhoffen uns ein faireres Verfahren“

Nicht nur Boateng, der die Vorwürfe vor dem Amtsgericht bestritten hat, hat gegen das Urteil aus dem vergangenen Jahr Berufung eingelegt - die Staatsanwaltschaft und seine Ex-Freundin, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt, auch.

„Wir erhoffen uns ein faireres Verfahren“, sagte Boatengs neuer Verteidiger Norman Nathan Gelbart der Deutschen Presse-Agentur. Das Amtsgericht hatte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30.000 Euro verhängt. 30.000 Euro sind zwar der höchstmögliche Tagessatz, Boateng ist damit aber nicht vorbestraft. Erst ab 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft.

Die Staatsanwaltschaft, die von gefährlicher Körperverletzung ausgeht, hatte in dem Verfahren eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren und eine Geldauflage von 1,5 Millionen Euro gefordert, Boatengs damaliger Verteidiger Kai Walden einen Freispruch.

Boateng feuert Verteidiger

Nach seiner Verurteilung im vergangenen Jahr hatte Boateng seinen Anwalt ausgetauscht. „Die Verteidigung vertritt die Auffassung, dass in dem erstinstanzlichen Verfahren vor dem Amtsgericht München wichtige, Herrn Boateng entlastende Umstände nicht beziehungsweise nicht ausreichend gewürdigt wurden“, teilte der neue Anwalt, Gelbart, auf Anfrage weiter mit. „Wir sind optimistisch, dass es in wesentlichen Fragen zu neuen Erkenntnissen kommen wird.“

Für den neuen Prozess sind zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich schon am Freitag fallen.

mh/dpa

Kommentare