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Dr. Friedemann Müller im Experteninterview

Leben mit Demenz: „Alzheimer macht das Leben maximal schwierig“

Dr. Friedemann Müller
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Dr. Friedemann Müller

Dr. Friedemann Müller ist seit 2006 Chefarzt am Alzheimer-Therapiezentrum an der Schön Klinik Bad Aibling, wo im Jahr etwa 300 Patientenpaare während einer drei- bis vierwöchigen Reha lernen, mit der Erkrankung zu leben. Im Interview spricht er über die Zusammenarbeit mit Erkrankten und wie Angehörige entlastet werden können.

Interview: Raphaela Kreitmeir

Sie sprechen von Patientenpaaren, wenn Sie Ihr Angebot am Alzheimer-Therapiezentrum beschreiben.

Wir arbeiten mit den Betroffenen selbst und immer auch mit ihrer wichtigsten Bezugsperson. Denn die Alzheimer Erkrankung bestimmt und erschwert nicht nur den Alltag, sondern beeinflusst auch die Beziehung. Aus einem Partner, einer Partnerin wird jemand, der Hilfe braucht, diese aber nicht immer annehmen kann. Da entsteht oft eine große Hilflosigkeit und Überforderung bei den Angehörigen. Und genau da setzt unser Programm an.

 Was sind die größten Problemstellungen auf Seiten der Patienten?

Natürlich das nachlassende Gedächtnis und damit der zunehmende Verlust der Alltagskompetenzen. Zu Beginn ist meist nur das Kurzzeitgedächtnis betroffen, alte, lange zurückliegende Begebenheiten sind dagegen präsent. Dazu kommen dann zunehmend Verhaltensauffälligkeiten, das kann Unruhe genauso sein wie Lethargie und die Überforderung bei ganz alltäglichen Dingen wie Einkaufen, den Weg finden, sich an Namen und Menschen erinnern. Das kristalline Gedächtnis, das alle Lernerfahrungen und Erinnerungen speichert, baut ab, wohingegen das emotionale Gedächtnis sehr lang erhalten bleibt. Dort sind die Gefühle beheimatet, was therapeutisch gesehen wertvolle Ansätze ermöglicht, in der Partnerschaft aber häufig zu Konflikten führt. Denn Betroffene reagieren häufig emotional mit Angst, Gereiztheit oder Aggressionen, wenn sie merken, dass ihnen das „normale“ Leben entgleitet. Eine hoch belastende Situation, die wir zu entschärfen suchen.

Welche Problemstellungen beobachten Sie bei Angehörigen?

Die meisten unserer Patienten sind in einem hohen Alter und stammen aus einer Generation, die sich am Altar Treue bis zum Tod geschworen hat. Das ist auf der einen Seite sehr schön, auf der anderen Seite hat diese Generation nicht gelernt, sich Hilfe zu holen, wenn es schwierig wird. Und Alzheimer macht das Leben maximal schwierig. Die Partner und Partnerinnen überfordern sich ständig, physisch wie psychisch, sind am Ende ihrer Kraft und leiden häufig unter depressiven Verstimmungen. Wir versuchen ihnen daher Hilfestellungen zu geben, wie sie mit der eigenen Belastung umgehen können, wo man sich Hilfe holen kann und was bei der Begleitung sowie der Pflege des Angehörigen beiden Seiten gut tut.

Wie sieht das Behandlungskonzept konkret aus?

Die Patienten unterstützen wir dabei, die Krankheit zu akzeptieren und mit ihr zu leben. Das reicht von Krankheitsverarbeitung über Erinnerungsarbeit bis hin zu Kunst- und Gestaltungstherapie. Auch Bewegung und Musik spielen bei uns eine wichtige Rolle. Den Angehörigen bieten wir neben Informationen über Demenz, individuelle Hilfestellungen beim Umgang mit der eigenen Belastung, wir unterstützen sie beim Umgang mit der Krankheit ebenso wie bei der Kommunikation mit dem Betroffenen. Uns ist es wichtig, dass die Paare eine wohltuende Zeit bei uns verbringen und die Angehörigen neue Kraft schöpfen können.

Welcher Altersgruppe gehören die Patienten an?

Der größte Risikofaktor für Alzheimer ist das Alter. Daher sind unsere Patienten in der Regel (weit) über 65 Jahre alt.

Welchen Einfluss hat die Genetik? Ist Alzheimer vererbbar, muss man sich also Sorgen machen, selbst zu erkranken, wenn ein Elternteil betroffen ist?

Da kann ich Entwarnung geben. In weniger als einem Prozent der Fälle ist die Krankheit erblich. Und ich kann auch Mut machen. Denn ein Drittel der Risikofaktoren können wir selbst positiv beeinflussen. Wenn wir gesund leben, geistig aktiv bleiben, uns bewegen und ausgewogen ernähren, sinkt das Alzheimer-Risiko.

Heilungserfolge bei Alzheimer gibt es nicht, was motiviert Sie als Arzt?

Viele kleine Momente. Wenn ich beispielsweise die Rückmeldung von einer Familie erhalte, die gelernt hat, ein gutes Leben mit der Krankheit zu führen. Oder der Brief einer Frau, die darüber schreibt, wir ihr Mann hier aufgeblüht ist und es ihm immer noch gut geht. Sie haben Recht, Alzheimer kann man nicht heilen, aber man kann dabei helfen, dass Betroffene und ihre Angehörige ein lebenswertes Leben führen können.

Mehr Informationen unter www.schoen-klinik.de/bad-aibling-harthausen/neurologisches-zentrum/alzheimer-demenz/behandlung

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