Falscher "Rockefeller" steht unter Mordanklage

Unter Mordverdacht: Christian Karl G. beim Betreten des Gerichtssaals. Foto dpa

Los Angeles/Chiemgau - Jahrzehntelang narrte der aus Bergen stammende Christian G. die High Society von Boston und New York. Nun steht er in Kalifornien vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mord.

In den 70er-Jahren brach G. als Austauschstudent in die USA auf und kehrte nie mehr in den Chiemgau zurück. Über Jahre hinweg trat er unter falschen Identitäten als Schauspieler, Börsenmakler oder Herzchirurg auf.

Zuletzt gab er sich als Spross des legendären Rockefeller-Clans aus und heiratete sogar. Nach der Trennung von seiner Frau und einem Sorgerechtsstreit entführte er 2008 die gemeinsame Tochter, damals sieben Jahre alt. Nach tagelanger Fahndung wurde er schließlich von der Polizei verhaftet und 2009 in Boston zu vier Jahren Haft verurteilt.

Die Fingerabdrücke auf seiner Einreisekarte aus den 70er-Jahren führten das FBI nicht nur auf die Spur seiner wahren Identität, sondern brachten Christian Karl G. auch mit dem Verschwinden eines Ehepaars im Jahr 1985 in Verbindung. Seine Abdrücke stammen mit denen eines angeblichen Christopher Chichester überein, der im Gästehaus von John Sohus und seiner Frau Linda im kalifornischen San Marino lebte. Das Paar wurde Anfang 1985 zuletzt gesehen, kurz danach verschwand auch ihr Gast. 1994 fand man bei Bauarbeiten im Garten der Villa ein in drei Pakete zerstückeltes Skelett. Es handelte sich um die sterblichen Überreste von Sohus. Nach Polizeiangaben soll der Deutsche sein Opfer mit einem "stumpfen Objekt" getötet haben. Von der Ehefrau fehlt weiterhin jede Spur.

G. versuchte sich danach unter einem weiteren falschen Namen an der Wall-Street, bevor er sich selbst zum Prominenten-Spross beförderte. Als J. Clark Rockefeller fand er Zugang zu den besseren Kreisen an der amerikanischen Ostküste.

ku/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser