Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Extra: Rezept für eine besondere Heilsalbe aus Harz

Faszination Wald: unterwegs mit der Försterin im Ruhpoldinger Forst

Försterin Petra Demmel
+
Försterin Petra Demmel im Gespräch.

Wälder gelten als Kraftort und wohltuender Kontrast zur Alltagswelt. Sie wirken meditativ und fördern gleichzeitig Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren. Das kann, muss aber kein Widerspruch sein. Ein Gespräch mit der Försterin Petra Demmel (37) über Entschleunigung, Freizeitdruck und Rücksichtnahme. 

von Raphaela Kreitmeir

Sie betreuen als stellvertretende Försterin der Bayerischen Staatsforsten das Revier Marquartstein des Forstbetriebs Ruhpolding. Was macht eine stellvertretende Försterin?

Vielerlei, zum Beispiel bin ich für die Verkehrssicherungspflicht im Revier zuständig, das heißt, dass ich die Bäume auf ihre Standfestigkeit kontrolliere, damit weder der Verkehr noch Spaziergänger oder Waldarbeiter durch umstürzende Bäume gefährdet werden. 

Wie kontrolliert man die Standfestigkeit von Bäumen?

Visuell. Ich schaue mir den Baum von der Krone bis zum Stammfuß ganz genau an, ob er frühzeitig Blätter verliert, auf dem Stamm Pilze wachsen oder sich die Rinde auf größeren Flächen löst. Kranke Bäume markiere ich dann zum Fällen. 

Ein Drittel der Landesfläche Deutschlands,11,4 Millionen Hektar, ist mit Wald bedeckt, das sind 11,4 Millionen Hektar. In Bayern sind es sogar 35,3 Prozent. Ist der Waldbestand gefährdet?

Die Verschiebung der Extreme aufgrund des Klimawandels setzt dem Wald zu. Geballte Hitze im Sommer trocknet den Boden aus, der den Niederschlag, der vermehrt in Form von Starkregen fällt, nicht speichern kann. Dazu kommen neue Schädlinge wie ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz, der gerade bei uns in der Region auf weiten Flächen zu Eschentriebsterben führt und den Bestand der Bäume bedroht. Wir lernen gerade, wie wir diese bekämpfen können, und wie der Wald der Zukunft aussehen muss.

Und wie könnte der Wald in der Zukunft aussehen?

Petra Demmel stammt aus München, lebt mit ihrer Familie in der Region und ist Försterin bei den Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Ruhpolding. Sie ist als Revierunterstützung unter anderem im Forstrevier Marquartstein tätig.

Da gibt es auf der einen Seite die Ansiedlung neuer Sorten aus dem europäischen Süden, wie die Korkeiche aus Italien und Spanien, die mit höheren Temperaturen und weniger Wasser besser auskommen. Diese Ansiedlungen werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Auf der anderen Seite – und da sind wir mittendrin in der Praxis – versuchen wir die Baumarten zu mischen. Denn gerade in unserer Region gibt es viele Fichtenreinbestände, da dieses Holz sowohl fürs Salzsieden als auch für die Salinenleitungen genutzt wurde. Monokulturen sind aber immer besonders anfällig. Daher pflanzen wir einen Bergmischwald mit Fichten, Buchen, Tannen und Bergahorn an.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsbaum?

Ganz klar die Lärche. Die Bäume können hunderte Jahre alt und bis zu 50 Meter hoch werden. Sie sind kraftvoll und haben dabei unglaublich filigrane Nadeln. Das Holz ist wunderschön, riecht gut und lässt sich vielseitig verarbeiten.

Sie haben Schreinerin gelernt und arbeiten jetzt als Försterin. Was fasziniert Sie so am Holz?

Es ist ein Material, das lebt, arbeitet, uns wärmt und unglaublich vielfältige Verarbeitungsmöglichkeiten bietet. 

Wie kam es, dass Sie die „Fronten“ gewechselt haben: von der Verarbeitung hin zur Pflege?

Mit dem Gesellenbrief in der Tasche habe ich mich gefragt, wie es für mich im Leben weitergehen kann. 2009 war ich dann via Work & Travel in Kanada und bin dort einer Forststudentin begegnet. Was sie über ihre Ausbildung und über die Zusammenhänge des Ökosystems Wald erzählt hat, hat mich fasziniert. Also habe ich nach meiner Rückkehr erst ein Praktikum bei den Bayerischen Staatsforsten gemacht und dann in Weihenstephan Forstwirtschaft studiert. 

Als einzige Frau unter Männern – so könnte man Ihren Beruf als Försterin beschreiben. Haben Sie eine Erklärung für den geringen Frauenanteil?

Im Studium lag der Frauenanteil immerhin bei einem Drittel. Ich glaube, hoffe und sehe auch, dass flexible Arbeitszeitmodelle möglich sind und damit auch verstärkt Frauen in diesem Bereich arbeiten.

Können Sie Ihre Faszination für den Wald an Ihre Kinder weitergeben?

Die beiden sind mit drei Jahren und einem Jahr noch sehr jung, aber stehen mit ihren Beinchen schon mitten drin im Wald und lernen beispielsweise spielerisch beim Spazierengehen die Baumarten zu unterscheiden 

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass im Wald das Herz ruhiger schlägt, der Stresslevel sinkt und die Stimmung steigt. Erleben Sie das auch?

Das hängt natürlich immer vom Arbeitspensum ab, denn der Wald ist ja auch mein Arbeitsplatz. Aber in der Mittagspause kann ich durchaus die Schönheit und Wirkung des Waldes genießen.

Waldbaden, Bäume umarmen, das Grün als Fitnessareal nutzen – um den Wald ist ein ganzer Wellnessbereich entstanden. Begrüßen Sie das?

Da muss man differenzieren: Ich finde es durchaus schön, dass viele Menschen zurück zur Natur wollen und Entschleunigung im Wald erleben wollen. Allerdings ist – vielleicht auch coronabedingt – in den letzten beiden Jahren ein enormer Freizeitdruck auf die Wälder entstanden. Egal welche Jahres- oder Tageszeit: Heerscharen an Freizeithungrigen sind mit Walkingstöcken oder Mountainbike beziehungsweise auf Schneeschuhen oder Tourenskiern im Bergwald unterwegs. So gut ich verstehen kann, dass die Menschen Natur erleben wollen, so sehr bitte ich um ein gewisses Verständnis für Ruhezonen und Ruhezeiten. Wer ausgewiesene Wege nutzt und nur bei Helligkeit unterwegs ist, kann im Einklang mit Natur und Tieren im Wald Kraft tanken und diese ganz besonderen Momente erleben, wenn man sich auf Beobachten fokussiert, sich selbst zurücknimmt und eine ganz tiefe Ruhe spürt.

Tipp der Försterin:

Hausrezept direkt aus dem Wald: Salbe aus Baumharz

Zutaten 200 g Olivenöl
40g Bienenwachs vom Bio-Imker
60 g Lärchen- und Fichtenharz

Das Harz kann das ganze Jahr über aus altem, an Baumwunden ausgetretenem und angetrocknetem Pech gewonnen werden. Dabei darauf achten, die alten Wunden des Baumes nicht wieder aufzureißen.

Zubereitung

Olivenöl erwärmen, Baumharz im Öl schmelzen. Dabei Rindenreste durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter absieben. Anschließend Bienenwachs untermischen. Masse in Gläser abfüllen und erst verschließen, wenn Inhalt vollständig abgekühlt ist. Die Salbe ist circa zwölf Monate haltbar.

Anwendung

Die Salbe wirkt entzündungshemmend, zusammenziehend und ist antimikrobiell (gegen Bakterien, Viren und Pilze). Die Salbe kommt bei Erkältungen, Schnupfen und Husten zum Einsatz. Sie wird auf Brust und Rücken aufgetragen, um so das freie Durchatmen zu erleichtern. Als Wund- und Zugsalbe kann sie ebenfalls wirksam eingesetzt werden. Trockene, rissige Haut und spröde Lippen lassen sich gerade im Winter gut mit der Salbe pflegen.

Leselust geweckt?

Diesen Artikel findet Ihr in der neuen Ausgabe der ROSENHEIMERIN.
Außerdem bunte Geschichten aus dem Leben, tolle Stories über besondere Menschen und jede Menge Inspiration in Sachen Lifestyle, Fashion, Beauty und Genuss. 
Lest Euch mit uns einfach durch die schönsten Seiten der Region!
Die ROSENHEIMERIN
JETZT am Kiosk und online unter www.rosenheimer.in 

Die neue Rosenheimerin ist da!

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion