Identität des Brandopfers noch unklar

Feuer in Bamberger Flüchtlingsheim beschäftigt die Kripo 

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Der Brand in einer Asylunterkunft in Bamberg

In einer Flüchtlingsunterkunft in Bamberg (Oberfranken) ist am Mittwochmorgen ein Mensch ums Leben gekommen. Die Einrichtung ist schon wegen ihrer Größe umstritten. Nun ermittelt die Kripo.  

Bamberg - Die Polizei hat den Häuserblock abgesperrt. Er gehört zu der riesigen Bamberger Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Experten der Spurensicherung in ihren weißen Ganzkörperanzügen sind im Haus unterwegs, durch ein Fenster sieht man Scheinwerfer, die die Wohnung ausleuchten, in der es in der Nacht zum Mittwoch gebrannt hat. Ein Mensch ist dabei ums Leben gekommen. Ob Mann oder Frau, ob jung oder alt - die Polizei kann zunächst nichts zur Identität des Brandopfers sagen.

Brand in Asylunterkunft: Keine Hinweise auf einen Anschlag

Um 3.00 Uhr am frühen Morgen geht der Notruf bei den Rettungskräften ein. Die Feuerwehr hat den Brand in der Erdgeschosswohnung schnell unter Kontrolle. 15 Menschen erleiden eine Rauchvergiftung, sechs von ihnen müssen ins Krankenhaus. Wie es zu dem Feuer kam - auch das ist eine Frage, die zunächst offen bleibt. Die Kripo ermittelt. Später gibt die Polizei bekannt, es gebe keine Hinweise auf eine Ursache von außen, wie etwa einen Anschlag.

Experten der Spurensicherung untersuchen den Brand.

Der Häuserblock befindet sich inmitten der Anlage, in der seit 2015 Flüchtlinge leben. Von außerhalb des Geländes ist er nicht zu sehen. Die restlichen Bewohner der Wohnungen sind in andere Gebäude umquartiert worden, Mitarbeiter der Hausverwalter helfen den Menschen beim Umzug. Ein eisiger Wind weht an diesem Novembertag durch die Flüchtlingsunterkunft. Viele Bewohner warten auf den Shuttlebus, der sie ins Stadtzentrum bringt. Ein Mann mit zwei Kleinkindern spaziert auf der Straße. Vor dem W-Lan-Hotspot stehen die Menschen mit ihren Mobiltelefonen.

Aufnahmeeinrichtung ist umstritten

Die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken, so der offizielle Titel der Anlage, ist nicht unumstritten. Früher wohnten hier Angehörige des US-Militärs. Das Gelände war eine Stadt in der Stadt, mit komplett eigener Infrastruktur. So ist es auch heute. Nur leben hier keine Soldaten mit ihren Familien mehr, sondern Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen haben - in der Hoffnung, Asyl in Deutschland zu finden. Ein Zaun und eine Schranke trennen sie von der restlichen Stadt. Die Regierung von Oberfranken als Betreiberin betont aber, dass jeder, wann immer er möchte, die Unterkunft verlassen könne.

2015 waren die ersten Flüchtlinge in die ehemalige US-Kaserne gezogen - sie war ursprünglich als Unterkunft für Menschen eingerichtet worden, deren Asylantrag sowieso kaum Chancen auf Erfolg hatte. Mit Behördenvertretern direkt vor Ort sollte so schnell wie möglich über die Asylanträge entschieden werden. Vor allem der Flüchtlingsrat kritisiert immer wieder die Bedingungen. Anfang des Jahres bezeichnete die Organisation die Einrichtung als menschenverachtendes „Abschiebelager“, das an der Rechtsstaatlichkeit von Asylverfahren zweifeln ließe.

Im September 2016 wurde in der ehemaligen Bamberger Kaserne aber auch eine reguläre Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge untergebracht. Nach Angaben der Regierung von Oberfranken fungiert die Unterkunft somit als erste Anlaufstelle für Asylsuchende in Oberfranken.

1230 Menschen leben in der Asyl-Unterkunft

Erst im Sommer wurde der Ausbau der früheren Kaserne abgeschlossen - theoretisch gäbe es jetzt Platz für 3400 Asylbewerber. Derzeit leben dort aber nur 1230 Menschen. Die Erweiterung ist auf harsche Kritik in der Stadt gestoßen. Mit 3400 Plätzen werde eine 73 000-Einwohner-Stadt überfordert, hatte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) argumentiert.

Noch vor wenigen Tagen hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mehr Polizeipräsenz in Bamberg angekündigt - wegen der riesigen Flüchtlingsunterkunft. „Mit den zusätzlichen Maßnahmen gehen wir gezielt auf die Ängste und Sorgen unserer Bürgerinnen und Bürger ein“, sagte der CSU-Politiker.

Die Regierung von Oberfranken versucht, mit Transparenz auf Kritik zu antworten. Regelmäßig gibt es Medientermine in der Einrichtung - auch vom Brandort erlaubt man jetzt Foto- und Filmaufnahmen von außen.

dpa

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