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Im Kino: „Wer gräbt den Bestatter ein?“

Filmemacherin aus Prien: Tanja Schmidbauer und ihre neue schwarze, bayerische Komödie

Collage: Tanja Schmidbauer / Ausschnitt aus dem Film „Wer gräbt den Bestatter ein?“
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Tanja Schmidbauer über ihren neuen Film „Wer gräbt den Bestatter ein?“

Tanja Schmidbauer ist erfolgreiche Produzentin und hat mit ihrem Bruder Andreas eine Filmfirma, gemeinsam schreiben sie Drehbücher und führen Regie. Ihr neuester Film „Wer gräbt den Bestatter ein?“ startete am 3. November in den Kinos. Wir haben uns mit der Prienerin unterhalten.

von Raphaela Kreitmeir

Prien - Zehn Jahre war sie jung, als Tanja Schmidbauer ihre Liebe zum Film entdeckte. Jetzt wurde ihr neuestes Werk „Wer gräbt den Bestatter ein?“ als bester Spielfilm beim Midnight Soul Film Festival in Schweden ausgezeichnet. Im Interview spricht sie über bayerische Komödien und Heimatfilme und geht der Frage auf den Grund, wer jetzt eigentlich den Bestatter – gespielt von dem Kabarettisten Uli Bauer – eingräbt.

Schmidbauer-Film ist spezialisiert auf bayerische Komödien – warum dieses Genre? 

Als wir anfingen, wollten wir eigentlich Abenteuer- und Fantasyfilme machen, weil wir uns die selbst gern anschauten. Aber als wir dann den Film „Herrschaft Zeit’n“ 2010 gedreht hatten, merkten wir, dass wir mit der Mischung aus Humor, Heimat, bairischem Dialekt und authentischen Darstellern genau das gefunden hatten, was wir können und was die Zuschauer begeistert – und das sind Komödien. Diesem Genre sind wir seitdem bei unseren Spielfilmen treu geblieben.

Zur Person

Tanja und ihr Bruder Andreas gründeten bereits 2003 im Alter von 10 und 13 Jahren ihre Produktionsfirma Schmidbauer-Film. Mit dem Film „Herrschaft Zeit´n“ fanden die beiden Priener 2010 zu dem Genre, das sie bekannt gemacht hat: bayerische Komödien. Ihr Film „Hinterdupfing“ war mit deutschlandweit 50.000 Kinobesuchern ein echter Überraschungserfolg. Am 3. November startete ihr neuer und nach „Austreten“ dritter Spielfilm „Wer gräbt den Bestatter ein?“ in den Kinos. Tanja und Andreas Schmidbauer sind gemeinsam für Regie und Produktion verantwortlich und schrieben mit ihrem Cousin Thomas sowie mit Michael Probst das Drehbuch. Tanja hat an der Hochschule für Fernsehen und Film in München im Bereich Produktion und Medienwirtschaft studiert und ist Stipendiatin der VFF und VGF. Die gebürtige Prienerin ist nach wie vor oft in der Marktgemeinde – Schmidbauer-Film ist in Prien gemeldet.

Was macht eure Komödien besonders?

Ein ganz bestimmter Humor, der nicht auf Schenkelklopfer setzt, sondern die Menschen mit einem breiten Grinsen aus dem Kino kommen lässt. Unser Humor in „Wer gräbt den Bestatter ein?“ orientiert sich an den skandinavischen, schwarzen Komödien: Es darf skurril sein, auch mal derb, aber nie plump.

Tanja und Andreas Schmidbauer

Welche Rolle spielt der Chiemgau?

Natürlich eine große, weil unsere imaginären beiden Dörfer, die miteinander im Clinch liegen, im Chiemgau liegen, wobei wir an vielen Orten in Bayern gedreht haben. Aber unser Heimatfilm hat nichts mit dem Klischeebayern zu tun, in dem der Himmel weißblau glänzt und der See postkartenidyllisch glitzert. Unser Chiemgau ist rau, manchmal auch grau und bietet eine klischeefreie Kulisse, in der die Menschen wirken können und die Geschichte ihren Lauf nimmt.

Wer von euch kam auf die Idee, eine Geschichte über einen Bestatter, um genau zu sein über einen toten Bestatter, im Film zu erzählen?

Von wem die Idee kam, ist gar nicht mehr so klar zu rekonstruieren. Entstanden ist der Gedanke im November 2018 nachmittags bei Kaffee und Kuchen. Wir feierten mit Michael Probst Geburtstag und diskutierten, worüber wir unseren nächsten Film machen könnten. Und da ging es darum, dass eigentlich immer die gleichen Berufsgruppen in Filmen vorkommen: Ärzte, Kommissare, Bänker, Anwälte, Pfarrer findet man in vielen Drehbüchern, andere Berufe, vor allem Handwerksberufe kommen eigentlich nie vor. Daher wollten wir eine Geschichte erzählen, in der Metzger, Gärtner, Müllmänner eine Rolle spielen. Der letzte Beruf, über den wir an diesem Nachmittag gesprochen haben, waren die Bestatter. Andreas stellte schließlich die Frage: „Wer gräbt eigentlich den Bestatter ein, wenn dieser verstirbt?“ Daraus ergab sich der rote Faden und der Titel unseres neuen Films. 

Filmplakat „Wer gräbt den Bestatter ein?“ (bitte klicken)

Geschrieben habt ihr die Geschichte zu Viert: Wie kann man sich das vorstellen? 

Wir schreiben und überarbeiten wechselseitig die Szenen, verfilmt haben wir die 12. Fassung des Drehbuchs. Da stecken also viele Diskussionen, Ergänzungen und Überarbeitungen drin.

Wie ist die Zusammenarbeit unter Geschwistern?

Intensiv und vertraut. Auch wenn sich da nicht immer zwischen Privatleben und Beruf trennen lässt, man zum Teil endlos im Vorfeld der Dreharbeiten diskutiert, weiß man, was dem anderen wichtig ist und dass man sich hundertprozentig aufeinander verlassen kann. 

Hattet ihr bereits beim Schreiben Schauspieler*innen im Kopf?

Drei Schauspielern, die auch schon bei unseren vorherigen beiden Spielfilmen dabei waren, haben wir die Rolle sozusagen auf den Leib geschrieben: Das ist zum einen Tom Kreß als Gärtner, den man unter anderem in der „Grießnockerlaffäre“, „Hubert ohne Staller“ und den „Rosenheim Cop“ gesehen hat, zum anderen Peter Rappenglück, der jetzt den Bürgermeister spielt und unter anderem aus „Dahoam is Dahoam“ und „Hubert ohne Staller“ bekannt ist. Und natürlich ist Uli Bauer wieder dabei, dieses Mal nicht in seiner Paraderolle als Oberbürgermeister wie am Nockherberg oder in unserem Film „Hinterdupfing“, sondern als Bestatter.

Zum Film

Zwei Dörfer liegen im Streit: Denn sowohl Neubrunn als auch Greisendorf beanspruchen das Grab des Stummfilm-Stars Gaby Gruber für sich. Dass die Schauspielerin mit 114 Jahren immer noch am Leben ist, ist dabei zweitranging. Die Aufmerksamkeit, die Frau Gruber in den Medien gebührt, ist schon jetzt groß und die Chance, dem eigenen Dorf durch sie und ihr Grab zum Aufschwung zu verhelfen, scheint erfolgsversprechend. Doch dann verstirbt unerwartet ausgerechnet der Bestatter aus Greisendorf, weshalb Gärtner Gert und Müllwagenfahrerin Rudi als Ersatz in die Bresche springen müssen, um die ländliche Fehde für sich zu entscheiden. Gedreht wurde der Film unter anderem in Prien und Weyarn, aber auch in Münnerstadt, wo Deutschlands einzige Bestatter-Schule mit Übungs-Friedhof liegt. 

Uli Bauer ist in der Rolle des Bestatters ja meist tot – wie hat er auf euer Angebot reagiert?

Als toter Bestatter- Uli Bauer

Als mein Bruder Andi ihn auf die Rolle angesprochen hat, hatte sich der Uli noch gefreut, weil er da ja nicht so viel Text lernen musste. Dabei ist das schauspielerisch und körperlich ein wahnsinnig anspruchsvoller Part. Du musst Mimik, Atmung, Körperspannung komplett unter Kontrolle haben. Und im Film wirklich komische Dinge mit dir machen lassen. Wobei, so viel sei verraten, wir in bestimmten Szenen einen Dummy verwendet haben, der extra angefertigt wurde. Aber meist ist es der leibhaftige Uli, der da mit eingefrorenen Gesichtszügen und starren Gliedmaßen brilliert. 

Auf welche Highlights darf man sich im Kino freuen?

Auf eine aberwitzige Geschichte, in der neben den drei Genannten auch Schauspieler*innen wie David Zimmerschied, Angelika Sedlmeier, Simon Pearce, Max von Thun, Veronika von Quast und Astrid Polak glänzen. Wobei gerade die Astrid in der Rolle der Frau Gruber für mich ein echtes Highlight ist. Sie ist 87 Jahre alt, spielt absolut überzeugend eine 114-jährige Dame, schlüpft nach dem Dreh in Jeans und Turnschuhe und hat eine Energie, um die sie viele Jüngere am Set beneidet haben. Herrlich ist auch die Szene in der Metzgerei mit literweise Kunstblut, Schweinehälften aus Silikon, die von der Decke hängen, und einem Metzger, der kein Blut sehen kann. 

David Zimmerschied, Tom Kreß und Angelika Sedlmeier

Wem würdest du den Film unbedingt empfehlen?

Allen, die klischeebefreite Heimatfilme mögen, die bayerische Geschichten aus dem Dorf lieben und 102 Minuten lang mit einem Lächeln im Gesicht eine verrückte Geschichte im Kino erleben wollen. 

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