Verhandlung am Landgericht Traunstein

Video: Anwalt spricht über Prozessverlauf

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Traunstein - Heute wurde der Prozess gegen den 53-Jährigen aus Neumarkt-St. Veit fortgesetzt, der seine Frau erwürgt haben soll. Der Prozess wurde am Mittag unterbrochen. **NEU: Video**

UPDATE 13.18 Uhr: Sitzung wurde unterbrochen

Das Gericht hat soeben die Sitzung unterbrochen, sie wird am Dienstag fortgesetzt. Ob sich bis dahin neue Erkenntnisse bezüglich des Narkosemittels ergeben, ist offen.

UPDATE 12.58 Uhr - War die getötete Frau narkotisiert?

Der Rechtsmediziner Prof. Dr. Matthias Graw aus München erläuterte nun detailliert seine Erkenntnisse. Im Körper der Toten konnten beide Bestandteile eines veralteten Medikaments nachgewiesen werden: ein Schmerz- und ein Narkosemittel. Die Verteilung der Wirkstoffe in einem toten Körper sei zwar "ein Phänomen, das wir kennen", so Graw. Dass es auf diesem Weg, wie bei der Toten, bis in den Oberschenkel gelangt, hält der Experte jedoch für unwahrschenlich. Ausschließen kann Graw dies jedoch nicht.

Um sagen zu können, ob die Frau schon tot war, als ihr das Medikament eingeflößt wurde, muss der Rechtsmediziner bestimmen, wie viel von der Substanz im Blut der Toten war. Dafür brauche er aber die "Reinsubstanz", so Graw. Das Mittel gibt es in Deutschland aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Doch selbst wenn nachgewiesen werden könnte, dass das Mittel in hoher Konzentration im Blut der Toten war - dies würde während der Befragung des Rechtsmediziners deutlich - kann immer noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass die Frau noch lebte, als ihr das Medikament eingeflößt wurde. Theoretisch möglich ware, dass sie bis zum Hirntod gewürgt wurde und dann ein "nachklopfen" des Herzens das Medikament im Körper verteilt hat.

Auffällig ist, dass der Rechtsmediziner weder bei der Toten noch beim Angeklagten "weitere wesentliche Verletzungen" ausmachen konnte. Aufgrund der zu erwartenden Todesangst des Opfers während der Würge-Attacke hatte Graw dies erwartet. "Die Leute, die gewürgt werden, wehren sich auch", so Graw.

UPDATE 12.20 Uhr: Angeklagter soll Getötete vergewaltigt haben

Die Verhandlung wurde inzwischen mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Als erstes sagte der mutmaßliche Geliebte der Getöteten aus. Dessen mittlerweile verstorbene Frau hatte die Getötete geschäftlich beraten, der 68-Jährige selbst machte ihre Buchhaltung. Nach und nach wurde die Zusammenarbeit offenbar enger, die Getötete machte irgendwann ihre Buchhaltung am PC des 68-Jährigen, half ihm bald bei der Buchhaltung für andere Kunden. Wie der Zeuge erklärte, habe es sogar Überlegungen gegeben, die Frau könne eine Ausbildung zur Buchhalterin machen und eines Tages das Geschäft des 68-Jährigen übernehmen.

Auf Nachfrage des Gerichts bestätigte der Zeuge, dass es zwischen ihm und der Getöteten auch eine sexuelle Beziehung gab, "ab Anfang Juni", wie der 68-Jährige angab. Bei ihm übernachtet habe die Frau aber nur einmal.

Trotzdem gab es offenbar Überlegungen, die Beziehung weiter zu vertiefen. Der Zeuge erklärte, er habe für die Getötete eine Wohnung suchen sollen. Er hatte offenbar Erfolg, der Mietvertrag sei schon aufgesetzt gewesen. Kurzerhand nahm die Frau jedoch Abstand von ihren Plänen, wegen der Kinder, wie sie dem Zeugen zufolge gesagt haben soll.

An ihren gemeinsamen Plänen haben der Zeuge und die Getötete dennoch weiter geschmiedet. Der Zeuge will darüber nachgedacht haben, wie er für beide Haushalte und die Kinder der Getöteten aufkommen kann. Der Angeklagte habe bei all ihren Überlegungen keine Rolle gespielt, so der 68-Jährige: "Ich wusste, dass sie weg wollte."

Von dem Angeklagten zeichnete der Zeuge ein negatives Bild. Die Getötete soll ihm gesagt haben, dass sie von dem Angeklagten "des öfteren" geschlagen und vergewaltigt werde. Auf Nachfrage des Gerichts erklärte der Zeuge, er habe nie Verletzungen bei der Frau bemerkt. Zur angeblichen Vergewaltigung soll sie ihm gesagt haben: "Der hat mich einfach genommen." Er habe ihr geglaubt, weil sie "immer korrekt" gewesen sei, so der 68-Jährige.

Zwei weitere Zeugen, eine aktuelle sowie eine ehemalige Nachbarin, brachten keinen näheren Erkenntnisse. Die ehemalige Nachbarin gab lediglich an, die Getötete habe ihr zwei Wochen vor der Tat erzählt, sie wolle ihren Mann verlassen. Dass der Angeklagte seiner Frau gegenüber je gewalttätig geworden sei, konnte sie nicht bestätigen.

UPDATE 9.57 Uhr: Paukenschlag gleich zu Beginn!

Die Aussage von vier Zeugen hatte sich gleich zu Beginn des zweiten Verhandlungstages erledigt. Anklage und Verteidigung verzichteten auf die Aussage dreier weiterer Polizisten, da schon am ersten Tag mehrere Beamte gehört worden waren. Ein weiterer Zeuge, ein Sohn des Angeklagten, verweigerte die Aussage. Anschließend sagte ein Freund des Sohnes aus, der dem Angeklagten am Tag der Tat begegnet war, doch auch er konnte nichts erhellendes zu dem Fall beitragen.

Im Anschluss warf das Gericht einen Blick auf die lange Liste von Vergehen, deretwegen der Angeklagte im Laufe seines Lebens verurteilt worden war, darunter Diebstahl, fahrlässige Körperverletzung und Betrug.

Für einen Paukenschlag sorgte der Rechtsmediziner. Er machte deutlich, dass die bisherigen Untersuchungen nicht eindeutig klären konnten, ob die Ehefrau tot war, als ihr das Betäubungsmittel eingeflößt wurde. Das Mittel konnte im Oberschenkelvenenblut nachgewiesen werden, für den Rechtsmediziner zumindest ein Indiz dafür, dass der Frau das Mittel zu Lebzeiten eingeflößt worden war. Allerdings sei das Mittel gut "schleimhautgängig", hätte also auch in einem toten Körper, etwa über den Magen, in den Blutkreislauf gelangen können, so der Rechtsmediziner. Der Transport der Leiche hätte das Mittel dann bis in den Oberschenkel transportieren können. Der Rechtsmediziner hält es aber für wahrscheinlich, dass die Frau noch gelebt hat. Es bestehe die Möglichkeit, dass weitere Untersuchungen ergeben, dass das Mittel zu Lebzeiten eingeflößt wurde, so die Einschätzung des Experten.

Für den Staatsanwalt ist diese Frage höchst relevant. Sollte die Frau noch gelebt haben, wären für den Staatsanwalt die "Einlassungen des Angeklagten völlig unglaubwürdig von vorne bis hinten".

Zur Klärung der Betäubungsmittel-Frage wäre es unerlässlich, das Mittel zu beschaffen. Die Flasche im Haus des Angeklagten war leer und in ganz Deutschland ist das Mittel schon seit Jahrzehnten nicht mehr erhältlich. In Indien gibt es das Mittel aber noch. Inzwischen hat das Gericht eine Pause anberaumt und der Staatsanwalt möchte nun erreichen, dass ein Verbindungsbeamter in Neu-Dheli das Mittel kauft und möglichst schnell nach Deutschland schickt.

VORBERICHT:

Wie bereits im Vorfeld erwartet, hat der 53-jährige Neumarkter am ersten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er räumte ein, seine Frau im Streit erwürgt zu haben, und gestand zudem, dass er sich anschließend an der Leiche vergangen hat. In den rund zwei Stunden langen Ausführungen des Angeklagten kam quasi dessen ganze Lebensgeschichte zur Sprache, einschließlich seiner gescheiterten ersten Ehe und seiner Alkohol- und Drogenprobleme. Eine Frage blieb jedoch unbeantwortet: Wieso hat der Angeklagte seiner - zu dieser Zeit offenbar schon toten - Frau ein Anästhetikum in den Mund eingeflößt?

Motiv für Betäubungsmittel-Aktion liegt im Dunkeln

Beim Prozessauftakt am Dienstag konnte der 53-Jährige keinerlei Angaben machen, weshalb er diese rätselhafte Handlung beging, und auch die als Zeugen geladenen Polizeibeamten konnten in diesem Punkt kein Licht ins Dunkel bringen. Zumindest eines sagte der Angeklagte aber mit Bestimmtheit aus: Seine Frau sei nach der Würge-Attacke definitiv tot gewesen. Damit wäre es wohl nicht mehr relevant, dass der 53-Jährige der Leiche anschließend ein Betäubungsmittel in den Mund gegossen hat.

Auch für den zweiten Verhandlungstag am Landgericht Traunstein sind wieder mehrere Zeugen geladen, darunter der mutmaßliche damalige Geliebte der Getöteten. Möglich ist, dass die Beteiligten Parteien auf die Aussage einiger Zeugen, etwa weiterer Polizeibeamter, verzichten. Ursprünglich hatte man zwar drei Verhandlungstage angesetzt, doch das Gericht hat bereits mehrfach durchblicken lassen, dass schon am Donnerstag ein Urteil fallen könnte.

**Innsalzach24 ist im Gerichtssaal und berichtet aktuell vom Prozess**

Archiv: Interview mit dem Polizeisprecher

Quelle: chiemgau24.de

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