Verhandlung am Landgericht Traunstein wird fortgesetzt

Frau erwürgt: Ist der Angeklagte verhandlungsfähig?

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Der Angeklagte im Gerichtssaal des Traunsteiner Landgerichts.
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Traunstein - Bringt ein Medikament aus Kanada die sensationelle Wende? Der Prozess gegen den 53-Jährigen aus Neumarkt-St. Veit brachte am Donnerstag kaum Fortschritt.

Update 11.30 Uhr

Wie lange zieht sich der Prozess gegen den 53-Jährigen aus Neumarkt-St. Veit noch hin? Und wird die Verhandlung letztlich die ganze Wahrheit ans Licht bringen? Am dritten Verhandlungstag stand zu Beginn erneut das Betäubungsmittel im Fokus, das der Angeklagte dem Opfer eingeflöst hat. Wie der Staatsanwalt mitteilte, sei man "verschiedene Wege gegangen", um die Reinsubstanz zu beschaffen. Allerdings gebe es das Mittel offenbar selbst in Indien nicht mehr.

Betäubungsmittel im Fokus

In Kanada könnte es eine Firma auf Bestellung herstellen. Wie der Staatsanwalt weiter ausführte, würde das Mittel dann aber erst in sechs bis acht Wochen in Deutschland sein. Deswegen versucht nun der Rechtsmediziner Prof. Dr. Graw aus München, die in der Flasche in Form von Anhaftungen vorhandene Restsubstanz zu verwenden. Ob dies eine Quantifizierung der im Blut des Opfers gefundenen Substanz ermöglicht, zeigt sich in einigen Tagen.

Ein weiterer Verhandlungstag, an dem Graw mögliche Ergebnisse präsentieren konnte, wird für den 18. März angesetzt. Erst dann kann eventuell die Frage beantwortet werden, ob die Frau noch gelebt hat, als ihr das Mittel eingeflöst wurde.

Angeklagter habe Spasmen im Kopf

Der Angeklagte hat unterdessen mit einem Schreiben ans Gericht, inklusive einiger Anträge, die er in einem weiteren Schreiben zurückgezogen hat, für Aufsehen gesorgt. Auf Nachfrage des Gerichts wollte sich der Angeklagte nicht zu dem Schreiben äußern - um gleich darauf doch zum Inhalt Stellung zu beziehen.

Thema des Schreibens ist offenbar eine angebliche Zuckerunverträglichkeit des Angeklagten. Er habe Spasmen im Kopf, wenn er Zucker bekomme. Grund dafür sei eine Epilepsie, die ihn plage, seitdem er seinen Alkoholkonsum reduziert habe. "Da habe ich kein Steuerungsvermögen", erzählte der 53-Jährige. Seine Nase fange dann an zu kribbeln und er habe ein Stechen im Kopf. Auch im Moment gehe es ihm so. Auf die Frage, ob er verhandlungsunfähig sei, sagte der Angeklagte: "Mir gehts nicht gut, das wollte ich halt sagen."

Sachverständiger muss Frage der Zuckerunverträglichkeit klären

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs zeigte wenig Verständnis für die Ausführungen des Angeklagten, der vor der Tat eine Süßigkeit, einen Granatsplitter, gegessen hatte. "Dann dürfen sie halt keinen Granatsplitter essen", sagte Fuchs. Der Angeklagte entgegnete daraufhin, er habe ihn "unwissentlich" zu sich genommen. Außerdem esse er ja auch jeden Tag Marmelade. Der Vorsitzende Richter machte deutlich, dass er die Frage nach einer Beeinträchtigung des Angeklagten durch eine mögliche Zuckerunverträglichkeit nicht offen lassen möchte. "Wir werden diese Frage durch einen Sachverständigen klären lassen", erklärte Fuchs.

Anschließend hat ein Beamter ausgesagt, der bei der Vernehmung des Angeklagten dabei war. Offenbar hat der Angeklagte bei der ersten Vernehmung einen Schokoriegel verlangt und bekommen. "Hat er nicht geäußert, dass es da gefährlich wird bei ihm?", fragte Fuchs den Zeugen. Der Beamte verneinte dies und gab darüber hinaus an, er habe während der Vernehmung bei dem Angeklagten keine gesundheitlichen Probleme bemerkt.

Ist der Angeklagte verhandlungsfähig?

Am Ende der Aussage des Beamten erklärte der Angeklagte, er sei nicht verhandlungsfähig. Es verkrampfe sich alles und er könne der Verhandlung nicht folgen. In einer kurzen Pause kam die Ärztin des Landgericht zu dem Urteil, dass der Angeklagte durchaus verhandlungsfähig sei - zumindest für einige Minuten. Da ohnehin keine weiteren Zeugen geladen waren, hat das Gericht die Sitzung für heute unterbrochen. Das Gericht erwägt, den Angeklagten stationär auf seine möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen untersuchen zu lassen. Der 53-Jährige hat sich grundsätzlich dazu bereiterklärt. Die Verhandlung wird am 18. März fortgesetzt. Dann wird auch der Rechtsmediziner Prof. Dr. Graw erneut gehört werden.

Vorbericht

Eigentlich war schon am ersten Verhandlungstag alles klar: Der 53-jährige Angeklagte aus Neumarkt-St. Veit gestand unter Tränen, seine Frau erwürgt zu haben. Der Mann räumte sogar ein, sich anschließend an der Leiche vergangen zu haben. Nur ein kleines, scheinbar unbedeutendes Detail blieb rätselhaft. Wieso hatte der Angeklagte seiner Frau ein Betäubungsmittel in den Mund eingeflößt? Vor Gericht konnte der 53-Jährige dazu keine Angaben machen. Sicherlich sei seine Frau zu diesem Zeitpunkt aber schon tot gewesen, so seine Aussage.

Am zweiten Verhandlungstag machte der Rechtsmediziner Prof. Dr. Matthias Graw aus München allerdings deutlich, dass der rechtsmedizinische Befund bezüglich des Betäubungsmittels keineswegs eindeutig ist. Die Frau könnte tatsächlich schon tot gewesen sein, als ihr das Mittel eingeflößt wurde. Graw hält es aber für wahrscheinlich, dass sie noch am Leben war. Falls sich herausstellen sollte, dass der Angeklagte seine Frau mit dem Medikament sediert hat, bevor er sie tötete, könnte sogar infrage gestellt werden, ob es tatsächlich "nur" Totschlag war.

Staatsanwaltschaft will Medikament einfliegen lassen

Eigentlich hätte der Prozess bereits am vorvergangenen Dienstag mit dem dritten Verhandlungstag fortgesetzt werden sollen. Kurzfristig wurde der Termin allerdings verschoben, sodass die Verhandlung am Donnerstag, 27. Februar, fortgesetzt wird. Wie bereits berichtet, ist es das Ziel der Staatsanwaltschaft, möglichst schnell jene Substanz zu beschaffen, die der Frau eingeflößt wurde. Nur so kann die Rechtsmedizin weitere Untersuchungen anstellen. Das Medikament gibt es offenbar nur noch in wenigen Ländern, darunter Kanada und Indien.

Dass sich die fragliche Substanz - ein Narkosemittel - im Körper der Frau des Angeklagten (unter anderem im Oberschenkel) befand, hatte die Rechtsmedizin bereits nachweisen können. Ob die Frau noch gelebt hat, als ihr das Mittel eingeflößt wurde, kann allerdings nur dann festgestellt werden, wenn klar ist, in welchen Mengen das Mittel im Oberschenkelblut war. Dafür, so erklärte es Prof. Dr. Graw, brauche man aber die "Reinsubstanz" des Mittels, welches es in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Die Flasche im Besitz des Angeklagten stammte seinen Angaben zufolge aus einer Hausauflösung.

Bleibt die entscheidende Frage weiter offen?

Doch selbst wenn das Narkosemittel als Reinsubstanz vorliegt und der Rechtsmediziner die Menge der Substanz im Blut des Opfers beziffern kann, steht eventuell noch immer nicht fest, ob die Frau noch gelebt hat. Auf Nachfrage des Staatsanwalts erklärte Graw am zweiten Verhandlungstag, dass ein mehrere Minuten andauerndes "Nachklopfen" des Herzens das Medikament in größeren Mengen in den Oberschenkel des bereits verstorbenen Opfers gepumpt haben könnte.

**Innsalzach24 ist im Gerichtssaal und berichtet aktuell vom Prozess**

Zwischenfazit des Verteidigers

Quelle: chiemgau24.de

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