Rekonstruktion zeigt: So knapp war es wirklich

"Dieser irre Lkw-Fahrer wollte mich umbringen" - B12-Raser festgenommen

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Freyung-Grafenau/Brünn - Ein waghalsiges Überholmanöver auf der B12 hat für einen Lkw-Fahrer fatale Folgen. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Nachdem der Tscheche wochenlang untergetaucht war, konnte er nun festgenommen werden.

Update, Montag: Tschechische Gerichte müssen über Auslieferung entscheiden

Einem tschechischen Lkw-Fahrer drohen nach einem riskanten Überholmanöver auf einer Bundesstraße in Bayern ernste Konsequenzen. Der 52-Jährige sei am Freitag in Untersuchungshaft genommen worden, sagte eine Sprecherin des Landgerichts in Brünn (Brno) nach Angaben der Agentur CTK. Die deutsche Staatsanwaltschaft hatte den Mann wegen des Verdachts des versuchten Mordes mit gemeingefährlichen Mitteln mit einem europäischen Haftbefehl gesucht.

Dem Fahrer wird vorgeworfen, mit seinem Lkw im dichten Verkehr nur knapp einem Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Reisebus entgangen zu sein. Die Bordkamera des überholten Lkws hatte das gefährliche Manöver aufgezeichnet.

Die Gerichte in Tschechien müssen nun innerhalb von 60 Tagen über eine mögliche Auslieferung des Mannes nach Deutschland befinden. Sein Arbeitgeber, ein Speditionsunternehmen aus dem Osten Tschechiens, habe ihn nach Bekanntwerden der Vorwürfe entlassen, berichtete die Agentur CTK.

Vorbericht

Fast eineinhalb Monate ist es her, dass ein Dashcam-Video auf Facebook für Furore sorgte. Zu sehen ist dort ein Lastwagen der tschechischen Spedition Mikostar, der am Ende einer zweispurig ausgebauten Strecke bei Freyung-Grafenau einen anderen Lkw kurz vor einer Rechtskurve überholt. 

Nichts kann den Fahrer aufhalten. Er ignoriert rigoros die Sperrlinie und schert auch nicht wieder ein, als ihm ein Schulbus und vier Autos dahinter entgegenkommen. Erst als er den Lkw erfolgreich überholt hat, schert er wieder auf seiner Spur ein und fährt unbehelligt durch die Geschehnisse seine Fahrt Richtung Tschechien fort.

"Ich bin froh, dass ich noch lebe"

In dem entgegenkommenden Bus, einem Schulbus, saß Fahrer Franz Heinzl (52). Bereits wenige Tage nach dem Vorfall meldete sich der Busfahrer in der PNP zu Wort: "Dann hätte ich mit Kreuz in der Zeitung gestanden." Er habe großes Glück gehabt. Aber noch immer sitze ihm der Schock in den Knochen: „Dieser irre Lkw-Fahrer wollte mich umbringen! Ich bin froh, dass ich noch lebe“, sagte Busfahrer Heinzl gegenüber der Bild. Nur zehn Minuten zuvor habe er 42 Schüler in Freyung abgesetzt. „Dieser Verrückte gehört nie mehr in einen Lkw, der ist eine Schande für unseren Berufsstand.“

Wie knapp es wirklich war, ergab laut Bild jüngst eine Tat-Rekonstruktion im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Diese habe auf der eigens zur Rekonstruktion gesperrten B12 ergeben, dass zwischen dem Lkw und dem Schulbus lediglich 28 Zentimeter Platz waren.

Kann der Lkw-Fahrer jemals geschnappt werden?

Nicht einmal eine Woche nach dem waghalsigen Manöver vermeldete das Polizeipräsidium Niederbayern, dass der Lkw-Raser ermittelt werden konnte. Demnach handelte es sich beim Fahrer des überholenden Lastkraftwagens um einen 52-jährigen tschechischen Staatsangehörigen. Eine europaweite Fahndung nach dem Raser läuft

Passauer Ober­staatsanwalt Walter Feiler (61) sagte zur Bild: „Das Amts­gericht Passau hat Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Gefährdung des Straßenverkehrs erlassen und dem Fahrer vorläufig die Fahrerlaubnis entzogen.“ Laut aktuellen Informationen der Bild sei der Lkw-Raser inzwischen jedoch untergetaucht.

mh/dpa

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook

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