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Die Helden von Garmisch-Partenkirchen

Soldaten waren zufällig im Unglückszug - jetzt erzählen sie, was sie erlebt haben

Üben stets Extremsituationen: Hauptfeldwebel Simon Albert (2.v.r.) und seine Kameraden beim Training.
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Üben stets Extremsituationen: Hauptfeldwebel Simon Albert (2.v.r.) und seine Kameraden beim Training.

Sie wollten nur nach Hause, ins Wochenende starten. Doch es kam alles anders: 30 Soldaten sind beim Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen zufällig im Zug und werden zu Lebensrettern - dank einer intensiven Ausbildung für den Klick im Kopf. Hier erzählen sie, was sie erlebt haben.

Mittenwald – Festhalten. Mehr kann David Müller nicht mehr tun. Festhalten und warten. Ein Zurück gibt’s nicht mehr. Das ist dem Obergefreiten in diesen Sekunden klar. Der Zug kommt nicht mehr auf die Schiene, seit er sich mit heftigem Rütteln und Vibrieren in Schieflage begeben hat. Ein kurzer Schwebezustand. Festhalten, ehe es laut und dunkel wird. Müller sieht noch Schulkinder, wie sie schreiend gegen die Fensterscheiben prallen. „Zum Glück hält das Glas“, denkt er sich noch. Der Aufprall kommt heftig. Dann ist es ruhig. Der Regionalzug von Mittenwald nach München ist bei Burgrain entgleist.

Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen

Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
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Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
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Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
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Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
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Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
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Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK

Müller ist einer von 30 Soldaten der Gebirgsbrigade 23, die an jenem Freitag, 3. Juni, von ihrer Kaserne in Mittenwald nach München und von dort aus nach Hause fahren wollten. Gegen 12.15 Uhr sind die Waggons aus noch ungeklärter Ursache in einer recht harmlosen Kurve von den Schienen abgekommen. Fünf Menschen sterben, 30 sind verletzt, 15 davon schwer. Trotzdem ist es Glück im Unglück, dass sich neben vielen Schülern auch die gut ausgebildeten Gebirgsjäger im Zug befinden.

„Der Anblick war unwirklich“

Währenddessen steht Simon Albert am Garmisch-Partenkirchner Bahnhof und wartet, dass der Anschlusszug nach München seine Fahrt aufnimmt. Der Hauptfeldwebel aus Mittenwald hat Feierabend, freut sich auf das Wochenende. Doch fährt der Zug nicht los. Eine Bahn sei am Farchanter Kreisel entgleist, erfährt er. Sofort schnappt er sich seinen Rucksack, sieht zwei Kameraden gegenüber stehen. „Kommt ihr mit?“, fragt er. Keine Sekunde wird gezögert. 

Albert winkt an der Straße ein Taxi herbei. Der Fahrer soll sie sofort zum Unglücksort in Richtung Farchanter Tunnel bringen. Was sie dort genau erwartet, wissen die drei nicht. Der Verkehr staut sich bereits. Das Taxi kommt nur etwa 600 Meter an den demolierten Zug heran. Den Rest läuft das Trio. „Der Anblick war unwirklich“, sagt Albert später. Doch es macht sofort Klick in seinem Kopf. Klick bedeutet umschalten. Klick heißt, ruhig die Situation zu analysieren, sich einen Überblick verschaffen, besonnen handeln. Albert und seine Kameraden machen sich daran, die Einsatzkräfte zu unterstützen, Erste Hilfe zu leisten, Sammelstellen einzurichten, panische Menschen zu beruhigen.

Soldat Müller öffnet nach dem Aufprall die Augen. Er liegt auf der Fensterseite des Waggons. Blickt prüfend kurz an sich herab, ist unverletzt. Er springt auf, sein Kamerad setzt den Notruf ab. Kinder weinen. Müller bewahrt einen kühlen Kopf. Die Spezialausbildung der Bundeswehr im Stresszustand macht sich bezahlt. Durch eine Fensterscheibe am Boden fällt Licht. Der Obergefreite schlägt sie ein, führt mit seinen Kameraden Kinder und Erwachsene nach draußen. Sie reichen den Feuerwehr-Einsatzkräften das Gepäck hinterher. Draußen führen sie die Überlebenden zur Sammelstelle.

„Ihre Ausbildung hat sich dort vollends ausgezahlt“, sagt Oberstleutnant Bastian Steves, Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233. Sofort bei Extremsituationen vom Freizeit- in den Einsatzmodus umzuschalten, wird dort regelmäßig und praxisnah trainiert – der sogenannte Klick im Kopf.

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