Gastbeitrag zu den Motorrad-Rowdys am Sudelfeld

Von "geistigen Tieffliegern" und fehlendem fahrerischen Können

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Bayrischzell/Brannenburg - Auf der Sudelfeld-Strecke (B307) passieren immer wieder schwere Unfälle, meist unter Beteiligung von Motorradfahrern. Das hat einen Leser von rosenheim24.de zu einem Gastbeitrag veranlasst:

Erst im Mai ist wieder ein Biker auf der umstrittenen Sudelfeldstrecke ums Leben gekommen. Fast schon zynisch wirkt dabei die Tatsache, dass am gleichen Tag, nur wenige hundert Meter entfernt, die alljährliche Präventionsveranstaltung für Motorradfahrer am Sudelfeld stattfand. Und obwohl die Polizei die Strecke regelmäßig kontrolliert, lassen sich Raser und Rowdys nicht davon abschrecken. 

Unser Leser Martin Bergmüller kennt die berühmt-berüchtigte Sudelfeldstrecke aus eigener Erfahrung. Obwohl er inzwischen die Strecke nach Möglichkeit meidet, möchte er dennoch einige Worte an alle waghalsigen und risikofreudigen Verkehrsteilnehmer richten.

Schwerer Motorradunfall am Sudelfeld

Der Gastbeitrag im Wortlaut:

"Die Sudelfeldstrecke ist mir seit vielen Jahren auch als Motorradfahrer bekannt und dabei bin ich selbst sicherlich auch kein "Kind von Traurigkeit". In den letzten Jahren habe ich die Sudelfeldstrecke an den Wochenenden mit gutem Wetter immer gemieden, heute hat sich betätigt, dass ich gut daran getan habe

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Auf der Rückfahrt von einer schönen und stressfreien Alpenrundfahrt machte ich den Fehler, über das Sudelfeld heimzufahren. Kaum von Auerbach kommend, die Tatzelwurmstraße aufwärts gefahren, habe ich zwischen Hummelei und Wall dann die erste "nette" Begegnung: Ein silberner Kleinwagen mit Rosenheimer Kennzeichen, älteres Ehepaar an Bord, hat wohl die eigene Geschwindigkeit unterschätzt. In einer der sehr engen Kurve (Beschränkung 30km/h), bleibt mir nur das Ausweichen auf's Bankett übrig. 

Von da bis zur Kreuzung Tatzelwurmstraße / B304 war dann alles entspannt, ich hatte mich schon gefreut - zu früh gefreut. Auf dem Kreuzungsparkplatz warteten schon zwei Motorrad-Tiefflieger auf ihre "Kollegen", die mir dann vom Sudelfeld aus kommend entgegenkamen. Offenbar hatte einer davon kalte Reifen (bei 25 Grad Außentemperatur im Schatten), oder es quälten ihn andere Schmerzen. Ansonsten konnte ich mir den schnellen engen Slalom zu dem Zeitpunkt noch nicht erklären. Eine Serpentine später wusste ich, es musste eine Mischung aus beidem sein. Die Reifenhaftung war wohl enorm, wenn zwei Motorräder, dicht hintereinander in Schräglage aus einer 180°-Kurve heraus, drei Fahrzeuge (zwei Autos, ein Motorrad, mit Abstand zueinander) über zwei durchgezogene Linien überholen können

Weiter ging die wilde Fahrt in "Ideallinie" zur nachfolgenden leichten Rechtskurve, linke (!) Fahrbahn, rechte Hälfte. Dass dies die überholten Verkehrsteilnehmer locker beobachten konnten, belegt, dass diese nicht im Schleichtempo unterwegs waren. Ob der Fotograf an einer der nachfolgenden Kurven zu ihnen gehörte, weiß ich nicht - sind aber sicher tolle Aufnahmen geworden. 

Am Parkplatz Waldkopflift hatten die schnellen Kollegen wohl umgedreht, denn aus der Zufahrt heraus kamen sie uns dann wieder entgegen. Okay, im Landkreis Dachau gibt es bestimmt keine vergleichbaren Strecken... In der Kurve, Höhe Bergstation Wedellifte, war es dann ein entgegenkommender Motorradfahrer, der seine Geschwindigkeit überschätzt hatte. Wie er schaffte, auf der Fahrbahn zu bleiben und nicht auf den Parkplatz (mit den dort stehenden Wanderern) zu schlittern, war wohl deutlich mehr Fortuna geschuldet wie seinem fahrerischen Können. 

Bekanntermaßen kommt nach dem Sudelfeldpass, in Richtung Bayrischzell, eine Baustelle mit Ampel. Das weiß man nicht nur, wenn man dort oben öfter unterwegs ist. Auch die Verkehrsschilder weisen ausdrücklich darauf hin. Ich gehe mal davon aus, dass in Nordrhein-Westfalen, im Kreis Heinsberg, die selben Verkehrsschilder Verwendung finden. Auch wenn GK als Kennzeichen auf den Ort Geilenkirchen verweist, ist es ist nicht geil, mit Vollgas an eine rote Ampel zu fahren und dann nach dem Motto "Ui, da stehen ja welche an einer roten Ampel" die Karre irgendwie zum Halten zu bringen. Cool war allerdings das schamrote Gesicht, weil die abgewürgte Karre nicht gleich wieder angesprungen ist, hahaha. 

Allerdings weniger geil war es dann später im Ortsbereich von Bayrischzell, wenn man, trotz Schilder und großer 50er-Beschriftung, auf der Straße die anderen Verkehrsteilnehmer mit Vollgas überholt, um die vermeintliche Scharte auszuwetzen - das ist nicht cool, das ist doof

Ob ihr euren eigenen Hals riskiert, ist mir egal, das müsst Ihr mit euch selbst ausmachen. Was nicht egal ist, ist wenn ihr andere gefährdet. Wir haben alle Familie und Freunde, ihr wie all die anderen, ich möchte, um niemanden trauern müssen. Und ich möchte auf niemanden diese unbändige Wut verspüren müssen, weil er aus Jux und Tollerei einen meiner Lieben gekillt hat... 

Jungs und Mädels, es wäre schön, wenn wir auch in Zukunft an den Wochenenden am Sudelfeld unseren Spaß haben könnten. Eine Streckensperre am Sudelfeld wird immer wieder diskutiert, wir wollen aber keine Wochenendsperre oder eine Totalsperrung.  Wenn es so am Gasgriff juckt, einige Motorradhändler und Reiseveranstalter bieten extra Reisen auf Rennstrecken an... Allseits gute und unfallfreie Fahrt - und möge euch kein "geistiger Tiefflieger" in die Quere kommen."

Gastbeitrag von Martin Bergmüller, Bad Aibling

Rubriklistenbild: © Aktivnews

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