Gedenken an Oktoberfest-Attentat: OB Ude für neue Ermittlungen

Stilles Gedenken: Oberbürgermeister Christian Ude (li.) und Innenminister Joachim Herrmann bei der Kranzniederlegung. ms

München - Vertreter von Stadt und Freistaat haben gestern des Oktoberfest-Attentats gedacht. Innenminister Herrmann schloss sich der Forderung, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, nicht an.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erinnerte an die zahlreichen Einzelschicksale, die untrennbar mit dem Oktoberfest-Attentat verbunden seien. Bei dem Anschlag am 26. September 1980 starben 13 Menschen, 211 wurden teils schwer verletzt. Ude sagte, die Hintergründe des Attentats seien „nie so ausgeleuchtet worden, dass die Opfer von der restlosen Aufklärung überzeugt wären“. Zwar sei dies nicht der richtige Moment, die einzelnen Beweismittel noch einmal zu würdigen. Der Wunsch der Angehörigen und Opfer, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, müsse aber aufgegriffen werden, forderte Ude. „Das sind wir der Analyse des schlimmsten Anschlags der Nachkriegsgeschichte neben dem Angriff auf die Olympischen Spiele 1972 schuldig.“

Fest stehe, dass der Täter Gundolf Köhler durch das rechtsextreme Millieu geprägt gewesen sei. „Das verpflichtet uns zu einem offensiven Umgang mit dem Rechtsextremismus“, sagte Ude.

Mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nahm zum ersten Mal ein Vertreter des Freistaates an der Gedenkveranstaltung teil. Die Frage, warum die Staatsregierung bisher nicht vertreten gewesen sei, könne er nicht beantworten, sagte Herrmann nach der Veranstaltung. Er habe sofort zugesagt, als er dieses Jahr die Einladung erhalten habe. Ob er auch in früheren Jahren eingeladen gewesen sei, könne er nicht mehr nachvollziehen. Auch Herrmann stellte den rechtsextremen Hintergrund der Tat vor 30 Jahren heraus. Daraus lasse sich ableiten, dass man „jeder Keimzelle von Extremismus entschlossen begegnen“ müsse.

Der Forderung von zahlreichen Opfern und Hinterbliebenen nach einer Wiederhaufnahme der Ermittlungen wollte sich Herrmann im Gegensatz zu Ude nicht anschließen. Das sei keine Entscheidung der bayerischen Behörden, sagte der Innenminister. „Das wird vom Generalbundesanwalt geprüft.“ Es handle sich „um keine politische Frage, sondern um eine Frage sorgfältiger Ermittlungen“. Ihm seien keine neuen Erkenntnisse bekannt, die eine Wiederaufnahme der Ermittlungen durch bayerische Behörden rechtfertigen würden, sagte Herrmann. Die Generalbundesanwaltschaft müsse die neu aufgetauchten Hinweise aus Stasi-Unterlagen prüfen. Ob dies allerdings zu einer Wiederaufnahme führe, sei ungewiss. Die Stasi habe durchaus auch „Blödsinn“ in ihren Akten festgehalten, so Herrmann. Die Analyse wolle er aber den Fachleuten überlassen, er sei „nicht oberster Kriminalbeamter, ich bin Politiker“.

Von Philipp Vetter

Quelle: Oktoberfest live

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser