Geht Eishallen-Prozess in neue Runde?

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Traunstein/Bad Reichenhall - Robert Schmidbauers erste Reaktion nach dem Freispruch von Rüdiger S. war: "Ich mag nicht mehr." Doch jetzt scheinen auch die Angehörigen noch einen Schritt weiter zu gehen.

Während die Staatsanwaltschaft Traunstein nur einen Tag nach der Urteilsverkündung im Revisions-Prozess um den Einsturz der Bad Reichenhaller Eishalle bereits erneut Revision eingelegt hat, haben es sich die Angehörigen reiflich überlegt. Zu kräftezehrend war der bisherige Prozess-Marathon. Doch noch wollen sich zumindest drei Angehörige alle Optionen offen halten.

"Sobald das schriftliche Urteil vorliegt, werden wir genau prüfen, ob wir das Revisionsverfahren weiterführen werden", erklärt Opferbeistand Thomas Kämmer BGLand24. Das Gleiche macht die Staatsanwaltschaft. "Das Verfahren geht so lang und es geht um so viel, da kann man nach einer mündlichen Urteilsverkündung nicht einfach sagen, lassen wir's", so Staatsanwalt Andreas Miller.

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Während Staatsanwaltschaft und Angehörige zumindest eine Teilschuld bei dem Gutachter Rüdiger S. sehen, der drei Jahre vor dem Einsturz der Halle noch einen guten Zustand bescheinigt hatte, wollen die Angehörigen endlich auch Gerechtigkeit, was die damaligen Verantwortlichen der Stadt Bad Reichenhall betrifft. "Zu begründen, dass die Stadtverwaltung nichts getan hätte, auch wenn der Gutachter damals auf die Gefahren hingewiesen hätte, reicht uns nicht aus", so Kämmer. "Wir wollten, dass auch die damaligen Stadtratsmitglieder in den Zeugenstand berufen werden, was das Gericht bewußt unterlassen hat." Laut Kämmer hätte die Entscheidungsgewalt über den Komplex Eishalle - Schwimmhalle auch und gerade bei den Gremien und nicht nur bei der Verwaltung gelegen. Deshalb werde es hierzu auf alle Fälle eine Aufklärungsrüge geben, wenn das Revisionsverfahren weitergeführt wird. Was die Staatsanwaltschaft den Angehörigen auch schuldig sei, so Kämmer weiter.

Verteidiger Rolf Krüger wartet währenddessen die schriftliche Urteilsbegründung ab. "Ich habe den Vorsitzenden als sehr sorgfältigen und im Detail genau arbeitenden Menschen erlebt. Er wird sein Urteil sehr genau begründen." Denn beim ersten Prozess hätte der Bundesgerichtshof das Urteil aufgrund von Begründungsfehlern kassiert. "Wenn die Staatsanwaltschaft nach dem schriftlichen Urteil die Revision begründet, werden sich auch die Angehörigen dranhängen. Tut sie das nicht, wird es für die Angehörigen schwer werden", ist Krüger überzeugt. Das lege einzig an den Kosten, bestätigt Kämmer. "Alleine können die Angehörigen das nicht stemmen."

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Der Opferbeistand will aber weiter für die Angehörigen kämpfen. Er sieht einen unfairen Umgang mit ihnen von Seiten der Traunsteiner Justiz. "Es ist gegenüber den Angehörigen der Opfer ein Unding, die Revisionsverhandlung erst nach der Verjährungsfrist anzusetzen." Somit hätte die vom BGH geforderte nähere Ausleuchtung der Verantwortlichkeit der Stadt nicht umfassend stattgefunden. Auch in der zweiten Freispruchbegründung hatte Richter Jürgen Zenkel, die Untätigkeit der Stadt schwer angemahnt. Doch weder die Verantwortlichen in der Verwaltung noch dem Stadtrat können noch belangt werden. Deshalb haben die Anwälte der Angehörigen eine sehr lange Beschwerde gegen die Staatsanwaltschaft eingereicht. Ein vom Angehörigen Robert Schromm angestrebtes Strafverfahren wurde allerdings im Keim erstickt.

cz

Quelle: BGland24.de

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