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Gerücht: WHO erklärt PCR-Tests für ungültig? Das bedeutet die Mitteilung tatsächlich

Oft Gegenstand von hitzigen Diskussionen im Internet: der PCR-Test bei Verdacht auf Corona-Infektion.
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Oft Gegenstand von hitzigen Diskussionen im Internet: der PCR-Test bei Verdacht auf Corona-Infektion.

Seitdem die WHO am 20. Januar eine Mitteilung veröffentlichte, die sich mit der Auswertung von PCR-Tests beschäftigt, häufen sich die Sharepics und die Verkündungen aus Corona-kritischen Kreisen. Angeblich gab die WHO selbst an, dass PCR-Tests nicht geeignet seien, eine Corona-Infektion nachzuweisen. Das bayerische Gesundheitsministerium klärt, was die Mitteilung tatsächlich für die Teststrategie bedeutet.

Kurz und knapp:

  • Am 20. Januar gab die WHO eine Mitteilung zur Bewertung von PCR-Testergebnissen heraus
  • In Corona-kritischen Kreisen wird behauptet, die WHO erkläre in der Mitteilung PCR-Tests für ungültig
  • Diese Interpretation der Mitteilung, dass PCR-Tests für ungültig erklärt werden, ist falsch
  • Bayerisches Gesundheitsministerium kommt der empfohlenen Verwendung der PCR-Tests bereits nach

Zuerst einmal ein Blick auf die Mitteilung der WHO vom 20. Januar. Diese richtet sich an Nutzer von IVDs - In vitro diagnostics. In vitro bedeutet, dass die Diagnose außerhalb des lebenden Organismus durchgeführt wird, also im sprichwörtlichen Reagenzglas. Darüber hinaus bezieht sich die Mitteilung in der Tat auf den PCR-Test, der zur Diagnose einer Infektion mit SARS-Cov-2 verwendet wird.

Die Mitteilung fährt mit der Information fort, dass das Ergebnis eines PCR-Tests, das nur schwach positiv ist, mit Vorsicht zu interpretieren ist. Der Zyklus-Schwellenwert (cycle threshold/ct) steigt, je kleiner die Viruslast des getesteten Patienten ist. Umgangssprachlich ausgedrückt: je weniger Virus, desto mehr Zeit wird benötigt, um eine Infektion eindeutig nachzuweisen.

PCR-Test nicht ungültig: Bei nicht eindeutigen Ergebnissen soll zweiter PCR-Test gemacht werden

Besonders ausschlaggebend: Die Empfehlung der WHO lautet, dass bei Ergebnissen, die nicht mit der Symptomatik des Getesteten (clinical presentation) übereinstimmen, ein zweiter PCR-Test durchgeführt werden soll.

Die WHO weist darauf hin, dass ein positives Testergebnis bei sinkender Prävalenz - also der abnehmenden verhältnismäßigen Anzahl von Erkrankten - weniger verlässlich ist als bei steigender Prävalenz. Hier liegt der mutmaßliche Punkt, der von kritischer Seite verwendet wird, um die Aussage „PCR-Tests für ungültig erklärt“ zu rechtfertigen. Dass PCR-Tests aber per se ungültig sind, wird nicht mitgeteilt.

Bayerisches Ministerium für Gesundheit und Pflege: „Durch empfohlene Verwendung Aussagekraft bereits erhöht“

Auf Anfrage von rosenheim24.de erklärt eine Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministerium, ob sich die Mitteilung der WHO auf die bestehende Teststrategie auswirkt: „In der Regel werden bei unklaren Befunden Kontrolluntersuchungen empfohlen. Durch die empfohlene Verwendung von dual (gelegentlich sogar triplet) target-PCR-Methoden wird die Aussagekraft von PCR-Befunden bereits jetzt erhöht.“ Die Durchführung und Bewertung von Tests liegt jedoch in der Verantwortung des durchführenden Labors, betont die Sprecherin.

Über die generelle Einschätzung des PCR-Testverfahrens wird angemerkt: „Der PCR-Test gilt als sehr sichere Nachweismethode einer COVID-19-Infektion. Derzeit kommen RT-PCR-Testverfahren zum Einsatz, bei denen sowohl eine sehr hohe Spezifität als auch Sensitivität gegeben ist.“

Neben der Einschätzung des Bayerischen Gesundheitsministeriums beruft sich die Sprecherin auch auf das Robert-Koch-Institut (RKI): „Unserer Erfahrung nach liefert die Diagnostik höchst zuverlässige Ergebnisse. Auch das RKI geht davon aus, dass aufgrund des Funktionsprinzips von PCR-Testen und hohen Qualitätsanforderungen die analytische Spezifität bei korrekter Durchführung und Bewertung bei nahezu 100 Prozent liegt“

Falschpositive Tests als Stolperstein?

Bei mutmaßlich falschpositiven Ergebnissen können verschiedene Faktoren mitwirken, erklärt die Sprecherin: „Neben der reinen Laboranalytik haben auch die Probennahme und insbesondere deren Zeitpunkt im Infektionsgeschehen einen erheblichen Einfluss auf das Testergebnis.“ 

Demnach hat der zeitliche Kontext einer Infektion und auch ob die Probe, die vor dem Test genommen wurde, ausreichend ist, einen Einfluss darauf, wie verlässlich das Ergebnis ist: „Gegen Ende des Infektionsgeschehens kommt es gewöhnlich zur Verminderung der Viruslast, sodass bei einer zweiten Probennahme innerhalb von 24 Stunden durchaus negative Ergebnisse vorkommen können, da die Viruslast unter die Nachweisgrenze gefallen ist. Außerdem kann auch das Testmaterial Auswirkungen auf ein Testergebnis haben, zum Beispiel wenn zu wenig entnommen wurde und es damit nicht für die Diagnostik geeignet ist.“

mda

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