Götterdämmerung: "Kini" faszinierte die Massen

Bis zum Schluss herrschte Hochbetrieb: Noch einmal viele Interessierte besuchten in den letzten Tagen die Ausstellung. Fotos berger

Herreninsel - Es war ein Drama in fünf Akten. Und jetzt ist der Vorhang gefallen. Am Sonntag ist die Ausstellung "Götterdämmerung" zu Ende gegangen.

Fünf Monate haben das Haus der Bayerischen Geschichte, die Schlösserverwaltung und der Landkreis Rosenheim die Geschichte von König Ludwig II. und seiner Zeit im Stil einer klassischen Tragödie in der bayerischen Landesausstellung auf Schloss Herrenchiemsee erzählt.

Weit über eine halbe Million Besucher haben sich in den vergangenen fünf Monaten auf die Spuren des bekanntesten Königs aus dem Hause Wittelsbach begeben. Die Rekorde purzelten: Auf so ein großes Interesse stieß bislang keine andere bayerische Landesausstellung. Einen so hohen Zuspruch erfuhr keine andere kulturhistorische Ausstellung in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.

Mit Begeisterung gingen in den vergangenen Wochen und Monaten auch viele Kinder auf Spurensuche.

Über die Grenzen des Freistaates hinaus zog der "Kini" die Massen auf die Herreninsel. Im In- und Ausland fand die Ausstellung große Beachtung. Etwa auch der frühere Bundespräsident Horst Köhler trug sich ein ins Gästebuch. Ob aus dem Chiemgau oder aus Maui (Hawaii), Schüler oder frühere Staatsmänner, Aktionskünstler oder "Guglmänner" - Mitglieder jenes bayerischen Geheimbundes, der sich als Hüter der Monarchie versteht und die Verschwörungstheorien und Legenden um den Tod König Ludwigs II. weiterträgt -, sie alle kamen ins Schloss Herrenchiemsee, um einen Blick hinter die Kulissen von Kitsch und Märchenkönig zu werfen.

Als Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, gemeinsam mit Schlösserverwaltungs-Präsident Bernd Schreiber und Landrat Josef Neiderhell am gestrigen Sonntag die Landesausstellung schloss, hatte sie alle Rekorde gebrochen: Rund 570000 Besucher haben die Schau über das Leben und Sterben des bekanntesten bayerischen Königs gesehen. Damit ist sie die erfolgreichste kulturhistorische Ausstellung in der Bundesrepublik Deutschland seit 1978.

Eindrücke von der Landesausstellung

Landesausstellung: Aufbau abgeschlossen

Allgegenwärtig war der "Kini" in der Ausstellung - auf dem berühmten Gemälde von Ferdinand Piloty.

"Ich freue mich natürlich sehr über den Erfolg", so Loibl. "Besonders schön war es, die vielen Interessierten in derLandesausstellung zu sehen, die begeistert die Exponate angeschaut haben, und die Kinder, die an der Fingerhakelmaschine eine riesen Gaudi hatten. Bei der Satire von Christoph Süß konnte ich selbst nach der x-ten Führung immer noch mitlachen. Geschichte kann also auch Spaß machen."

Einen Rückblick auf Ludwig II. und seine Bayern zu geben sei "gar nicht so einfach". Loibl: "Dass am Ende sowohl kritische Historiker als auch eingefleischte Ludwig-Fans von der Ausstellung angetan waren, ist schon eine Auszeichnung für alle Mitwirkenden." Bei großem Andrang hätten die Besucher, so Dr. Loibl weiter, sogar Wartezeiten auf sich nehmen müssen. "Ich hoffe, sie kommen nächstes Jahr zur Landesausstellung 'Bayern und Österreich' in Burghausen wieder."

"Wir waren schon im Vorfeld sicher, dass die Verknüpfung einer historischen Ausstellung mit dem originalen historischen Schauplatz ein Erfolgsrezept ist", sagte Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. Einmal mehr habe der "Kini" Ludwig II. seine "ungeheure Popularität" unter Beweis gestellt. "Der enorme Andrang mit bis zu 7700 Besuchern pro Tag unterstrich erneut, dass sein Erbe für den ganzen Freistaat von unschätzbarem Wert ist", meinte Schreiber.

Ausgiebig informierten sich die Erwachsenen über den bekanntesten Herrscher aus dem Hause Wittelsbach.

Die Touristiker des Landkreises Rosenheim verzeichneten bereits im ersten Quartal des Jahres einen Zuwachs um sieben Prozent bei Besuchen und Übernachtungen. Ein Erfolg, den Landrat Josef Neiderhell auch auf die Landesausstellung zurückführt: "Mich hat wirklich sehr gefreut, wie sich die Landesausstellung positiv im Bereich des Tourismus bemerkbar gemacht hat. Die Münchner haben den Chiemsee neu entdeckt und auch viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis haben sich nach vielen Jahren wieder einmal auf den Weg zur Herreninsel gemacht."

Ebenfalls sehr erfreulich sei gewesen, dass 382 Schulklassen die Ausstellung besucht hätten, so Neiderhell. Das Angebot des Landkreises, jede Klasse mit bis zu 250 Euro zu unterstützen, habe sich "sicher positiv ausgewirkt".

Wie sehr sich die Besucher mit der Ausstellung identifi-zierten, zeigt eine Anekdote, die Projektleiter Dr. Peter Wolf berichtet: "Im vorletzten Raum, der den Tod Ludwigs II. behandelt, haben wir die Windbüchse ausgestellt, die am Ufer des Starnberger Sees in der Todesnacht gefunden wurde. Natürlich haben auch wir das Rätsel des 13. Juni nicht lösen können - das wollten wir auch gar nicht! Auf der Vitrine dieses Exponats jedoch fand sich in regelmäßigen Abständen ein 'Post-it' mit der Aufschrift 'Die Mordwaffe'."

pü/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser