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Hundetrainerin Dr. May aus Gstadt setzt auf positives Training

Obacht Hundebesitzer: So wird die Fellnase zum besten Freund fürs Leben

Hundetrainerin und Tierärztin Dr. Janey May aus Gstadt am Chiemsee
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Hundetrainerin und Tierärztin Dr. Janey May aus Gstadt am Chiemsee mit ihrem Töchterchen und ihren drei Hütehunden.

Gstadt - Hundetrainerin und Tierärztin Dr. Janey May ist dreifache Hundemama und führt seit zehn Jahren die Hundeschule „Dogs Connection“ im Landkreis Rosenheim. Sie weiß, wie man mit Fellnasen umgehen muss, damit eine erfolgreiche Hund-Mensch-Beziehung heranreifen kann. Tipps und Tricks von der Expertin von der Anschaffung über die Erziehung bis zur Haltung.

Frau Dr. May, als Tierärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt Verhaltenstherapie haben Sie sich dem bedürfnisorientierten Umgang mit Hunden, dem entsprechenden Miteinander von Tier und Mensch und dem Thema Hund-Kind-Sicherheit verschrieben. Was antworten Sie auf die Frage: Welche Aspekte muss ich beachtet, wenn ich mir einen Hund anschaffen möchte?

Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte eine Hundeberatung in Anspruch nehmen. Es gibt diese Leistung bei ganz vielen Hundeschulen oder Hundetrainern, die auch im Netz zu finden sind. Auch auf meiner Website finden sich Tipps und Tricks. Das Angebot „Beratung vor dem Hundekauf“ kennen leider bisher nur sehr wenige. Lapidar gesagt: Jeder, der sich ein Auto kaufen möchte, geht zu einer Beratung und kauft nicht einfach blind. Beim Hund hingegen geht das oft Schlag auf Schlag. Dabei ist ein Hund ein Lebewesen und sollte über die Lebenszeit von plus 14 Jahren ein ganz enges Familienmitglied sein. Die gemeinsame Zeit sollte Spaß machen, eine Bereicherung sein und keine Belastung darstellen.

Sie sagen, der Hund soll ein enges Familienmitglied werden: Welche Aspekte sollten dabei im Vorhinein beachtet werden?

Vorab sollten sich innerfamiliär Gedanken gemacht werden inwiefern der gewünschte Hund in die Familie passt: Wie stelle ich mir Spaziergänge vor? Welche Bedürfnisse hat er, welche Pflege benötigt er? Welche Aufgabe soll der Hund für wen in der Familie erfüllen? Ich muss mir im Klaren darüber und darauf eingestellt sein, dass ein Vierbeiner das ganze Familienleben und auch den Alltag umkrempelt. Es ergeben sich neue Bedürfnisse und in der Familie muss einer mehr berechnet werden. Wer noch nie mit einem Hund zusammengelebt hat, für den ist das eine große Umstellung.

Wenn ich mich dazu entschieden habe, mir einen Hund anzuschaffen - was muss ich bei der Wahl der Rasse beachten?

Möchte ich einen kleinen Hund oder einen 30-Kilo-Hund? Wer Dreck und Haare schlimm findet, sollte sich keinen Langhaarhund zulegen. Wer im Sommerurlaub samt Hund in die große Hitze fahren möchte, sollte sich zum Beispiel keinen Husky zulegen. Sind Kinder im Haushalt? Diese und weitere Fragen sollten man sich stellen. Man muss sich außerdem im Klaren darüber sein, dass typische Rassebeschreibungen seitens der Verkäufer im Grunde nichts anderes als eine Verkaufsanzeige darstellen. Auf keinen Fall blenden lassen. Hunde sind Individuen wie wir auch und innerhalb einer Rasse gibt es Unterschiede: Den einen perfekten Familienhund gibt es nicht. In den ersten Wochen am neuen Ort findet für ihn eine Veränderung statt. Der Hund reift heran und passt sich den Umständen um ihn herum an. Wer sich einen Hund holt muss bereit sein, mit ihm gemeinsam zu wachsen. Auf keinen Fall voreingenommen an das neue Familienmitglied herangehen und am Ende enttäuscht sein, wenn der Hund nicht so ist, wie man es vielleicht aufgrund von Beschreibungen erwartet hätte. Es ist und bleibt ein Lebewesen.

Stichwort Tierschmuggel: Gerade seit der Corona-Pandemie hat Welpenhandel zugenommen. Wie kann ich mich davor schützen?

Seit Corona hat sich eine Art „Hundemafia“ gebildet hat. Es werden Hunde im Ausland gezüchtet und als angebliche Tierschutzhunde verkauft. Diese große Nachfrage seit der Pandemie möchte erfüllt werden und da ist ein ganz großer Markt entstanden, eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Wer sich also einen Hund aus dem Tierschutzverein holen möchte, der sollte sich vorab ausreichend informieren: Gibt es im Internet schon nähere Informationen über das Tier? Ist der Verein vertrauenswürdig? Von Angeboten, den Hund an der Autobahnraststätte abzuholen die Finger lassen. Diese Tiere bringen sehr viele Krankheiten mit und sterben zum Teil nach ein paar Tagen oder Wochen, weil sie unter verheerenden Zuständen aufgewachsen, viel zu jung und ungeimpft sind. Wer denkt, er hilft, liegt falsch. Die Nachfrage bestimmt den Markt, man hält den Markt am Laufenden.

Inwiefern lohnt sich der Besuch einer Hundeschule?

Die Hundeschule ist hauptsächlich dafür da, dass der Mensch Sicherheit bekommt und lernt, wie man nach neuestem Wissenstand mit Hunden umgeht. Neu-Hunde-Eltern sollten sich generell Hilfe holen. Das Schöne: Sie sind offen, lassen sich ein auf Veränderungen und verfahren nicht in alte Muster à la „Die drei vorherigen Hunde habe ich auch so erzogen und das hat schon immer geklappt“. Es hat sich durch Forschungen in den vergangenen 20 Jahren extrem viel gewandelt. Als Neu-Hunde-Eltern hat man Unsicherheiten und Fragen und dafür sollte man sich in einer Hundeschule Antworten holen und Sicherheit durch Experten erlangen.

Wie lange würden Sie den Besuch einer Hundeschule empfehlen?

Da gibt es keine pauschale Antwort: Zu mir kommen Kunden seit acht Jahren. Wir bieten auch Beschäftigungskurse an, denn das kommt oft im hektischen Menschenalltag zu kurz in der heutigen Zeit. Hunde sind bis ins hohe Alter wissbegierig, wollen spielen und lernen. Wer sich einen alten Hund aus dem Tierheim holt ist dankbar über Tipps und Tricks vom Trainer. Es ist nie zu spät oder zu früh für eine Hundeschule.

Wie stehen Sie zu Hundeschulen explizit für Welpen respektive Spiel-Gruppenstunden?

Das geht leider oft nach hinten los. Um die klassischen Welpen-Gruppenstunden, in denen frei gespielt wird, sollte ein Bogen gemacht werden. Zum Vergleich: Setzen sich Erstklässler zusammen und versuchen sich gegenseitig das Einmaleins beizubringen ohne Lehrer, so endet das im Chaos. Ähnlich ist das bei den Welpen. In den freien Gruppenstunden geht es um Jagen und Gejagt werden, wodurch sich Erregungslagen entwickeln, die zu Ängsten und Unsicherheit oder unsozialem Verhalten gegenüber Fremdhunden führen. Ich empfehle eher Einzelberatungen und geführte Kontakte, dessen Fortschritte dann bei Fremd-Hundebegegnungen souverän erprobt werden können.

Wie schaffe ich es, dass mein Hund sozialverträglich wird?

Indem ich eine sichere Bindung schaffe. Wir wissen aus der Forschung, dass Hunde ähnliche Bindungsformen aufbauen wie Kinder, ähnlich einer Eltern-Kind-Beziehung. Wenn der Vierbeiner seinen Menschen an der Seite hat und gelernt hat, dass er zu seinem Menschen kommen kann, sobald er sich unwohl fühlt und sich nicht selbst verteidigen muss, dann ist das ein Erfolg. Ein Bindungsaufbau braucht Zeit und viele positive Erlebnisse in der Praxis. Der Hund sollte sich geschützt und nicht alleine gelassen fühlen. Das macht am Ende Verträglichkeit, weil er weiß: „Mir wird geholfen, wenn ich zu meinem Menschen gehe.“ Mit Ruhe und Geduld funktioniert das gut und hier zählt das Prinzip „Weniger ist mehr“: Lieber habe ich drei positive Sozialkontakte als 30, von denen die Hälfte schlecht lief.

Frau Dr. May, vor zehn Jahren haben Sie mit einer Weiterbildung zum Thema Bissprävention begonnen. Wie reagiere ich, wenn mein Hund anfängt zu schnappen - nach anderen Hunden, Menschen oder auch Kindern?

Hier stellt sich die Frage nach dem „Warum?“ Kein Verhalten entsteht im luftleeren Raum, Verhalten hat immer Gründe. Schnappen ist eine der höchsten Eskalationsstufen, danach kommt das Beißen. Sehr viele Kommunikationsstufen und auch die Hundekörpersprache wurden missachtet, verboten oder abtrainiert. Beispiel Knurren: Wird das verboten, bleibt der Stress und der Hund nimmt die nächste Stufe auf der Leiter der Aggression. Hier sollte unbedingt Expertenrat eingeholt werden, um zu erkennen, wieso der Hund bestimmte Verhaltensmuster zeigt.

Was darf ich auf gar keinen Fall als Hundebesitzer tun?

Zeigt der Hund Verhaltensweisen, die uns Menschen nicht gefällt, ist es unsere Aufgabe, dem Hund eine Alternative aufzuzeigen und fair mit ihm zu trainieren. Anbieten würde sich beispielsweise ein Signal, sich auf das Hundekissen zu legen oder positive Ruhezonen aufzubauen, in denen sich der Hund wohl fühlt. Hunde amen die Familiensprache nach und man sollte niemals körperlich kommunizieren und so einen Machtkampf entfachen. Anstatt „Nein, hör auf“ zu sagen, zeige ich ihm die Alternative auf und spare so mir und dem Vierbeiner Nerven. Heutzutage geht viel über das „Marker-Training“ oder „Klick-Wort“, ein positiv basiertes Training, in dem der Fokus darauf liegt, belohnungs- und bedürfnisorientiert zu arbeiten und nicht hemmend oder fehlerorientiert.

Wie lange kann ich einen Hund alleine lassen?

Hunde sind nicht dafür gemacht, dass sie alleine bleiben können, das muss trainiert werden. Wichtig ist das Alter: Geht der Bindungspartner, ist das für ein Baby oder Kleinkind genauso extrem wie für einen Welpen oder Junghund. Es ist dem Hund gegenüber sehr fair, das zu üben, denn unser Alltag sieht nicht so aus, dass man 24/7 zusammen ist und ein Notfall kann plötzlich eintreten, sodass ein Hund auf einmal alleine bleiben muss. Im Idealfall mit Expertenrat üben, zu Beginn kleinschrittig anfangen und mit einer reizreduzierten Ruhezone beginnen, die bestenfalls keinen Blick in den Garten gibt, mit dem der Hund abgelenkt sein könnte. Den Hund auch keinesfalls im Schlaf verlassen, dadurch kann erwirkt werden, dass Hunde tagsüber gar nicht mehr schlafen und ständig auf Hab Acht ist. Mehr als fünf Stunden pro Tag sollte ein Hund ohnehin nicht alleine gelassen werden - und das auch nicht täglich. Hier wäre es besser, einen Sitter zu haben, der ab und an nach dem Vierbeiner schaut und ihn auch mal pieseln lässt. Und allgemein sollte mir als Hundebesitzer auch klar sein, dass ich mir keinen Hund anzuschaffen brauche, wenn ich zu wenig Zeit habe.

Frau Dr. May, vielen Dank für das Gespräch.

mb

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