Ein "Ghostwriter" meldet sich zu Wort

+
Siegfried N. Dennery.

Rosenheim/Straubing - Unzählige Solidaritätsbekundungen hat Karl-Theodor zu Guttenberg erhalten. Doch auf den Brief von Siegfried N. Dennery hätte Guttenberg wohl verzichten können.

Der Fall Dennery auf ovb-online.de

Der Unterstützerbrief von dem "Räuber mit der sanften Hand" erreichte jetzt die Redaktion des Oberbayerischen Volksblatts.

Die Absendeadresse auf dem Umschlag lautet: Äußere Passauer Straße 90 in Straubing - die Anschrift der niederbayerischen Justizvollzugsanstalt. Geschrieben hat den Brief Siegfried N. Dennery, Schriftsteller, verurteilter Bankräuber und selbst ernannter Regisseur.

Dennery war in den 80er Jahren wegen einer Serie von Banküberfällen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Hinter Gittern schrieb er einen autobiografisch angehauchten Roman mit dem Titel "Der Räuber mit der sanften Hand". Das Buch wurde zum Bestseller und von RTL verfilmt, der Autor war Gast in diversen TV-Talkshows.

Wohl als das Geld zu Ende war, begann Dennery 2001 eine neue Überfallserie. Im Mai 2007 geriet er bei Stephanskirchen in eine Zufallskontrolle der Polizei. Im Auto fanden Polizeibeamte eine Gaspistole, Sturmhaube, Fesselmaterial und Bolzenschneider. Obwohl Dennery alles abstritt, wurde er nach einem Verhandlungsmarathon mit 33 Prozesstagen erneut wegen mehrfachen Bankraubs verurteilt. Die Strafkammer schickte 2009 den damals 64-Jährigen für 18 Jahre hinter Gitter.

Vor Gericht hatte Dennery angegeben, er habe seinen Lebensunterhalt dadurch bestritten, dass er in fremdem Auftrag neun Doktorarbeiten geschrieben hätte. Der Beweis dafür, ein Laptop, sei nach seiner Festnahme bei der Polizei verschwunden, hatte Dennery behauptet.

Gerade, weil er selbst für andere Dissertationen geschrieben habe, "melde ich mich zu Wort", schreibt der 66-Jährige zum Fall Guttenberg. Es sei "empörend", wie "eine Lichtgestalt auf der politischen Bühne" (...) "auf unflätigste Weise niedergemacht und beschimpft, beleidigt und mit Dreck beworfen wird", meint Dennery. "Wo bleibt hier die Menschlichkeit", fragt der Bankräuber, der bei seinen Überfällen seine Geiseln brutal misshandelt hat.

Aber so ganz ungeschoren will er Guttenberg auch nicht davon kommen lassen. Der Freiherr habe "abgekupfert, gelogen und betrogen." Dennery fragt: "Berechtigt dies aber dazu, ihn mit übelsten Beschimpfungen zu diffamieren und ihn als Lügner zu bezeichnen" und macht hier "Niederträchtigkeit" bei allen Guttenberg-Kritikern aus.

Der Brief endet mit einem Zitat aus dem Neuen Testament, gerichtet an "selbstgerechte Kritiker, Moralapostel und Neider". "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, denn mit dem Urteil, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird euch gemessen werden."

Ob er mit diesem Rundumschlag tatsächlich einen Beitrag zum Thema Ghostwriting bei Doktorarbeiten abgeben wollte, ob er sich damit selbst als Unschuldslamm darstellen oder ob er sich schlicht und ergreifend wichtig machen wollte - diese Antwort bleibt Dennery in seinem umfangreichen Schreiben leider schuldig.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser