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Gen-Analyse weist Tier nördlich von Brünn nach

Landrat Walch erleichtert – Chiemgauer „Problemwolf“ in Tschechien überfahren

GW2425m ist in Tschechien überfahren worden.
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GW2425m ist in Tschechien überfahren worden.

Im Chiemgau hatte er für große Konflikte zwischen Naturschützern und Landwirten gesorgt: Nun ist GW2425m tot. Wie das Landesamt für Umwelt (LfU) am Mittwoch, 9.Februar 2022, bekannt gab, ist das Tier am 17. Januar in Tschechien überfahren worden. Die Reaktionen im Chiemgau.

+++Update von Donnerstag, 10. Februar 2022, 10:00+++

Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) ist erleichtert, dass von dem „Problemwolf“ keine Gefahr mehr ausgehe. „Das löst jedoch nicht das generelle Problem der wachsenden Wolfspopulation, die im absoluten Widerspruch zur besonders umwelt- und artgerechten Weidetierhaltung in unserer Region steht“, sagte Walch den OVB-Heimatzeitungen.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Wolf auffällig wird. „Deswegen ist es nur ein kurzes Aufatmen“, so der Traunsteiner Landrat.

+++ Update von Mittwoch, 9. Februar 2022, 18:20 +++

Beate Rutkowski, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes und Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Traunstein, bedauert den Tod des Wolfes. Gleichzeitig hofft sie auf einen Weckruf für den Herdenschutz in Bayern durch diesen Fall. „Wäre der Wolf nicht nach Osten abgewandert, sondern nach Norden durch Bayern gewandert, wäre er auf viele weitere ungeschützte Weidetiere gestoßen.

Herdenschutz besser fördern

Daher fordern wir von der bayerischen Staatsregierung, die Herdenschutzförderung in Bayern flächendeckend anzubieten und nicht von permanenter Wolfsanwesenheit oder Rissereignissen abhängig zu machen“, so die Argumentation der Naturschützerin. . Bei diesen Wanderstrecken sei jederzeit mit dem nächsten durchziehenden Wolf zu rechnen.

Der Eilantrag des BN gegen die Entnahme des Wolfes hatte zu Unmut bei vielen Landwirten geführt. BN-Vorsitzender Richard Mergner hat großes Verständnis für die Sorgen und den Frust der Weidetierhalter. Nur in der Frage, ob das Tier gefährlich war, hat er eine klare Meinung: „Wäre der besagte Wolf nachgewiesenermaßen eine Gefahr für Leib und Leben von Menschen gewesen oder hätte er wiederholt Weide- oder Stalltiere, die bestmöglich durch wolfssichere Zäune oder Herdenschutzhunde gesichert sind, überwunden, wäre eine Tötung nach europäischem Recht und dem bayerischen Wolfsaktionsplan gerechtfertigt.“ In dem Fall würde der BN die Entscheidung auch akzeptieren.

+++ Ursprüngliche Meldung von Mittwoch, 9. Februar 2022, 17 Uhr +++

Chiemgau/Brünn – Der Wolf, der im Dezember für zahlreiche Risse an Weide- und Wildtieren in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, und Berchtesgadener Land verantwortlich war, hatte bereits in der Vergangenheit weite Strecken zurückgelegt. So war der GW2425m vor den Rissen im Chiemgau bereits im Ötztal nachgewiesen worden. Seit Ende Dezember war das Tier wie vom Erdboden verschluckt, obwohl auch im Landkreis Berchtesgadener Land Wolfssichtungen berichtet wurden.

Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau Mitte November 2021 die Entnahme des Wolfes beantragt. Damals hatte ein, wie nachher publik wurde, anderes Tier Schafe in Bergen gerissen. Der Entnahmeantrag wurde dann für den GW2425m erweitert, nachdem dieser mutmaßlich auch mitten durch den Ortskern von Bergen spazierte, wie ein Handyvideo zeigt.

Die Regierung von Oberbayern hatte die Entnahme am 14. Januar 2022 genehmigt. Allerdings hatten zwei Naturschutzorganisation am Verwaltungsgericht München per Eilantrag geklagt, so dass die Entnahme gestoppt werden musste.

Tier kurz nach Entnahmegenehmigung überfahren

Nur drei Tage nach der Genehmigung, war GW2425 allerdings bereits tot. Im tschechischen Ort Prostejov, der nordöstlich von Brünn liegt, wurde am 17. Januar 2022 ein Wolf überfahren. Die Internetseite olomoucky.denik.cz berichtet vom Fund eines toten Tieres nahe der Autobahn D46. Jäger hatten die tschechischen Behörden auf den Fund aufmerksam gemacht, das dortige Amt für Natur und Landschaftschutz nahm infolge dessen genetische Proben.

Eilverfahren erledigt

Nun steht fest, dass es sich um den Wolfsrüden GW2425m handelt. Laut der tschechischen Behörden sei das Tier weder krank noch bereits vor dem Unfall verletzt gewesen. Der Ort des letzten Nachweises von GW2425m in Bayern in Marktschellenberg ist etwa 360 Kilometer Luftlinie vom Auffindeort in Osttschechien entfernt. Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern, sagt: „Aus unserer Sicht ist das Eilverfahren damit erledigt.“

Im Chiemgau zeigt man sich in erster Linie erleichtert. Matthäus Michlbauer, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Traunstein, ist froh, dass das Tier keine weiteren Risse verursacht hat. „Das war schon ein auffälliger Wolf und für uns war klar: Der muss entnommen werden“, sagt Michlbauer. Er habe bedauert, dass der Bund Naturschutz und die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe gegen die Entnahmeentscheidung geklagt hatte. „Alles gut ist jetzt aber trotzdem nicht“, sagt der Bauernvertreter mit Blick auf den Tod des Tieres. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann der nächste auffällige Wolf komme.

Bitter stimmt Milchlbauer zufolge die Landwirte, dass „klammheimlich“ über den Jahreswechsel die Bezuschussung von Herdenschutzmaßnahmen eingeschränkt worden sei. „Wir haben auf einmal Anrufe bekommen, von Antragstellern, die nun eine Eigenleistung einbringen müssen“, so Milchlbauer.

Almsaison steht an

Das Argument der Umweltschützer, dass es eben eine öffentliche Förderung gebe: „Das ist nichts mehr wert.“ Zumal nicht alle Gemeinden Teil der Förderkulisse seien. „Das Thema wird uns sicher weitergeschäftigen. Die Saison und der Auftrieb auf die Almen stehen kurz bevor“, resümiert Michlbauer.

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