"Schnaps erst ab Motorrad"

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Der Roller ist schnittig. Aber zu klein. Jack Jakel hätte schon mit dem Motorrad an der Tankstelle vorfahren müssen, um von der Angestellten ein Fläschchen Kräuterlikör zu bekommen. Sinn und Unsinn eines Gesetzes.

Haag - "Reisebedarf" an der Tanke: Der zwischenzeitlich korrigierte, da missglückte Versuch einer klaren Regelung hatte teilweise skurile Folgen.

Nach Ladenschluss noch schnell bei der Tankstelle um die Ecke ein paar Semmeln und Käse fürs Frühstück holen oder die verdiente Feierabendhalbe. Die Leute fanden's praktisch, die Tankstellenbetreiber verdienten an der Grauzone "Reisebedarf" recht gut. Der zwischenzeitlich korrigierte, da missglückte Versuch einer klaren Regelung hatte teilweise skurilen Folgen.

Politische Regelungen haben oft eine kurze Halbwertszeit. Wer aber betroffen ist, will nicht auf bessere Einsicht oder genug Druck für die Politiker - in diesem Fall Ministerin Christine Haderthauer - warten. Die ruderte am Dienstag heftig zurück, doch kurz zuvor geriet Jack Jakel noch in die Problemzone "Einkaufen an der Tankstelle".

In unregelmäßigen Abständen besucht er von Altdorf aus seine 91-jährige Mutter in Haag. "Da meine Mutter ab und zu ein Gläschen Kräuterlikör mag, ist es zu meiner Gewohnheit geworden, ihr von der Tankstelle ein Taschenfläschchen Likör mitzubringen."

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Es war Sonntag und herrliches Wetter, also fuhr Jakel mit dem Roller. Das war, wie sich herausstellte, ein schwerwiegender Fehler: "Als ich das Flascherl bezahlen wollte, fragte mich die junge Kassiererin, womit ich hier sei. Wahrheitsgemäß gab ich an: "Mit dem Roller". Darauf nahm mir die Kassiererin das Flascherl weg und erklärte mir: "Schnaps erst ab Motorrad. Da ich mit dieser Aussage auch für sie erkennbar, etwas überfordert war, klärte sich mich mitleidsvoll auf: "Neues Gesetz, sonntags Alkohol nur noch mit Motorrad oder Auto." Das stellte alles was ihm in seinem bisherigen Leben über Straßenverkehr und Alkohol gebetsmühlenartig immer und überall eingehämmert wurde total auf den Kopf. "Aber ich besann mich nun meines gesunden Menschenverstandes und argumentierte, dass ja ein Roller auch ein Motorrad wäre, denn er hat einen Motor und auch Räder." Es blieb dabei: " Schnaps erst ab Motorrad".

Inzwischen hatte sich eine Gruppe Jugendlicher hinter Jakel versammelt, die den ganzen Vorgang beobachteten und sich lautstark amüsierten. "Mir kam blitzschnell der Gedanke ich könnte Opfer der Fernsehsendung 'Verstehen sie Spaß' sein."

Der Spaß sei aber gleich vorbei gewesen, als ein männlicher Angestellter dazukam, der in einem wenig spaßigen Tonfall ebenfalls erklärte: "Schnaps erst ab Motorrad".

In der Tankstelle hing ein Aushang, auf dem der Gesetzgeber seine "verehrten Bürger" für das neue Gesetz um Verständnis bittet. Da im Text nichts von Roller, Motorrad oder Auto steht, sondern dieser nur Reisende oder Nichtreisende unterscheidet - Alkohol nur für Reisende, Nichtreisende bleiben nüchtern - witterte Jakel wieder Oberwasser. "Ich begann erneut zu argumentieren, dass ich von Altdorf nach Haag fahre um meine Mutter zu besuchen und somit Reisender sei." Das ließen die beiden Angestellten aber nicht gelten. Der Angestellte meinte, wenn Jakel zurück nach Hause führe und Roller gegen Auto tausche, dann bekomme er das Likörfläschchen. "Jetzt war der Zeitpunkt erreicht, wo ich mir ernsthaft die Frage stellte, in welchem Land ich überhaupt lebe. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich um eine Portionsflasche (2 cl) handelte und ich kein Jugendlicher mehr bin sondern jenseits der 65", so Jakel.

"Liebe Frau Haderthauer und andere Gesetzesmacher, wenn ihr die Jugend schützen wollt, ist das sicher ein sehr erstrebenswertes Ziel. Macht dies aber so, dass ihr erwachsene Bürger mit solchen mehr als unsinnigen und nicht durchdachten Gesetzen nicht bevormundet und gängelt", so der pensionierte Lehrer Jakel.

In der ersten Klasse in der Dorfschule Rechtmehring 1953 habe er bei seiner Lehrerin Frau Kneidl als erstes gelernt, dass man, bevor man redet oder was tut, darüber nachdenkt, ob es vielleicht nicht ein rechter "Schmarrn" ist. Vielleicht lerne man das beim Studium nicht, so Jakel, er empfehle es aber trotzdem allen Parlamentariern, "dann bräuchtet ihr nicht immer wieder nachzuregeln." Und Mutter Jakel hätte sich über ihr Fläschchen Kräuterlikör freuen können.

re/syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: innsalzach24.de

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