Verdacht auf dutzendfache Körperverletzung in Schliersee

Mehrere Bewohner in Seniorenresidenz verhungert? Staatsanwaltschaft ermittelt nach Todesfällen

Verdacht auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern einer Seniorenresidenz
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Verdacht auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern einer Seniorenresidenz.

Schliersee - Die Seniorenresidenz Schliersee ist wieder in den Schlagzeilen: Laut Medienberichten wurden Bewohner offenbar über Jahre vernachlässigt. Die Staatsanwaltschaft München hat Ermittlungen übernommen.

Erneut gibt es schockierende Berichte aus der Seniorenresidenz Schliersee. Bereits im Vorjahr war diese im Zusammenhang mit dem Tod einer Heimbewohnerin in die Schlagzeilen geraten. Am 25. Juli verstarb eine Bewohnerin, nachdem sie zuvor von einem anderen Bewohner attackiert wurde. Der demente 87-Jährige soll die Frau sexuell missbraucht und sie dabei schwer verletzt haben. Die 85-Jährige verstarb, nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelte damals, ob weitere Personen für den Vorfall verantwortlich seien.

Gesundheitsamts-Mitarbeiterin berichtet von schockierenden Zuständen

Wie der „BR“ nun berichtet, sind in der Residenz offenbar über Jahre Bewohner vernachlässigt worden. Eine ehemalige Mitarbeiterin des Gesundheitsamts, welche Tests im Zuge eines Corona-Ausbruchs in dem Heim organisierte, berichtet jedenfalls über schockierende Zustände. Eine alte Frau habe etwa nur noch aus Haut und Knochen bestanden, ihre Hände seien mit Kot verdreckt gewesen, sowie ihre Füße wundgelegen. Die betagte Frau habe zu ihr gesagt, dass sie so friere. Ein Mann habe offene Beine gehabt, Eiter und Blut seien auf den Teppichboden getropft.

Des weiteren sei sie auf verhungernde und verdurstende Bewohner gestoßen. Viele Wunden, so die Gesundheitsamts-Mitarbeiterin, seien unversorgt gewesen. Überdies weiß sie von Schimmelbefall und Schmutz zu berichten. Auch habe sie Mitarbeiter des Heims alkoholisiert angetroffen.

„Habe noch nie so viele halb verhungerte Bewohner gesehen“

Angehörige und Ex-Mitarbeiter berichten dem Bayerischen Rundfunk, dass Senioren im Heim völlig verwahrlost seien: „Ich habe noch nie so viele halb verhungerte Bewohner gesehen“, gibt jemand zu Protokoll. Menschen hätten „um Hilfe geschrien“, aber keiner sei gekommen. Teilweise wären Heimbewohner stundenlang in den eigenen Ausscheidungen gelegen.

Die ehemalige Mitarbeiterin sagt, sie verstehe nicht, wie so ein Heim in Deutschland überhaupt existieren könne. Der zuständige Landrat hat nun jedenfalls einen Aufnahmestopp verfügt.

Betreiber bestreitet, bei Qualität und Pflege zu sparen

Ein Ex-Manager des Heimbetreibers führt die Missstände auf einen extremen Sparkurs zurück, der Betreiber selbst bestreitet, bei Qualität und Pflege zu sparen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft II München ermittelt jedenfalls wegen Körperverletzung bei 88 Bewohnern und geht 17 Todesfällen nach. Es geht auch um die Frage, ob Bewohner verhungert sind.

(dp/red.)

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