Keine Besserung in Sicht

Wegen Grippewelle: Blutreserven werden immer knapper - Lage bald kritisch?

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Die Blutreserven in Bayern werden knapp.

Die Grippewelle hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Die Notaufnahmen sind überfüllt. Und jetzt werden auch noch die Blutreserven knapp.

München - Tausende Menschen in Bayern waren und sind von der Grippewelle betroffen. Das sorgte für überfüllte und überlastete Notaufnahmen und viele Krankheitsausfälle. Jetzt droht bereits das nächste Problem: die Blutreserven werden knapp.

Der Haema Blutspendedienst warnt, dass die Zahl der Blutreserven in Deutschland bald einen kritischen Zustand erreichen könnten. Täglich werden mehr Konserven verwendet, als wieder nachkommen, die Bestände an Blutprodukten sind geschmälert“, sagt Haema-Vorstand José Rivero in einer Pressemitteilung. Fast alle Blutgruppen neigen sich dem Ende entgegen. Lediglich bei A Rhesus positiv und AB Rhesus positiv seien ausreichende Reserven vorhanden.

Deshalb appelliert Rivero, dass die nächste Blutspende nicht länger aufgeschoben wird. Immerhin sind 15.000 Spenden am Tag notwendig, um den Bedarf in Deutschland zu decken. Für Bayern sind rund 2000 Spenden notwendig. Besonders wichtig - und selten - sei Null Rhesus negativ. Diese Blutgruppe gilt als Universalspender für alle weiteren, Null negativ kann im Notfall an jeden Patienten gespendet werden. Allerdings kommt diese Blutgruppe in Mitteleuropa nur bei etwa sieben Prozent der Bevölkerung vor.

Viele Spender dürfen nicht spenden

Die aktuelle Grippewelle ist dabei mitverantwortlich für die Knappheit an Reserven. „Uns sind viele Spender weggefallen“, sagt Sven Janßen, Leiter des Haema-Zentrums in Regensburg und Verantwortlicher für Bayern, gegenüber unserer Redaktion. Dabei gibt es nicht nur während der Krankheit eine Sperre für mögliche Spender. Bis zu vier Wochen lang darf nach einer Krankheit kein Blut gespendet werden. 

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Heißt: In den vergangenen Wochen durften wohl viele potenzielle Spender nicht spenden. Und das wirkt sich jetzt aus. Dazu kommen aktuell noch die Semesterferien an den Universitäten. Seit Februar und noch bis April sind viele spendebereite Studenten nicht da - oder spenden einfach weniger. 

Keine Besserung in Sicht

Auf eine Entspannung in den Blutzentren hofft Janßen erst gar nicht. Denn zusätzlich zu Grippewelle und Semesterferien sind bald auch noch Osterferien. „Das ist jedes Jahr eine Katastrophe, ein Déjà-vu.“ In den Ferien allgemein, die Osterferien sind dieses Jahr in der letzten März- und ersten Aprilwoche, werde traditionell wenig gespendet.

Im Sommer droht also das gleiche Szenario erneut. Dann stehen Sommer- und Semesterferien gleichzeitig an. Viele Urlauber bedeuten im Umkehrschluss weniger Spender. „In den Ferienzeiten werden die Reserven immer knapp“, sagt Janßen. Auf längere Dürre-Perioden können sich die Blutzentren nur bedingt vorbereiten.

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Denn die verschiedenen Blutpräparate sind nur für eine begrenzte Zeit haltbar. Je nach Art des Produkts zwischen vier und 49 Tagen. Dann muss das Blut spätestens als Spende an einen Patienten gegeben werden, sonst ist es unbrauchbar. Wenn also alle Spender vor Beginn der Sommerferien spenden, sind die Reserven spätestens am Ferienende verbraucht oder unbrauchbar.

Blut ist nur begrenzt haltbar

Nicht ganz so angespannt ist die Situation aktuell im Klinikum rechts der Isar in München. Als großes Krankenhaus habe das Klinikum den Vorteil, „dass es über ein eigenes Blutdepot verfügt, in dem alle Blutgruppen in dem Verhältnis vorrätig gehalten werden, wie sie auch in der Bevölkerung vorkommen“, sagt Pressereferentin Eva Schuster. So seien immer genug Reserven auf Lager und könnten adhoc eingesetzt werden.

In kleineren Kliniken sei die Lage deutlich angespannter, sagt Schuster. Vor allem der Universalspender Null negativ sei sehr schnell knapp. Deshalb appelliert Haema für die aktuelle Notlage und für eine mögliche Dürre im Sommer bereits jetzt an die Bevölkerung: Spendet Blut, das könnte Leben retten.

Blutspendenaufruf

Blut spenden kann jeder, der sich gesund fühlt, mindestens 18 Jahre alt ist und nicht weniger als 50 Kilogramm wiegt. Vorzulegen ist lediglich der gültige Personalausweis. Außerdem sollten Spender nicht mit leerem Magen kommen und im Vorlauf der Spende reichlich alkoholfreie Getränke zu sich nehmen – am besten Wasser, Tee oder Säfte. Die Spende an sich dauert ca. zehn Minuten, die Anmeldung und Untersuchung für Erstspender etwa 45 Minuten.

Auch in München gibt es ein Haema Blutspendezentrum. In der Maxvorstadt in der Dachauer Straße 70. Hier kann Montag bis Donnerstag von 10 bis 19 Uhr und freitags von 9 bis 18 Uhr Blut gespendet werden.

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