"Halsbach sollte zu Nazi-Zentrum werden"

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Halsbach - Trotz Etappensieg gegen den rechten Spuk im Gruberwirt: Die Bürger bleiben verunsichert. Eine Infoveranstaltung hat jetzt über Hintergründe der Neonazi-Szene aufgeklärt:

Die Nachricht kam Anfang März recht überraschend: Der Gruberwirt in Halsbach ist in Zwangsverwaltung, der rechte Verein "Frei Räume" um Norman Bordin hat keinen Zutritt mehr zum Gebäude. Ein erster Sieg im Kampf gegen die rechtsextremen Machenschaften vor Ort. Zuvor war der Landgasthof Gruber drauf und dran, sich zum Treffpunkt der braunen Szene zu entwickeln. Nachdem ein ersten Durchatmen durch die Bürger ging, warnte jetzt aber Bürgermeister Georg Pfaffinger bei der Informationsveranstaltung im Mitterwirt am Dienstagabend: "Der Kampf ist noch nicht ausgestanden! Wir sind weiter daran, eine dauerhafte Lösung auszuarbeiten. Eigentlich sollte ein seriöser Käufer für den Gruberwirt her. Aber das ist gar nicht so einfach. Bis dahin halten die Bürger weiter zusammen."

"Gemeinsam gegen Rechts" in Halsbach

Unter dem Motto 'Wissen ist Macht' waren deshalb Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Dr. Burkhard Körner, und Markus Schäfert von der Bayerischen Informationsstelle gegen Rechtsextremismus zu Gast in Halsbach.

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Dr. Körner klärte einen gut gefüllten Saal über die Hintergründe der bayerischen - und vor allem oberbayerischen - rechtsextremistischen Szene auf - und nannte erschreckende Zahlen. "In Bayern gibt es derzeit etwa 700 aktive Neonazis. In Oberbayern sind davon rund 150 aktiv. Die Ansichten der Neonazis sind, im Vergleich zu Skinheads und NPD-lern, am abstoßendsten. Sie orientieren sich am Nationalsozialismus nach dem Vorbild von Adolf Hitler," erklärt der Präsident vom Verfassungsschutz. "Besorgniserregend ist dabei vor allem, dass Neonazis das Ziel haben, politisch etwas zu bewegen. Sie gehen mit breiten Themen an die Öffentlichkeit - etwa Asylrecht, Leiharbeit und Bundeswehreinsätze im Ausland. Aber das sind nur Vehikel, in Wirklichkeit wollen sie nur ihre extremen Ansichten verbreiten." Körner zog eine Linie zwischen NPD-lern, Skinheads und Neonazis. "NPD-ler gehen eben innerhalb ihrer Partei vor. Sie haben das beispielsweise in Mühldorf erlebt. Dort hatte der hiesige Kreisverband Flyer gegen das Asylheim verteilt." Skinheads hingegen spiegeln laut Körner genau das wieder, wie Nazis in der Öffentlichkeit bekannt sind: "Springerstiefel, Glatze, symbolbehangene Kleidung. Außerdem stehen hier exzessives Betrinken, Gewalt und Rechte Musik hoch im Kurs."

"Halsbach sollte zum rechtsextremen Zentrum etabliert werden"

Foto aufgenommen bei der Anti-Nazi-Demo am 11.2.: Der bekannte Neonazi Martin Wiese (rechts) auf dem Balkon vom Gruberwirt. Hätte Wiese im Gruberwirt einziehen sollen?

Zu den Geschehnissen in Halsbach gab Dr. Körner eine klare Einschätzung: "Halsbach sollte zum rechtsextremen Zentrum etabliert werden. So etwas gibt es in Bayern kein zweites Mal. Im Gruberwirt sollten Wohnungen für Neonazis bereitgestellt werden. Sogar eine wirtschaftliche Komponente war nicht auszuschließen." Für den Experten hätte das erhebliche Folgen gehabt. Vermehrte Aktionen, Mahnwachen und Demonstrationen, massive Beeinflussung von Jugendliche und ausartende Rechts-Links-Konflikte. "Halsbach kann also froh sein, dass es soweit erstmal nicht gekommen ist. Nicht zuletzt ist das dem vorbildlichen Einsatz der Bürger zuzuschreiben," lobte Körner.

Markus Schäfert von der Bayerischen Informationsstelle gegen Rechtsextremismus stellte im Anschluss die Arbeit seiner Einrichtung vor. Von Vorträgen an Schulen über Info-Veranstaltungen bishin zu direkter Hilfe für Betroffene - die Informationsstelle hat eine breite Angebots-Palette zu bieten. Mehr Infos gibt's hier.

ds

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © ds

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