Trauerfeier für Georg Pfaffinger

"Dein Geist lebt in Halsbach weiter"

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Am Dienstag nahmen viele hundert Menschen in der Pfarrkirche St. Martin Abschied von Halsbachs Altbürgermeister Georg Pfaffinger.
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Halsbach - Die Anteilnahme war überwältigend: Viele hundert Menschen nahmen am Dienstag Abschied von Halsbachs langjährigem Bürgermeister Georg Pfaffinger.

"Wir müssen heute einem ganz besonderen Menschen 'Pfiat Gott' sagen", sagte Halsbachs Erster Bürgermeister Martin Poschner in seiner Trauerrede. Bei jedem seiner Worte war zu spüren, welch großen Verlust die Gemeinde Halsbach erlitten hatte. Altbürgermeister Georg Pfaffinger war am Sonntag, 29. Juni, im Alter von nur 61 Jahren nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Seine Familie und Freunde, die Vereine und Verbände der Gemeinde, Politiker aus der Region und unzählige Halsbacher Bürger - insgesamt viele hundert Trauergäste - waren am Dienstag in die Pfarrkirche St. Martin gekommen, um sich von Georg Pfaffinger zu verabschieden.

"Er hat vorgelebt, wie es gehen könnte"

Viele Weggefährten ergriffen das Wort und versuchten in Worte zu fassen, was ihr Altbürgermeister ihnen persönlich und der Gemeinde bedeutet hat. "Er hat uns aufgezeigt und vorgelebt, wie es gehen könnte", sagte etwa Martin Poschner. Exemplarisch nannte der Bürgermeister das Projekt Mitterwirt, bei dem Pfaffinger selbst mit anpackte und sich sogar von der Arbeit freistellen lies. Der Mitterwirt war aber nur eine von vielen Herzensangelegenheiten Pfaffingers. Seit 1984 saß Pfaffinger im Gemeinderat, ab 1996 war er Erster Bürgermeister von Halsbach. Pfaffinger engagierte sich für die Jugendstiftung Halsbach, war im Laufe seines Lebens in zahlreichen Vereinen aktiv, war ein leidenschaftlicher Sportler und Theaterschauspieler.

Im Judo errang Pfaffinger den Oberbayerischen Meistertitel, mit der TuS Töging schaffte er sogar den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Besonders in Erinnerung bleiben wird Pfaffinger aber auch aufgrund seines großartigen schauspielerischen Talents. Gleich mehrere Redner schwärmten von den unvergesslichen Darbietungen des Altbürgermeisters. Seine Paraderolle war sicherlich die des Niklaus von Flüe, einem Schweizer Asket und Mystiker.

Pfaffinger war stets voller Tatendrang und lies sich auch von seiner schweren Krebserkrankung nicht unterkriegen. Er habe die Zeit genutzt mit seiner Familie, der Gemeinde und den Weggefährten, sagte die Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner. "Er hat voller Zuversicht gegen diese heimtückische Krankheit gekämpft, und auch als es immer schwerer wurde, hat er nicht verzagt."

Fünf Jahre kämpfte Pfaffinger gegen Neonazis

Bei allen Verdiensten um die Gemeinde wird eines vielleicht besonders in Erinnerung bleiben, und das weit über die Gemeindegrenzen hinaus: Georg Pfaffinger stand an vorderster Front, als sich die Gemeinde geschlossen gegen Neonazis zur Wehr setzte. Der Bürgermeister wollte nicht akzeptieren, dass Neonazis sein Halsbach für ihre Zwecke missbrauchten und aus dem früheren Gasthaus Gruberwirt einen Treffpunkt für Konzerte und Veranstaltungen der Rechten Szene machten. Unermüdlich erhob Pfaffinger seine Stimme gegen Rechtsextremismus, sei es auf Informationsveranstaltungen oder Demonstrationen.

Im Widerstand gegen die Neonazis stellte Pfaffinger das Wohl der Gemeinde über sein eigenes und wehrte sich ungeachtet drohender Schadensersatzforderungen gegen ein in Halsbach geplantes Skin-Konzert. Unvergessen bleiben aber vor allem die Protestaktionen der Bürger, zu denen Pfaffinger gleich mehrmals aufrief. Denkwürdig waren die Demonstration für Demokratie und Toleranz mit 1.500 Teilnehmern im Oktober 2008 und eine "stille Demo" im Februar 2012. Für seinen Einsatz wurde Pfaffinger 2013 mit der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet.

"Für die Gemeinde hat er sein Leben gegeben"

"Für den Erhalt dieser Gemeinde hat er alles getan", sagte Ingrid Heckner. Aufopferungsvoll kämpfte Pfaffinger gegen die Neonazis, letzten Endes mit Erfolg. Der Gruberwirt wurde zwangsversteigert, ein Halsbacher bekam den Zuschlag und die Neonazis hatten endgültig verloren. Landrat Erwin Schneider erinnerte sich in seiner Rede an die Tage vor und nach der Versteigerung. Kurz vor der Versteigerung musste Pfaffinger ins Krankenhaus, doch bevor es soweit war, hatte er noch ein abschließendes Telefongespräch mit Schneider. Sie hatten mehrere Optionen für die Zukunft des Gruberwirts diskutiert. "Bis zum letzten Tag, wo es unbedingt von Nöten war, hatte er durchgehalten", erinnerte sich Schneider.

Er müsse ins Krankenhaus, er könne nicht mehr, habe Pfaffinger damals gesagt. Schon am Tag nach diesem Telefonat ging der Bürgermeister ins Krankenhaus. Dort erreichte ihn dann auch die Nachricht von der erfolgreichen Versteigerung. Einen Tag später erhielt Pfaffinger die Krebsdiagnose. "Er hat für seine Gemeinde seine Gesundheit und letztlich auch sein Leben gegeben", sagte Schneider. "Er hat einen herausragenden Platz in der Geschichte der Gemeinde verdient."

"Vergelt's Gott für alles"

In den letzten Monaten seines Lebens wurden Pfaffinger mehrere Ehren zuteil. So hat ihm die Gemeinde den Titel Altbürgermeister verliehen. Außerdem beschloss der Gemeinderat, Pfaffinger zum Ehrenbürger zu ernennen. Die offizielle Ehrung erfolgte bis zu seinem Tod zwar nicht mehr - für die Halsbacher dürfte diese letztlich bedeutungslose Formalität aber keine Rolle spielen. In ihren Gedanken und ihren Herzen hat Georg Pfaffinger einen festen Platz. "Ich sage vergelt's Gott für alles, was du für Halsbach getan hast", sagte Bürgermeister Martin Poschner. "Dein Geist lebt in Halsbach weiter."

Aus unserem Archiv:

Georg Pfaffinger vor der Versteigerung des Gruberwirts

Georg Pfaffinger bei einer Informationsveranstaltung

Die Demo gegen Rechts im Februar 2012

Halsbach: Eindrücke der Anti-Nazi-Demo

Halsbach: Eindrücke der Anti-Nazi-Demo

Halsbacher trotzen der Stärke und setzen klares Zeichen

Quelle: innsalzach24.de

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