Corona-Virus sorgt für leere Regale in der Region

"Ganz schön hysterisch" - So denken die Bürger über Hamsterkäufe 

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Bilder wie diese sind aktuell in vielen Supermärkten und Discounter im Landkreis zu finden. Aus Angst vor dem Corona-Virus kaufen viele auf Vorrat und tätigen sogenannte Hamsterkäufe. 

Landkreis Rosenheim - Virus Covid-19 geht um - und mit ihm die Angst vor Ansteckung. Einige Regale in Supermärkten und Discounter sind deshalb wie leer gefegt. Sind die sogenannten Hamsterkäufe mancher Bürger noch normale Sorge und kluge Voraussicht oder gleicht das Ganze schon unkontrolliertem Panikverhalten? rosenheim24.de hat sich umgehört. 

Am vergangenen Samstag waren im Rosenheimer real einzelne Regale leer geräumt, Nudel-, Mehl- und Reisvorräte sowie Konserven und Dosen Mangelware, Hygiene-Artikel wie Toilettenpapier ausverkauft und sogar das Nutella-Regal "geplündert". 


Am Montagnachmittag (2. März) sind die Mitarbeiter mit Wiederauffüllen beschäftigt. Noch immer stehen einige Regale leer. Auch frisches Gemüse und Milch ist rar. 

Der Marktleiter erklärt auf Nachfrage von rosenheim24.de, dass durchaus ein Zusammenhang mit der Ausbreitung des Corona-Virus erkennbar sei: "Normalerweise sind wir auch am späten Samstagnachmittag für das Wochenende gut aufgestellt - man merkt schon, dass die Leute wegen des Virus mehr auf Vorrat kaufen." Lieferengpässe oder Verzögerungen allerdings habe man indes nicht. 


Leere Regale im real in Rosenheim. 

Ähnliche Szenarien ein paar Kilometer weiter nördlich in Wasserburg: Bei Rewe und Edeka gähnen einzelne Regale am Montag nach dem Wochenende vor Leere - vor allem in den Abteilungen für Tomatensaucen und Nudeln. 

Besonders schlimm mit den "Plünderungen" sei es am Wochenende wohl auch bei Lidl und Aldi gewesen - nicht nur in der Innstadt sondern auch bei ihrem Bruder, der in Haag wohne, erzählt eine Wasserburgerin, die gerade kopfschüttelnd vor einem leer geräumten Regal steht. Teilweise sei die Situation schlimmer als an Weihnachten oder Silvester gewesen. 

Die Wasserburger Rewe-Marktleiterin kann bestätigen, dass am vergangenen Wochenende viel auf Vorrat gekauft wurde, versichert aber gleichzeitig, dass es keine Lieferengpässe gebe: "So dramatisch ist die Lage derzeit nicht, wir befinden uns im grünen Bereich und müssen jetzt eben wieder alles auffüllen. Desinfektionsmittel ist auch ausgegangen - so wie aktuell wohl überall." 

Hamsterkäufe und Panik "übertrieben" 

Deutschlandweit sind aktuell 150 Fälle bekannt, davon 25 in Bayern. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt Ratschläge für eine Versorgung über zehn Tage. Daran scheinen sich einige Leute strikt zu halten, wie ein Blick in die hiesigen Supermärkte und Discounter offenbart. 

Ein Hamsterkauf-Foto, angeblich im Coronavirus-Zusammenhang und vermutlich in Innsbruck aufgenommen, ging in sozialen Netzwerken viral.

Eine Wasserburgerin ist der Meinung, Hamsterkäufe seien "ganz schön hysterisch". Sie kaufe ganz normal ein, wie sonst eben auch: "Freilich ist ein ungutes Gefühl da wegen des Virus aber mei, man kommt eh nicht aus. Ich glaube für ältere und kranke Menschen ist das eher schlimmer."

Auch eine Edlingerin versorgt sich "so wie immer", lässt sich nicht verrückt machen: "Ich finde das übertrieben - auch die Tatsache, dass Mundschutz-Masken und Desinfektionsmittel überall ausverkauft sind, im Internet aber zu unverschämt hohen Preise angeboten werden. Im Ernstfall einer Ansteckung bringen einem solche Schutzmaßnahmen wahrscheinlich ohnehin nichts mehr." 

Sie habe zuerst gedacht, leere Regale und Verzögerungen von Lieferungen würden mit den Stürmen der vergangenen Wochen zusammenhängen - dass das ausgerechnet aufeinander treffe. Die Edlingerin aber zeigt sich positiv gestimmt: "Ich denke, das beruhigt sich schon wieder".

Ein Rewe-Kunde aus Wasserburg lässt sich gerade einen Milchkaffee schmecken als er erklärt, er sehe die Lage in Bezug auf das Virus hier in der Region "relativ entspannt". Dennoch habe er bereits einige Leute beobachtet, die mit übervollen Einkaufswagen aus der Filiale marschiert seien: "Man weiß natürlich nicht, ob derjenige hamstert oder lediglich eine Großfamilie zu ernähren hat. Auffällig ist es aber schon, dass gerade haltbare Lebensmittel Mangelware werden in den Supermärkten." 

Sein Banknachbar in dem Café findet deutlichere Worte: "Hier wird ein Geschiss gemacht mit Quarantäne wegen des Virus und an der Grenze stehen unzählige Flüchtlinge - dort sollte viel eher geholfen werden." 

Eine Kundin aus Schonstett betreibe "ganz normale Vorratslagerung" bei sich zu Hause: "Unsere Speis ist immer so befüllt, dass ich für längere Zeit etwas parat habe. Und meine Hände wasche ich nach dem Einkaufen grundsätzlich mit Sagrotanseife - auch da hab ich immer einen Vorrat. Aber die allgemeine Debatte um das Corona-Virus macht mich schon ganz damisch." 

Nudeln sind in Wasserburger Supermärkten aktuell Mangelware. 

Eine junge Arzthelferin aus Wasserburg erzählt gegenüber rosenheim24.de, dass eine Patientin am Montagmorgen einen Termin in der Praxis abgesagt habe, da sie Angst habe, das Haus zu verlassen. "Solche gibt es auch, die sich dann nicht mehr raustrauen wegen des Virus. Ich persönlich halte die Panik aber für übertrieben." 

Eine Griesstätterin kann sich über die "Plünderung" einzelner Regale nur wundern: "Bei einem solchen Herdenverhalten ist die Gefahr einer Panik automatisch groß. Außerdem sind keine Hungersnöte in Europa bekannt. Diverse Lebensmittel laufen sicher Gefahr nach Abklingen der Coronainfektionen weggeschmissen zu werden." In ihren Augen seien Hamsterkäufe eine "übertriebene Sorge". Man müsse erst abwarten wie sich das Ganze weiterentwickele. Denn im Vergleich zur echten Grippe, der Influenca, sei die Zahl der an Covid-19-Infizierten hier im Lande "verschwindend gering".

Ähnlich sieht das ihr Mann: "Die Menschen haben Angst ihrem Komfort und ihrer Sicherheit zu erliegen immer alles zu jeder Zeit haben zu können. Man ist eine Vollversorgung gewöhnt und steht nun einer unbekannten Situation gegenüber - das bereitet natürlich Unbehagen." 

Fazit: Die meisten Kunden sehen Hamsterkäufe wegen des Virus als überflüssig an. Vorausschauende Vorsicht ist zwar gewünscht, unnötige Angst- und Panikmache jedoch ganz klar fehl am Platz.  

mb

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