Verhandlung gegen drei Burghauser wegen schweren Misshandlungen

Nach Beweisanträgen: Prozess vertagt

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Die drei Angeklagten am dritten Prozesstag vor dem Landgericht in Traunstein
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Traunstein/Burghausen - Im Prozess gegen drei Burghauser stellte der Verteidiger am Mittag mehrere Beweisanträge. Das Gericht unterbrach die Verhandlung daraufhin.

UPDATE 14 Uhr

Das Gericht hat zwei Beweisanträgen stattgegeben. Die Hauptverhandlung wurde daraufhin unterbrochen. Für den nächsten Prozesstermin am 21. Oktober bedeuten die zwei bewilligten Beweisanträge, dass zwei weitere Beamte der Kriminalpolizei geladen und vernommen werden, um die Verwirrung um die unterschiedlichen Täterbezeichnungen in den verschiedenen Vernehmungen des Geschädigten aufzuklären.

Auch die Plädoyers sind für den 21. Oktober geplant. Mit einem Urteil ist aber auch am 5. Verhandlungstag nicht zu rechnen.

UPDATE: 13.30 Uhr

Zu Beginn der heutigen Hauptverhandlung wurde die Aussage einer Zeugin verlesen. Sie ist die Mutter eines Bekannten und sei vom Opfer in der Tatnacht angerufen worden. Er habe sie um 1000 Euro gebeten. Ihr seien beim Telefonat keine Besonderheiten aufgefallen. Das Opfer sei wie immer sehr gelassen gewesen.

Anschließend hat das Gericht das ärztliche Gutachten verlesen. Dieses wurde eine Woche nach der Tat angefertigt. Das Opfer habe bei der Tat eine Gehirnescherschütterung, Schädelprellung, Schäden an Gebiss und Kiefer, Prellungen an Armen und Hüfte, eine Stichverletzung im Oberschenkel und Verbrennungen zweiten Grades davongetragen.

Entschuldigungsbriefe der Täter

Die Angeklagten C. und M. haben zwei Entschuldigungsbriefe verfasst. Diese wurden nun vom Gericht verlesen. Dem Angeklagten C. tue es sehr leid, was dem Opfer angetan wurde. Er entschuldige sich dafür, könne die Tat aber nicht rechtfertigen.

Der Angeklagte M. erklärte im Brief, dass er eigentlich kein gewalttätiger Mensch sein. Er wissen, dass man ihm nicht vergeben könne. Weil er so ein netter Mensch sei, tue es ihm gleich 100 Mal mehr leid.

Vom Angeklagten D. gab es keinen Entschuldigungsbrief.

Verlesung der Vorstrafen

Das Gericht hat vor der Mittagspause auch den Auszug aus dem Bundeszentralregister verlesen. Der Angeklagte C. wurde zwei Mal wegen Diebstahls verurteilt.

Der Angeklagte M. wurde drei Mal wegen Diebstahls und einmal wegen Körperverletzung verurteilt.

Beim Angeklagten D. liegen keine Vorstrafen vor.

Aussage des psychologischen Sachverständigen

Der Angeklagte C. sei schon öfter in psychologischer Betreuung gewesen. Ihm wurden damals auch Antidepressiva verschrieben. Er habe eine durch Drogen hervorgerufene Schizophrenie. Der Sachverständige sehe aber keinerlei Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit.

Der Angeklagte M. litt als Jugendlicher an ADHS. Er zeige dissoziale Züge. Er neige zu gelegentlichem Amphitamin-Missbrauch. Zum Tatzeitpunkt stand er unter Einfluss von Alkohol und Cannabis.

Der Angeklagte D. habe bereits Aufenthalte im Inn-Salzach-Klinikum hinter sich. Dort war er zur Aggressionstherapie. In der Vergangenheit konsumierte er nicht nur Alkohol und Cannabis, sondern auch Speed, Extasy und Koks. Auch er stand zum Tatzeitpunkt unter Einfluss von Alkohol und Cannabis. Der Sachverständige schlug vor, die Angeklagten M. und D. in eine Erziehungsanstalt unterzubringen. Er befürworte eine Therapie von 18 Monaten. Ohne Behandlung bestünde bei den beiden Angeklagten ansonsten eine Wiederholungsgefahr.

Zum Alkoholpegel im Blut zur Tatzeit wollte sich der Sachverständige nicht äußern. Da die Blutentnahme 21 Stunden nach der Tat stattfand, können über den Alkoholpegel nur spekuliert werden.

Verteidiger stellt Beweisanträge

Vor Ende der Beweisaufnahme stellte Dr. Kai Wagler, Verteidiger des Angeklagten D., drei Beweisanträge. Er stellt die Glaubwürdigkeit des Opfers in Frage. Die Aussagen der Opfers gegenüber der Polizei und vor Gericht seien Widersprüchlich.

Die Staatsanwaltschaft hat darauf reagiert. Das Problem wurde bereits erkannt, bei den Vernehmungen habe das Opfer lediglich die Bezeichnungen der Angeklagten verwechselt. Die Staatsanwaltschaft gehe aber von einem gemeinschaftlichen Tatvorgehen von M. und D. aus. Die Beamten noch einmal anzuhören sei daher nicht zielführend.

Nun muss das Gericht entscheiden, ob die Beweisanträge zugelassen wird. Eventuell wird nach der Mittagspause ein weiterer Prozesstag angesetzt.

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Vorbericht:

Am dritten Prozesstag schilderte der Geschädigte seine Erlebnisse in der Tatnacht. Der 32-jährige berichtete gefasst über das Kennenlernen der Angeklagten, die Misshandlungen und wie er am Ende die Wohnung im Burghauser "Hunderterblock" verlassen konnte.

Einen der drei mutmaßlichen Täter lernte er dabei bereits in einer Kneipe in der Salzachstadt kennen. Als dieser von ihm jedoch 20 Euro ausleihen wollte, habe es der 32-Jährige abgelehnt, weil er ihm unbekannt war. So ging man in eine Wohnung, aus der M. seinen Personalausweis holen wollte. Auf dem Rückweg soll M. dann das spätere Folteropfer geschubst haben, woraufhin dieser auf den Boden fiel und seine Brieftasche verlor. Aus dieser habe M. dann schnell Geld entnommen und sei weggerannt, woraufhin der Geschädigte zur Polizei ging um Anzeige gegen Unbekannt zu erstattet.

Der Geschädigte schildert die Folter

Zurück in der ursprünglichen Kneipe machte sich der spätere Geschädigte zusammen mit drei weiteren Personen kurz danach auf den Weg zu einer Wohnung. Er erkannte dabei nicht, dass es sich um dieselbe Wohnung handelte, die erbereits kurz zuvor mit dem Angeklagten M. besucht hatte. Auch merkte er nicht, dass sich der Angeklagte M. unter seinen Begleitern befand. Im weiteren Verlauf der Nacht wurde er dann, wie er sehr ruhig schilderte, in der Wohnung von den Angeklagten M. und D. geschlagen, getreten, mit heißem Wasser übergossen und mit einem Messer zur Herausgabe von Geld aufgefordert worden sein. Besonders in Zusammenhang mit den Drohungen und den Verletzungen durch das Messer aber auch durch das Auftreten des dritten Angeklagten C., der den Geschädigten mit einer Pistole bedrohte, empfand er stetige Todesangst. Die Wohnungtür wurde dabei von den Angeklagten M. und D. verschlossen gehalten.

Neben dem Geschädigten machten weitere sieben Zeugen am dritten Prozesstag Angaben zur Sache. Bereits an den ersten beiden Verhandlungstagen machten die drei Angeklagten und ein Rechtmediziner Angaben zum Fall. Während einer der beiden 21-Jährigen, der Angeklagte C. die Vorwürfe weitgehend einräumte, schob der 23-jährige mutmaßliche Täter D. die Schuld seinen beiden mutmaßlichen Komplizen zu. Der dritte Angeklagte, der 21-jährige M. wies jedoch die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zurück und belastete seinerseits den Angeklagten D. schwer. Dieser soll die treibende Kraft hinter den Misshandlungen gewesen sein.

Lesen Sie dazu:

Zusammenfassung des dritten Prozesstags

Polizeimeldung: SEK-Einsatz nach Folter

Verhandlungsauftakt im Folterprozess

Das Opfer, ein 32-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Altötting, hat am Tatabend mehrere, teils lebensbedrohliche Verletzungen davongetragen. Wie der Gerichtmediziner am zweiten Verhandlungstag berichtete, zog sich der Geschädigte über 30 unterschiedliche Verletzungen an Kopf, Hals, Rumpf und den Gliedmaßen zu. Lebensbedrohlich für das Opfer waren insbesondere die inneren Blutungen und das zugefügte Schädel-Hirn-Trauma, das zu einem Verlust der Schutzreflexe hätte führen können.  

Die Anklage gegen die drei jungen Burghauser lautet deshalb auf erpresserischen Menschenraub, versuchte und vollendete besonders schwere räuberische Erpressung, besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass diese Taten fast ausnahmslos gemeinschaftlich begangen worden seien.

Für den vierten Verhandlungstag am Mittwoch werden neben den psychologischen Gutachten der drei Angeklagten bereits die Plädoyers der Rechtsanwälte und der Staatsanwaltschaft erwartet. Ob es im Anschluß bereits zu einem Urteil kommt, konnte der Richter am dritten Prozesstag noch nicht bestätigen.

Quelle: chiemgau24.de

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