Die Zahlen aus dem Landkreis

Hebammenmangel: Wurden Schwangere in der Region abgewiesen?

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Landkreis - Die Schließung der Bad Aiblinger Geburtenstation sorgte überregional für Aufregung. Das Thema Hebammenmangel hat bereits die hohe Politik erreicht. Eine Anfrage des SPD Landtagsabgeordneten Georg Rosental legt nun Zahlen aus dem OVB24-Gebiet offen.

Eine in Vollzeit arbeitende Hebamme betreut nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands pro Jahr rund 100 Geburten, in Großbritannien und Norwegen sind es nur rund 30. Dem Verband zufolge laufen in deutschen Kreißsälen oft drei bis vier Geburten gleichzeitig – mit nur einer Hebamme. Angesichts dieser Entwicklung befragte der Landtagsabgeordnete Georg Rosental (SPD) die Staatsregierung zu Abweisung von Schwangeren in Kliniken und infolge des Hebammenmangels in Bayern. 

Wir haben aus der Antwort des Ministeriums für Gesundheit und Pflege die Zahlen für die OVB24-Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf am Inn, Rosenheim und die Stadt Rosenheim herausgesucht.

Die Zahlen aus der Region

Anzahl Hebammen und Entbindungspfleger in ambulanten Einrichtungen:
(aktuellere Zahlen wurden von der Staatsregierung nicht genannt; Datenquelle: LGL, LfStat; Berechnungen LGL)

2009

2016

Rosenheim (Kfr.St)

31

46

Altötting (Lkr)

27

34

Berchtesgadener Land (Lkr)

16

18

Mühldorf am Inn (Lkr)

8

17

Rosenheim (Lkr)

50

101

Traunstein (Lkr)

33

35

Anzahl der Geburtshilfestationen in Bayern (Stand: 01.07.2017):

Landkreis

Anzahl

Rosenheim (Kfr.St)

1

Altötting (Lkr)

1

Berchtesgadener Land (Lkr)

1

Mühldorf am Inn (Lkr)

1

Rosenheim (Lkr)

2 (1 derzeit geschlossen)

Traunstein (Lkr)

1

Weiter wollte Rosental wissen, wie sich die die Beitragszahlung der selbstständigen Hebammen für ihre Haftpflichtversicherung in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt entwickelt hat. Die Zahlen sind erschreckend:

2007: 1.587 Euro, 2008: 1.587 Euro, 2009: 2.370 Euro, 2010: 3.689 Euro, 2011: 3.689 Euro, 2012: 4.242 Euro, 2013: 4.242 Euro, 2014: 5.091 Euro, 2015: 6.274 Euro, 2016: 6.843 Euro, 2017: 7.639 Euro (Quelle: DHV)

Wurden Schwangere von Kliniken abgewiesen?

Laut Staatsregierung liegen dem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) liegen hierzu keine aktuellen Erkenntnisse vor. Von einer Umfrage bei den bayerischen Krankenhäusern zur Erhebung dieser Daten sei aus Zeit- und Kostengründen abgesehen worden. "Das Klinikum Erding kann seit dem 01.07.2017 vorübergehend bis zum 30.09.2017 nur Kaiserschnittgeburten durchführen, da für natürliche Geburten nicht genügend Hebammen zur Verfügung stehen. Von einem Zwang auf Schwangere, einer Kaiserschnittgeburt zuzustimmen, kann hier jedoch in keiner Weise gesprochen werden", heißt es von Seiten des Ministeriums.

"Welche Maßnahmen gedenkt die Staatsregierung zu unternehmen, um gleiche Chancen auf medizinische Geburtsversorgung in Stadt und Land zu garantieren?", möchte der Abgeordnete wissen.

Die Antwort der Staatsregierung: 

"Probleme in der Geburtshilfe sind nicht in erster Linie eine Frage des Standortes. So liegen beispielsweise die kürzlich vorübergehend geschlossenen Geburtshilfestationen in Gräfelfing und Erding nah zu München und damit im größten Verdichtungsraum Bayerns. Insbesondere Fragen der Personalgewinnung betreffen Ballungsräume gleichermaßen. 

Die Staatsregierung setzt sich deshalb seit jeher für Verbesserungen der Rahmenbedingungen ein, die in erster Linie durch Bundesrecht geregelt werden müssen. Vordringlich sind hier aktuell: 

– die bundesrechtliche Einführung eines Sicherstellungszuschlags auch für die Geburtshilfe, 

– die haftungsrechtliche Gleichstellung von geburtshilflichen Belegärzten und Hebammen,

– die strafrechtliche Klarstellung, dass Krankenhäuser die Haftpflichtversicherungsprämien für Hebammen und ärztliche Geburtshelfer übernehmen dürfen."

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