Richter: "Wie kommt man auf so einen Schwachsinn?"

Geldstrafe für Hitlerbild auf Facebook

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Mühldorf - Weil er ein Hitlerbild und eine menschenverachtende Parole auf Facebook gepostet hatte, ist ein 20-Jähriger am Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Mühldorf ist am Mühldorfer Amtsgericht wegen eines geschichtsvergessenen Facebookeintrags zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Auf einer Facebookseite hatte ein anderer Nutzer in einem Beitrag vor einer - seiner Meinung nach - rumänisch-bulgarischen "Bettelmafia" in Burghausen gewarnt. Als Antwort darauf postete der 20-Jährige aus dem Landkreis Mühldorf ein Hitlerbild und den Kommentar "vergasen". Damit machte sich der junge Mann gleich doppelt strafbar: Die Veröffentlichung des Hitlerbilds ist ein Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und die Parole "vergasen" ist - bezogen auf die vorher erwähnten Volksgruppen der Rumänen und Bulgaren - ein Verunglimpfen des Andenkens Verstorbener.

"Lächerliche Lappalie"? Richter zitiert Ovid

"Wie kommt man auf so einen Schwachsinn?", wollte Richter Dr. Gregor Stallinger von dem geständigen 20-Jährigen wissen. So recht erklären konnte dieser sein Handeln aber nicht. "Das frage ich mich jetzt auch", lautete der Kommentar des jungen Mannes. Versuche des Angeklagten, seinen Facebook-Eintrag als eine Art jugendliche Verfehlung oder - wie er selbst sagte - "lächerliche Lappalie" darzustellen, scheiterten. "Wehret den Anfängen", sagte der Staatsanwalt und Richter Stallinger steuerte gleich noch die lateinische Übersetzung bei. "Principiis obsta", zitierte er den römischen Dichter Ovid. "Das haben schon die alten Lateiner gesagt. Die werden wissen, wieso", sagte Stallinger.

Zugute kam dem jungen Mann die positive Einschätzung der Jugendgerichtshilfe - und die Tatsache, dass der 20-Jährige eine Freundin hat. Als diese von dem Facebokeintrag  erfuhr, habe sie gesagt, "dass ich ein Depp bin", erklärte der Angeklagte. "Steigt sie Ihnen ein bissl auf die Füße?", fragte Stallinger. "Könnte nicht schaden, oder?"

"Mit so was brauchen Sie nicht nochmal kommen"

Das Gericht verurteilte den Angeklagten letztlich zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 40 Euro. Stallinger richtete nach der Urteilsverkündung noch ein paar mahnende Worte an den jungen Mann. "Das Ganze ist in keinem guten Licht zu sehen. Das zeigt möglicherweise eine Gesinnung, die nicht zu dulden ist", so Stallinger. "Mit so was brauchen Sie nicht nochmal kommen, weil dann gibt's als nächstes gleich eine Freiheitsstrafe."

Der 20-Jährige hatte bereits vor der Urteilsbegründung in seinem "letzten Wort" Reue zum Ausdruck gebracht: "Ich muss dafür büßen und das mach ich auch." Nach dem Urteil erklärte der junge Mann ebenso wie der Staatsanwalt Rechtsmittelverzicht, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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