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Nach vielen Todesfällen am Wochenende

Hohe Lawinengefahr: Wie man Warnsignale erkennt und sich abseits der Pisten richtig verhält

Unberührte Pisten und Pulverschnee - sie bergen oft unterschätzte Gefahren.
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Unberührte Pisten und Pulverschnee - sie bergen oft unterschätzte Gefahren.

Strahlender Sonnenschein, Neuschnee und unberührte Pisten haben in den letzten Tagen vielerorts die Wintersportler in die Berge gelockt. Teils mit fatalen Folgen. Bei mehreren schweren Lawinenabgängen verloren 12 Menschen ihr Leben. Und die Gefahr ist derzeit noch nicht vorbei. Wie man sie erkennt und vermeiden kann, erfahrt Ihr hier.

„Markanter Anstieg der Lawinengefahr mit Neuschnee und Wind“ so lautet die aktuelle Einschätzung des Lawinenwarndiensts Bayern. Das Problem sei derzeit die gefährliche Kombination aus Trieb- und Altschnee, also der Übergang von wenig zu viel Schnee, erklären die Experten. Sie meldeten am Sonntag erhebliche Lawinengefahr der Stufe 3 von 5 für weite Teile des Alpenraums, insbesondere in Österreich und in der Schweiz. Zudem wird neuer Schneefall erwartet. Derzeit gelten je nach Region und ab einer Höhe von rund 1500m die Warnstufen 2 oder 3. In Tirol hat der Lawinenwarndienst für einige Regionen sogar die Stufe 4 ausgerufen, das heißt große Gefahr für Lawinenabgänge und eine Lage, die „viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr und große Zurückhaltung erfordert“.

Mäßige Gefahr ist eine Gefahr? Ein fataler Irrtum

Allein an diesem Wochenende rissen Schneemassen 12 Menschen in den Tod.  Erstmals seit drei Jahren gibt es in dieser Saison auch wieder Lawinentote in Bayern, viele von ihnen suchen abseits der Pisten nach unberührten Pistenverhältnissen. Mit fatalen Folgen. Denn auch wenn die Lawinenwarnstufe nicht auf höchste Gefahr hinweist, sind gerade Warnstufen zwischen 2 und 3 besonders tückisch, denn statistisch gesehen, passierten zwei Drittel der Lawinenunfälle bei Alarmstufe 3, weiß der Berchtesgadener Polizeibergführer Jörg Fegg. „Mäßig ist nicht zu unterschätzen“. Vor knapp zwei Wochen war in den Berchtesgadener Alpen ein 39-jähriger Skitourengeher in einer Lawine ums Leben gekommen - der Lawinenwarndienst hatte für diesen Tag eine mäßige Gefahr ausgegeben. Auch Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol sagte: „Diese statistische Tatsache zeigt gerade auch die Gefährlichkeit dieser Lawinengefahrenstufe auf.“

Seit Tagen warnen die Lawinenwarndienste in Bayern und Tirol davor, die präparierten Pisten zu verlassen. Teilweise vergeblich, ein Umstand der Rudi Mair zusehends frustriert. „Es macht mich traurig, aber ich bin auch erschüttert und wütend, dass alle Warnungen nichts nützen.“

Lawinenwarnstufen

Für viele Skitourengeher und Freerider sind die derzeitigen Pistenverhältnisse ein Traum, die derzeitigen Warnstufen werden daher gerne unterschätzt. Der Deutsche Skiverband warnt ebenfalls, sich und andere in Gefahr zu bringen und hat daher aktuell wichtige Regeln für alle Tourengeher und Tiefschneefahrer zusammengefasst:

  • Zur richtigen Vorbereitung der Bergtour gehören laut DSV das Lesen des Lawinenlageberichts und der Wettervorhersagen. Beides lässt sich tagesaktuell online abrufen, Lageberichte für alle europäischen Wintersportorte zum Beispiel bei den European Avalanche Warning Services.
  • Die Bedeutung der Lawinenwarnstufen von eins bis fünf sollten jedem, der sich abseits der Piste bewegt, bekannt sein. Die Zahlen geben Auskunft über die Stabilität der Schneedecke und gelten europaweit. Ab Stufe drei ist nach Angaben des DSV mit erhöhter Gefahr zu rechnen. Bei dieser Warnstufe leuchten an deutschen Kassen- und Lifthäuschen gelbe Warnleuchten, in Österreich erst ab Stufe vier.
  • Je steiler der Hang, desto größer die Lawinengefahr: Der DSV empfiehlt, die Hangneigungen der zu begehenden oder befahrenden Route vorab mithilfe einer topografischen Karte zu schätzen.
  • Löst sich ein Schneebrett oder eine Lawine, sollten Betroffene die Gefahrenzone so schnell wie möglich seitlich verlassen. Wem das nicht gelingt, der hält vor Stillstand der Schneemassen die Arme schützend vor das Gesicht, um sich eine Atemhöhle zu schaffen. Wer einen Lawinenrucksack trägt, löst den Airbag aus.
  • Zur Grundausstattung in jeden Rucksack gehören zudem Schaufel, Sonde und Lawinenverschüttetensuchgerät. Letzteres sollte während der Tour immer eingeschaltet am Körper getragen werden. Doch auch der richtige Umgang damit bei der Suche nach Vermissten ist wichtig. Der DSV rät unbedingt zur Teilnahme an Praxiskursen, wie sie vom DSV, dem Deutschen Alpenverein, Bergführern, Skischulen oder Skivereinen angeboten werden.

Lawinengefahr vor Ort richtig einschätzen und vorab gut vorbereiten

Wenn nach einer längeren Schneefallpause wieder viel Neuschnee fällt, dann kommt es zu Situationen wie jetzt am Wochenende. Der neue Schnee verbindet sich schlecht mit dem Altschnee, Schneebretter lösen sich und sorgen nicht selten für tödliche Situationen am Hang. Ebenfalls eine Gefahr stellt der sogenannte Gleitschnee dar: auf steilen Hängen sind breite Risse erkennbar, die man dringend meiden sollte. Generell gilt es, das Wetter genau im Auge zu behalten und sich tagesaktuell zu informieren, wo viel Neuschnee etwa auf vereisten Altschnee oder gar Regen fällt. Auch Sturmböen wie zuletzt in den Alpen sind ein Beschleuniger für Lawinen. Sie sorgen für Schneeverwehungen und türmen den Schnee oft an falschen Stellen auf.

Notruf im Überblick

Die europäische Notrufnummer 112 kann vom Festnetz- und Mobiltelefon überall EU-weit abgesetzt werden. Der deutsche Alpenverein empfiehlt auch die kostenlose Notfall-App SOS-EU-ALP, die bei allen alpinen Notfällen zum Einsatz kommen kann. In einigen Ländern gibt es zusätzlich gesonderte Nummern, die vor allem der Bergrettung dienen.

  • Österreich: 140
  • Schweiz: 144 und 1414 (REGA Schweizerische Rettungsflugwacht)
  • Frankreich: 15
  • Italien: 118

si/dpa

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