Waldsterben 2.0.: Wie retten wir unseren Wald?

Exkursion in den Wäldern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Holzkirchen - Forstdirektor Stefan Kramer und die Förster*innen Kathrin Löw, Gerhard Waas, Robert Wiechmann und Michael Huber begleiteten die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung der Grünen-Landtagsfraktion, einen Vormittag durch den Wald – neben der Frage nach dem wegen der Klimakrise dringend notwendigen Waldumbau ging es auch die Frage, wie den Kindern die Bedeutung unserer Wälder für unser Leben vermittelt werden kann.

Die Meldung im Wortlaut:

Das leise Rauschen der Baumwipfel. Der stetige Lärm der Autobahn. Der süße, fast schon weiche Duft von Moos und Farn, der einen umgibt. Die kratzigen Brombeerzweige an den Beinen. Der weiche Waldboden, der jeden Schritt sanft abfedert.
Mit verbundenen Augen entdeckt man den Wald noch einmal ganz anders. Und das ist auch das Ziel der waldpädagogischen Maßnahmen, die das AELF Holzkirchen durchführt.

„Wir versuchen, aus dem Tag im Wald ein Erlebnis zu machen. Jedes Kind, das zu uns in den Wald kommt, nimmt etwas mit. Manchmal sprechen uns Erwachsene Jahre später darauf an, dass sie damals mit uns im Wald waren“, berichtet Bildungsbeauftragter Michael Huber.
Allerdings sei es wünschenswert, dass es nicht nur bei den paar Stunden bleibe, damit man mehr in die Tiefe gehen könne. „So kratzt man doch nur an der Oberfläche.“

Dennoch: bleibende Eindrücke hinterlässt die Waldpädagogik sicherlich bei jedem. Nicht nur bei der „Baumbegegnung“, bei der man mit verbunden Augen vom Partner zu einem Baum geführt wird, den man nachher mit offenen Augen wiedererkennen soll, und die neben den Sinneseindrücken auch die Sozialkompetenz der Kinder schärft. 
Sondern auch bei der Aufgabe „Ein Quadratmeter Wald“, bei der ein kleines Stück Waldboden genau betrachtet wird. Allein zehn kleine Bäume entdeckte Landtagsabgeordnete Gisela Sengl auf „ihrem“ Stück. „Da wären die 100.000 Bäume, die Ministerpräsident Söder für ganz Bayern versprochen hat, also mit einem Hektar Wald aufgebraucht!“

Der Wald ist auf der einen Seite absolut relevant für den Klimaschutz – auf der anderen Seite leidet er aber extrem unter den Auswirkungen der Klimakrise. Das ist auch in Bayern überall deutlich zu spüren.
Die Förster sind die ersten, die miterleben, wie der Wald mit dem Klimawandel zu kämpfen hat. Unstrittig ist, dass die natürliche Verjüngung der Altbäume allein nicht ausreicht für den notwendigen Waldumbau.

In einem Privatwald im Gebiet der AELF Holzkirchen pflanzt man deshalb mitten in die vor vielen Jahrzehnten entstandenen Fichten-Monokulturen jetzt heimische Buchen, um die Verjüngung des Waldes in Richtung Mischwald anzuschieben. Das Problem in diesem Waldstück erkennt Sengl allerdings sofort:
fast alle kleinen Buchen sind verbissen. „Wir haben einen menschengemachten überhöhten Bestand an Schalenwild, und dadurch hier richtige Probleme mit dem Verbiss“, erklärt Förster Robert Wiechmann. Die 3.000 Buchen, die die Waldbesitzerin in diesem Waldstück pflanzte, seien zu viele, um alle durch Einzelmaßnahmen geschützt zu werden.

Die Schlüsselstelle für den Waldschutz sei die Jagd. Um den Aufwuchs zu schützen, könne man auch nicht alles einzäunen, sondern müsse die Jagd so in den Griff bekommen, dass die Verbissschäden zurückgehen. „Der Grundsatz ‚Wald vor Wild‘ bedeutet nicht ‚Wald ohne Wild‘“, betont Wiechmann.
„Aber der Wildbestand muss angepasst werden, wenn zukunftsfähige Mischwälder eine Chance haben sollen.“ Ein Zaun mitten im Wald zeigt, wie eklatant der Unterschied ist: innerhalb dichter Bodenbewuchs mit unterschiedlich hohen Laubbäumen, die sich ganz natürlich angesamt haben, außenherum nur Fichtenjungpflanzen, der Waldboden bedeckt mit Farn und Moos – sonst nichts.

Wie es auch ohne Zaun funktionieren kann, zeigt Waldbesitzer Matthias Muth in seinem Wald bei Oberwarngau. Er ist auch im Vorstand der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen, die durch gute Zusammenarbeit mit den Jägern den Schalenwildbestand in den letzten Jahren auf ein naturverträgliches Maß reduziert hat. Wildhege, also die Winterfütterung von Schalenwild, gibt es im Gebiet nicht. Denn Rehe fänden im Wald genügend Nahrung, wenn es nicht zu viele sind.
„Im Winter brauchen die Rehe kaum Energie“, bestätigt Förster Gerhard Waas. Das Ergebnis lässt sich sehen: Neben der Fichte verjüngen sich vor allem Weißtannen und Buchen, in allen Größen – ein gesunder, gemischter Zukunfts-Wald. „Diese Strukturen gefallen Mensch und Tier“, sagt Matthias Muth.

Dass der Wald – durch solche und andere Maßnahmen – gerade in der aktuellen Klimakrise viel besser geschützt werden muss, darüber sind sich alle einig. „Die Wälder sind durch den Klimawandel massiv bedroht – dabei haben gesunde Wälder einen sehr großen Anteil daran, den Klimawandel abzumildern. Bäume sind CO2-Speicher und der Waldboden schützt das Grundwasser“, so Sengl.

Baumpflanzungen reichten da nicht – bei 2,4 Millionen Hektar Wald allein in Bayern. Deshalb sei eine zielgerichtete Jagd auf Schalenwild ebenso wichtig wie der Aufbau und die Pflege vitaler Mischwälder. Dazu seien auch Änderungen im Jagdgesetz nötig, zum Beispiel die Abschaffung der verpflichtenden Trophäenschau, und eine Vereinheitlichung der Jagdzeiten.

Um den Wald zu retten, müssen wir jetzt handeln“, ist Sengls Fazit am Ende. „Sonst überrollen ihn und damit uns die Auswirkungen der Klimakrise.“

Pressemitteilung der DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag.

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