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Verstärkte Kontrollen bei Holzkirchen zur European Bike Week

57 Prozent beanstandet: Polizei zieht reihenweise getunte Motorräder aus dem Verkehr

Auch dieses Jahr lockte die European Bike Week im österreichischen Faak am See wieder Motorradfahrer aus ganz Europa an. Die Autobahnpolizei Holzkirchen nahm im Zuge dessen mit Unterstützung benachbarter Polizeipräsidien verstärkt Kontrollen vor. Und bescherte damit so manchem Motorradfahrer ein vorzeitiges Ende seiner Reise.

Die Meldung im Wortlaut:

Holzkirchen / Faak am See - Im österreichischen Faak am See fand in der vergangenen Woche die traditionelle European Bike Week statt. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre, über die sich wiederholt 70.000 bis 80.000 Motorräder aus ganz Europa eingefunden hatten, hat sich die Autobahnpolizeistation Holzkirchen dafür gerüstet. Während der sechstägigen Kontrollaktion unter Federführung der Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd unterstützten benachbarte Polizeipräsidien und deren Motorradkontrollgruppen, dazu kam die Unterstützung auch aus dem Norden und Südwesten Bayerns, so dass Kontrolldichte und Fachwissen dem erwarteten Ansturm gerecht werden konnten. So reisten neben Motorradbegeisterten aus Deutschland weitere aus Polen, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und auch Finnland an.

Erfahrungsgemäß sind diese Gelegenheiten begehrt, sich mit Motorrad zu präsentieren. Um sich aus der Masse hervorzuheben wird das Motorrad individualisiert. Nicht alles, was zum Aufpeppen des Motorrades geeignet ist, ist auch zulässig. Insbesondere dann, wenn es zur Verschlechterung von Emissionen oder Gefahr für Verkehrsteilnehmer führt. Auch wenn die Fahrzeugteile aus dem Zubehörhandel kommen, sind sie für sich oder in Kombination mit anderen Fahrzugteilen nicht zulässig, weil nicht umweltverträglich, wie es auch dieses Jahr wieder Verkehrsteilnehmer und Anlieger rund um die Holzkirchner Dienststelle feststellen durften, eher mussten.

Vorweg ist festzuhalten, dass bei 360 kontrollierten Motorrädern 57 Prozent beanstandet wurden, weil sie nicht rechtskonform ausgelegt waren. Sei es, weil Fahrzeugteile nicht geprüft und zugelassen waren, Teile für den EU-Markt an Fahrzeugen für den US-Markt montiert waren oder umgekehrt oder zulässige Anlagen und Kombinationen manipuliert wurden, womit Veränderungen im Sinne von Verschlechterung des Abgas- und des Geräuschverhaltens einher gingen. Als ein Brennpunkt stellten sich die Auspuffanlagen heraus. Eine Abgasanlage erzielte einen Geräuschbelastungswert von 111 dB(A) bei zulässigen 92 dB(A). Eine Steigerung von 10 dB(A) wird vom Gehör als Lautstärkeverdoppelung empfunden, hier waren es 19 dB(A) mehr. 16 Motorradreisende mussten den nächsten Reifenhändler suchen, um ihre Fahrt fortsetzen zu können, da sie ihre Fahrt trotz Unterschreitung der Mindestprofiltiefe, bis hin zu nicht mehr messbarem Profil, angetreten hatten, und das bei dem regnerischen Wetter der letzten Woche und der damit absehbaren Aquaplaninggefahr.

Schlagring und viel zu lautes Motorrad

Kurios war der Familienausflug, Vater, Mutter und Sohn, mit zwei Motorrädern aus Finnland. Im Gepäck der Eltern auf dem einen Motorrad wurde zugriffsbereit ein Schlagring, in Deutschlang verboten, gefunden, die Abgasanlage war mit 108 dB(A) extrem laut. Beklagte der 22-jährige Sohn noch sein Schicksal mit so unvernünftigen Eltern, so musste er sich im Anschluss dafür rechtfertigen, dass er „nur“ mit einem Mopedführerschein aufwarten konnte, nachdem ihm bereits in der Heimat die Fahrerlaubnis wegen charakterlicher Nichteignung entzogen worden war. Auch sein Motorrad stellte eine Belastung für das Gehör dar. Die Reise endete abrupt, nach Hinterlegung einer Sicherheitsleistung wurde die Rückreise mit dem Zug angetreten.

Gefälschter Führerschein und Phantasiekennzeichen

Ein weiteres Fahren ohne Fahrerlaubnis versuchte ein in Deutschland wohnhafter Pole zu vertuschen, indem er sich mit einem britischen Führerschein auswies, der aber als Totalfälschung erkannt wurde und letztendlich wieder zum vertuschten Vergehen führte.

Da er seine russische Herkunft auf dem Weg nach Österreich verschleiern wollte, fertigte sich ein Motorradtourist kurzerhand ein Phantasiekennzeichen und hatte damit bereits eine Strecke von Berlin bis Holzkirchen erfolgreich bewältigt. Nach Zahlung einer Sicherheitsleistung durfte er die Reise fortsetzen, allerdings mit seinem Originalkennzeichen, das im Gepäck verstaut war.

„Verschönerungen“ am Motorrad führen mangels Platz für eine andere Anbaulage häufig im Fall von Beleuchtungskörpern zu einer Veränderung des Signalbildes, Rückleuchten werden verdeckt, Kennzeichen nicht mehr identifizierbar, das führte auch bei diesen Kontrollen zu vielen Beanstandungen in Form von Verkehrsordnungswidrigkeitenanzeigen (125) für die ein Bußgeld verhängt wird und auch Strafanzeigen (16) erstellt werden. Und das bei Motorrädern, die 30.000 Euro kosten. Da wird auf dem Zubehörmarkt im Internet günstigst eingekauft, ohne auf Sicherheit zu achten. Scheinwerfer werden so erworben, genügen jedoch den Anforderungen an Blendfreiheit in keinster Weise, die Verkehrssicherheit bleibt auf der Strecke. Auch die eigene Sicherheit der Motorradfahrer wurde riskiert, indem in einem Fall der Riemenantrieb des Motorrades nicht abgedeckt war, wo es vom Zufall abhängt, dass die Hose nicht eingezogen wird.

Auch Autos wurden getunt

Dass aber nicht nur Motorradfahrer im Fokus der Autobahnpolizeistation Holzkirchen standen zeigt dann die Beanstandung eines gepimpten Fiat 500, der zum Protzen eine Soundanlage installiert hatte, die künstlich einen „sportlichen“ Geräuschhintergrund in den Vordergrund rückte. Statt zulässiger 84 dB(A) erreichte dieses Fahrzeug bei der Standgeräuschmessung einen Wert von knapp 102 dB(A). Auch dieser Fahrzeughalter aus dem Landkreis Ebersberg muss nun eine neue Betriebserlaubnis – nach Rückbau - für sein Fahrzeug erwirken und muss bis dahin auf die Dienste desselbigen verzichten.

Für 189 der beanstandeten Motorradfahrer endete die Fahrt in Holzkirchen. Wer einen sicherheitsrelevanten Mangel nicht vor Ort oder gravierende andere Mängel nicht in einer naheliegenden Werkstatt beheben lassen konnte, musste das Fahrzeug mit einem Anhänger abholen lassen.

Apropos. Es wurden auch viele Motorradfreunde beobachtet, die von vornherein diese Möglichkeit des Transports wählten.

Pressemitteilung Autobahnpolizeiinspektion Holzkirchen

Rubriklistenbild: © (Symbolbild) / dpa

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