"Die ganze Zeit bimmelt es - Tag und Nacht"

Kuhglockenstreit von Holzkirchen: Gericht weist Klage ab

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Holzkirchen - Im Kuhglocken-Prozess von Holzkirchen hat das Münchner Landgericht II nun eine Entscheidung getroffen und die Klage der Klägerin abgewiesen. Die Begründung:

Im Holzkirchner Kuhglockenstreit hat das Münchner Landgericht II nun die Klage der Frau abgewiesen. Dies berichtet der Bayerische Rundfunk am Donnerstagmittag. Die Begründung des Gericht: Die Frau sei nur Besitzerin des Grundstücks und könne demnach keine höheren Besitzansprüche haben als der Eigentümer des Grundstücks - ihr Ehemann. 

Falls die Klägerin gegen das Urteil vorgehen möchte, hat sie nun einen Monat Zeit Berufung einzulegen.

Hintergrund

Seit Jahren liegen ein Ehepaar und eine Landwirtin in Holzkirchen miteinander im Clinch. Nun geht der Streit in eine neue Runde. Doch diesmal sind nicht etwa die Kuhglocken der Landwirtin schuld, sondern Insekten, die von den Kühen allgemein und deren Gülle angezogen werden.

Hintergrund der Geschichte ist, dass ein Ehepaar im Jahr 2011 ein Häuschen in idyllischer Lage in der Gemeinde Holzkirchen gekauft hat und dort eingezogen ist. Jedoch haben kurz darauf zahlreiche Kühe auf der Wiese nebenan ihre neue Weide gefunden - traditionell mit Kuhglocken geschmückt.

Dadurch hat sich das Ehepaar dazu gezwungen gesehen, die Kühe quasi von der Wiese weg zu klagen. Das Verfahren hat im September 2015 mit einem Vergleich geendet. Doch das Ehepaar startete einen neuen Versuch, denn nicht nur das Gebimmel der Kuhglocken, sondern auch den Gestank beim Düngen mit Gülle und die dadurch anschwirrenden Insekten wollen sie nicht mehr dulden.

"Die ganze Zeit bimmelt es - Tag und Nacht"

Mitte November begann der neue Prozess vor dem Landgericht München II. Diesmal richtete sich die Klage nicht nur gegen die Landwirtin, die das Weideland pachtet und als Weise nutzt, sondern auch gegen die Gemeinde, die das Gelände als Ersatz für eine frühere Fläche zur Verfügung stellt.

"Die ganze Zeit bimmelt es - Tag und Nacht", sagt der Anwalt des Paars, Peter Hartherz, gegenüber der Passauer Neuen Presse. Die Folge: Schlaflosigkeit und Depressionen. Das Anwesen befinde sich in einem Wohngebiet, es gebe auch "keine Ortsüblichkeit der Weidehaltung", erklärt der Anwalt. Zudem verstoßen die Kuhglocken nach Meinung des Anwaltes gegen den Tierschutz. Durch die Kühe und die Gülle hätte sich auch der Wert der Immobilie verringert - um 40.000 bis 50.000 Euro.

"Keine Präzedenzfälle schaffen"

"Es geht um die Definition der sachgerechten Landwirtschaft", sagte der Holzkirchener Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) laut PNP zu dem Fall. Immerhin habe das Paar auf dem traumhaft gelegenen Anwesen einen unverbaubaren Blick in alle Himmelsrichtungen. "Dafür muss man halt in Kauf nehmen, dass daneben Landwirtschaft stattfindet", wird er von der PNP zitiert. "Insofern ist es für uns als Kommune schon wichtig, dass wir hier nicht Präzedenzfälle schaffen."

Auch habe der Bürgermeister versuchte, das Problem mit Gesprächen zu klären - jedoch ohne Erfolg. "Ich habe nicht den Eindruck dass es den Menschen irgendwie darum geht, in die dörfliche Gemeinschaft integriert zu werden", sagt er in dem Bericht. Das Ehepaar soll 2004 in die Gemeinde Holzkirchen gezogen sein und sich dort dann später das Haus gekauft haben.

mh

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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