Bub in Schacht - die dramatische Rettung

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Fast zwei Stunden musste der 13-jährige Bub ausharren, bis ihn die Helfer von Feuerwehr, Bergwacht und Rettungsdienst aus dem 15 Meter unterirdischen Keller befreien konnten.

Übersee - Kein alltäglicher Einsatz für die Feuerwehr Übersee: Ein 13-Jähriger war in einen 15 Meter tiefen Schacht gestürzt. Jetzt schildert ein Retter die dramatische Aktion.

Bernhard Gasser

Bernhard Gasser ist bereits seit 13 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Übersee, aber dieser Einsatz war etwas Außergewöhnliches.

Alarmiert wurde er über den Funkempfänger, berichtet der 29-Jährige. "Es hieß Stufe 4 und vermutlich Kind in Schacht gefallen." Gasser fuhr direkt zur Einsatzstelle am Westerbuchberg.

Dort war er mit einem Kollegen, der fast nebenan wohnt, zunächst alleine. Beide haben eine Höhlensicherungs-Ausbildung.

Feuerwehr rettet 13-Jährigen aus Schacht

"Wir haben in den Schacht gerufen - keine Reaktion. Dann waren auch schon unsere Kollegen von der Feuerwehr da", berichtet der Lagerist.

Es sei nicht leicht gewesen, das nötige Equipment zur Einsatzstelle zu bringen, denn der Schachteingang liegt in einem Waldstück auf dem Westerbuchberg. Nachdem die Absicherung aufgebaut worden war, seilte Gassner seinen Kollegen in den Schacht ab. Dabei wurden Handscheinwerfer benötigt, denn es war stockfinster. "Dazu seilten wir auch eine Sauerstoffflasche ab. Und dann stellten wir fest, dass ein Haufen Müll am Schachtgrund lag".

Gassner begab sich als Nächster in den Schacht. Inzwischen war auch die Bergwacht alarmiert worden. "Ich bin ausgebildeter Sanitäter." Der 13-Jährige war ansprechbar, als die Retter ihn erreichten. Bei seinem Sturz war er mit dem Kopf auf einer Holzschublade aufgekommen, mit dem Becken auf einen Haufen Steine geknallt. Er klagte über Schmerzen.

"Ich musste unbedingt zuerst abchecken, ob der Junge sich das Becken gebrochen hatte. Denn mit einem Beckenbruch hätte er verbluten können." Das Becken war zwar nicht gebrochen - trotzdem musste der Bub schnellstmöglich aus dem Schacht raus und versorgt werden.

Von links: Hans Stein (der Erste, der bei dem Jungen war), Wolfgang Steiskall (organisierte die Rettung mittels Feuerwehr-Flaschenzug am Schachteingang) und Bernhard Gasser.

Die drei Retter stellten fest, dass vom Schacht aus ein Durchgang zu einem angrenzenden Haus bestand, der aber zugemauert war. Mit Klopfzeichen überprüften sie, ob es eine Möglichkeit gab, durch den Durchgang in das Haus zu kommen.

"Das ging aber nicht," so Gassner, "wir mussten also durch den Schacht." Sie versuchten es mit einer Rettungswindel, eine Art dreieckiges Tuch, das um das Becken des Jungen geschlungen wurde. "Das hat aber nicht funktioniert, der Bub hatte Schmerzen. Also kam eine Vakuum-Matratze zum Einsatz."

Auf diese Matratze wird der Verletzte geschnallt, anschließend die Luft aus der Matratze gelassen. Der Verletzte liegt fest in einer Art Nachformung seines Körpers, mit einem zusätzlichen Sack wird er gesichert.

Hier war Improvisationstalent gefragt: Normalerweise wird die Vakuum-Matratze horizontal eingesetzt, in diesem Fall funktionierte es nur vertikal.

"Der Junge hatte zwar Schmerzen, aber er war die ganze Zeit über ansprechbar und war zwischendurch sogar zu Scherzen aufgelegt", erzählt Gassner. Während des Einsatzes wurde regelmäßig Rücksprache mit dem Notarzt gehalten - weil der 13-Jährige aber stabil war, konnte er schonend gerettet werden, ohne übermäßige Eile.

Am Schachteingang nahm der Notarzt seinen Patienten sofort in Empfang, der Bub wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus Traunstein transportiert. Er hat sich einen Milzriss und eine Handgelenkfraktur zugezogen.

"Der Einsatz dauerte eindreiviertel Stunden." Fast zwei Stunden, die einzigartig in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Übersee sind, denn "ich kann mich in meinen 13 Jahren hier an nichts Vergleichbares erinnern", sagt Gassner.

Allerdings wurden ähnliche Einsätze von der Feuerwehr oft geübt. Bernhard Gassner: "Es hat alles reibungslos geklappt und ich bin mir sicher, dass das an den vielen Übungen liegt. Auf jeden Fall bin ich sehr stolz auf meine Truppe."

Fiona Häger

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