„Ich bin davon ausgegangen, dass alle juhu schreien“

Impf-Pflicht für Mitarbeiter: Pfaffenhofener Zahnarzt kassiert riesigen Shitstorm

Ein Zahnarzt aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen drohte seinen Mitarbeitern mit einer Freistellung, sollten sie sich nicht gegen Corona impfen lassen. Die gut gemeinte - aber schlecht formulierte - Aufforderung ging nach hinten los und löste einen Shitstorm und ein bundesweites Medienecho aus.

Pfaffenhofen - Drohungen und Anschuldigungen in den Sozialen Medien, Grablichter und Hundekot vor der Praxis und ein bundesweites Medienecho: Das ist die Bilanz des „Impf-Befehls“ eines Zahnarztes aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen.

Zahnarzt droht mit Freistellung ohne Corona-Impfung

Der Zahnarzt hatte für sich und seine Angestellten einen Termin für eine Corona-Impfung im Impfzentrum vor Ort ausgemacht und per Whastapp die Ansage gemacht: „Es werden alle Mitarbeiter und Zahnärzte geimpft. Wer die Impfung nicht möchte, wird ohne Gehalt von der Arbeit freigestellt.

Sogar den Gang vor Gericht würde der Zahnarzt nicht scheuen: „Ich ziehe das durch. Ich habe mich wirklich damit auseinandergesetzt. Ich stehe sehr hinter dieser Impfung.“, so der Zahnarzt im Donaukurier.

Wie viele seiner Mitarbeiter sich haben impfen lassen, ist nicht bekannt. Der Zahnarzt geht jedoch davon aus, dass sich fast alle Mitarbeiter impfen lassen wollten. Die für die Praxis reservierten Impfdosen wurden angeblich alle verabreicht.

„Impf-Befehl“ löst Shitstorm und Medienecho aus

Im Nachhinein gab der Zahnarzt zu, dass die Formulierung wohl etwas unglücklich gewesen sei, doch da war es schon zu spät. „Ich bin davon ausgegangen, dass alle juhu schreien“, so der Mann gegenüber dem Donaukurier.

Weit gefehlt: Der Zahnarzt und seine Mitarbeiter wurden in den Sozialen Medien auf das Übelste beleidigt, sogar Morddrohungen soll es gegeben haben. Vor der Zahnarztpraxis in Pfaffenhofen haben Unbekannte ein Grablicht und einen Beutel Hundekot deponiert, vor seinem Wohnhaus soll dem Zahnarzt aufgelauert worden sein. Der Facebook-Auftritt der Praxis und die Internet-Seite sind inzwischen nicht mehr zu erreichen.

Rechtliche Konsequenzen für Pfaffenhofener Zahnarzt?

Ein Aktivist aus München soll nach Informationen des Donaukuriers Anzeige gegen den Zahnarzt wegen Erpressung und Nötigung gestellt haben, die zuständige Staatsanwaltschaft konnte der Zeitung aber den Eingang eines solchen Strafantrages nicht bestätigen.

Sonderbehandlung durch das Landratsamt?

Weiter wurden Vorwürfe laut, dass der Arzt und seine Mitarbeiter noch gar nicht an der Reihe gewesen wären mit einer Impfung, da sie nicht zur ersten Priorisierungsgruppe gehören.

Diese Vorwürfe weist das Landrastamt Pfaffenhofen zurück: „Der ärztliche Leiter des Impfzentrums hat Zahnärzte gemäß Paragraf zwei Nummer vier der Impfverordnung eingestuft und ihnen somit den Zugang zu den Impfungen ermöglicht.“ Der Paragraf besagt, dass Personen geimpft werden können, die „aerosolgenerierende Tätigkeiten“ vornehmen, also z.B. Zahnärzte und deren Mitarbeiter. Außerdem können die Impfzentren Termine vergeben, wenn sie freie Kapazitäten haben.

Impfpflicht für medizinisches Personal?

Sollte es eine Impfpflicht für medizinisches Fachpersonal geben? Das Thema spaltet die Gemüter. Es wird argumentiert, dass medizinisches Personal eine Vorbildfunktion habe und sich alleine schon deshalb impfen lassen sollte.

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat erneut eine Debatte über eine Impfpflicht für Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen gefordert. Seiner Meinung nach gebe es unter Pflegekräften zu viele Impfverweigerer.

„Wir müssen uns überlegen, ob wir für die besonders hochsensiblen Bereiche, das sind die Alten- und Pflegeheime, den Schutz besonders erhöhen“, sagte Söder im ZDF-Morgenmagazin.

bcs

Rubriklistenbild: © Lukasz Gagulski / dpa

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