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DLRG Bayern im Interview: Richtig reagieren bei Badeunfällen

Notfall am Badesee: Wie man an den Haaren erkennen kann, ob jemand ertrinkt

Collage: Michael Förster von der DLRG Bayern/ Ein Mann unter Wasser
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Wie man einem Ertrinkenden zu Hilfe eilen kann, erklärt Michael Förster von der DLRG Bayern.

Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad - in Bayern herrscht seit Tagen bestes Badewetter. Überschattet wird der Bilderbuchsommer derzeit von einigen schweren Badeunfällen. Doch wie erkennt man, ob ein Mensch ertrinkt und reagiert dann auch richtig? OVB24.de hat bei der DLRG Bayern nachgefragt.

„Es sieht nicht so dramatisch aus“ antwortet Michael Förster von der DLRG Bayern auf die Frage, wie man denn erkennt, dass ein Mensch am Ertrinken sei. Die meisten haben zu diesem Zeitpunkt bereits keine Kraft mehr, sich hektisch zu bewegen. Auch in den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu schweren Badeunfällen, leider auch mit tödlichem Ausgang. Darum heißt es genau hinschauen und schnell handeln.

So erkennt man, ob ein Mensch in Not ist

  • Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser. Der Mund befindet sich auf einer Höhe mit der Wasseroberfläche
  • Die Augen sind glasig und leer, oft auch geschlossen
  • Der Körper befindet sich vertikal im Wasser – die Beine werden nicht bewegt
  • Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und ringt nach Luft, er unternimmt den Versuch zu schwimmen, kommt aber nicht voran, er versucht sich auf den Rücken zu drehen.
  • Ein starkes Indiz ist, wenn die Haare immer wieder ins Gesicht gespült werden und derjenige nicht versucht sie zur Seite zu schieben

Jetzt zählt jede Sekunde!

Wenn Ihr so etwas im See oder im Freibad beobachtet, heißt es sofort handeln. Der erste Tipp von DLRG-Retter Michael Förster: „Laut um Hilfe rufen, winken, macht andere auf die Situation aufmerksam“ - denn gemeinsam schafft man in kurzer Zeit mehr. Während der eine einen Notruf unter der 112 absetzt, kann der andere abwägen, wie man weiter vorgeht.

Michael Förster rät nur zu tun, was man sich auch zutraut. Ist der Ertrinkende zu weit im Wasser und man ist selbst kein guter Schwimmer, sollte man nicht einfach losschwimmen. Vielleicht ist unter den anderen Badegästen jemand mit Erfahrung im Rettungsschwimmen und kann das dann übernehmen? Ansonsten hilft es, der verunfallten Person etwas zuzuwerfen, ein Seil oder ein Schwimmring. Vielleicht ist auch jemand mit einer Luftmatratze oder einem SUP in der Nähe, der dem Ertrinkenden zu Hilfe eilen kann.

Solltet Ihr Euch entschließen selbst zu schwimmen, dann unbedingt von hinten an den Ertrinkenden heranschwimmen, ihn unter den Achseln greifen und rückwärts zum Ufer schwimmen. So verhindert man, dass er sich in Panik an einen klammert und in die Tiefe zieht.

Den Ertrinkenden immer von hinten bergen.

Keine Scheu vor Erster-Hilfe

Auch wenn der Erste-Hilfe-Kurs schon Jahre her ist, man muss keine Angst haben, etwas falsch zu machen, betont Michael Förster. Am besten geht man so vor:

  • Prüfen ob Lebenszeichen vorhanden sind: Atmet die Person (Brustkorb hebt und senkt sich)?
  • Puls fühlen (neben dem Kehlkopf)
  • Wenn die Lebenszeichen fehlen, sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung oder der Mund-Nase-Beatmung bei Kindern beginnen.
  • Herzdruckmassage beginnen - Faustregel: Die Arme des Helfers sind gestreckt und der Brustkorb wird senkrecht von oben durch Gewichtsverlagerung des eigenen Oberkörpers 30 x mindestens fünf bis maximal sechs cm tief eingedrückt .

    Am besten ist man hier auch zu zweit: der eine macht die lebensrettende Herzdruckmassage, der andere die Mund-zu-Mund-Beatmung. Beides ist gerade für Ungeübte sehr anstrengend und lässt sich daher am besten zu zweit durchführen.
  • Das Ganze muss bis zum Eintreffen der Rettungskräfte durchgeführt werden, um keine wertvolle und vor allem lebensrettende Zeit zu verlieren.

Generell gilt: Wer sich zutraut jemanden aus einem See oder im Freibad retten, sollte dies tun, denn es zählt jede Minute. Dagegen sollte man sich nicht selbst in Gefahr bringen. Bei Ertrinkenden in Flüssen, ist die Rettung durch die Strömung durchaus heikel und sollte tatsächlich erfahrenen Rettungsschwimmern überlassen werden, so Michael Förster. Bei Gewässern mit starker Strömung ist es aber ratsam, am Ufer mitzulaufen, sodass die herbeigerufenen Einsatzkräfte sofort wissen, wo sich der Ertrinkende aufhält.

Auf Kinder besonders achten

Kinder sind im Wasser besonders gefährdet: Schwimmflügel, Schwimmgurte oder gar Luftmatratzen und Schwimmtiere stellen keine Sicherheit dar, DLRG-Retter Michael Förster rät, Kinder immer in Sichtweite, besser sogar in Griffweite zu haben. Als Faustregel gilt: Kinder können dann sicher schwimmen, wenn sie das Bronzene Schwimmabzeichen gemacht haben.

Coronabedingt lernen aber leider immer weniger Kinder richtig schwimmen. Zwei Schülerjahrgänge, insgesamt 200.000 Kinder, haben in den letzten eineinhalb Jahren keinen Schwimmkurs belegen können, so Michael Förster. Eine dramatische Verschlechterung und echte Gefahr für die Kinder.

Mit diesen Tipps kommt Ihr gut durch den Sommer

  • Im Wasser erstmal abfrischen, nicht aufgeheizt ins kalte Wasser gehen
  • Niemals in ein Gewässer springen, das man nicht kennt: es könnten gefährliche Strömungen herrschen oder Untiefen, die zu schweren Rückenmarksverletzungen führen können.
  • Das Wasser verlassen, wenn man friert
  • Dort wo Boote fahren, aufs schwimmen und tauchen verzichten
  • Eigene Kraft und eigenes Können niemals überschätzen

si

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