Inzeller Seniorenheim droht Schließung

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Das H&R-Seniorenheim in Inzell: Das Landratsamt Traunstein hat jetzt mit der Schließung gedroht.

Inzell - Wunde Patienten, nicht dokumentierte Medikamenten-Ausgaben - die Liste der Vorwürfe ist lang. Erhoben werden sie vom Landratsamt Traunstein. Einem Seniorenheim droht nun das Aus.

- "Leider sehen wir aufgrund der permanent vorhandenen Mängel, die der Heimträger trotz vieler vorangegangener Beratungen und Maßnahmen der Fachstelle nicht beseitigt hat, zur Schließung keine Alternative mehr." -

Das Schreiben, das die Angehörigen der 74 Bewohner des Inzeller H&R Seniorenheimes vor Kurzem vom Landratsamt Traunstein bekommen haben, war deutlich. Zum 22. August will die Behörde das Haus dicht machen - "zum Wohl der Patienten".

Inzeller Seniorenheim in der Kritik

Bereits seit Längerem hatte die zuständige Fachstelle für Pflege- und Behindertenenrichtungen (früher "Heimaufsicht") ein scharfes Auge auf die Senioren-Residenz geworfen. Anlass waren "immer wiederkehrende Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen, ehemaligem Personal und Ärzten". Im Februar 2010 durfte das Heim deshalb auf amtliche Anordung zeitweise keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Es war damals nach Auffassung der Pflegeexperten des Landkreises zu wenig Personal da, um die Bewohner fachgerecht betreuen zu können. Das Heim stellte daraufhin mehr  Betreuer ein, die Anordnung wurde im Oktober 2010 aufgehoben.

Die Ruhe währte aber nur kurz: Am 24. Februar 2011 ordnete das Amt wieder einen Aufnahmestopp für Bewohner an. Roman Schneider, Pressesprecher des Landratsamtes: "Im H&R wurden bei Kontrollen immer wieder erhebliche Mängel im pflegerische Bereich und in der medizinischen Versorgung festgestellt." Mit "pflegerische Mängel" umschreibt Schneider wundgelegene Patienten, stundenlanges Liegen in Exkrementen und nicht ordentlich dokumentierte Medikamenten-Ausgaben an die vielfach dementen Heim-Bewohner.  

Das Seniorenheim bekam dennoch eine weitere Chance, die Mängel zu beseitigen. Gleichzeitig kontrollierte das Amt aber immer öfter in immer kürzeren Abständen und zog nach einer letzten Prüfung am 8. Juli dann schließlich doch die Notbremse. Dem H&R-Seniorenheim Inzell wurde die "geplante Betriebsuntersagung zum 22. August 2011" angekündigt.

Im Inzeller H&R-Heim wollte man sich zu den Vorwürfen des Landratsamtes nicht äußern. Auf telefonische Nachfrage von chiemgau24.de erklärte die Leiterin: "Wir sind in einem laufenden Verfahren. Ich möchte deshalb dazu jetzt nichts sagen." Die Berliner Geschäftsführung der H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH war trotz mehrmaliger telefonischer und einer schriftlich gestellten Anfrage für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bis heute, 19. Juli 2011, 24 Uhr hat der Betreiber Gelegenheit, sich gegenüber dem Landratsamt Traunstein zu den Vorwürfen zu äußern, und so vielleicht eine Schließung doch noch abzuwenden. Das Landratsamt hat den Angehörigen der 74 Heimbewohner in dem Info-Schreiben vom 14. Juli aber bereits nahe gelegt, sich nach einer Alternative umzusehen und eine Liste mit freien Heimplätzen aus den Landkreisen Traunstein, Rosenheim, Altötting und Bertesgadener Land beigefügt. Roman Schneider: "Wir wissen, dass ein Umzug sehr schwer für die Seniorinnen und Senioren wird. Das Heim ist ja für viele ihr Zuhause. Aber es ging so nicht mehr."

Die H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft verfügt laut ihrer Homepage über "moderne Seniorenheime" an 18 Standorten in Deutschland und wirbt mit Slogans wie "Bei uns werden Sie sich wohlfühlen! Dafür sorgt unser bestens ausgebildetes und freundliches Personal." Das Heim in Inzell betreibt sie seit 2007.

Erst im Mai 2011 war die H&R-Seniorenresidenz in Schliersee (Kreis Miesbach) in die Schlagzeilen geraten. Der Münchner Merkur berichtete hier über "eklatante Mängel". Auch hier hatten Kontrolleure die Pflegeleistungen und zu wenig Personal kritisiert.  

ck/chiemgau24.de

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