Kind mit 19-jähriger Tochter gezeugt?

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Rosenheim - Ein 40-jähriger Mann aus dem Raum Rosenheim soll seine 19-jährige Tochter missbraucht und mit ihr ein Kind gezeugt haben. Das mutmaßliche Opfer klagt nun über das in ihren Augen schleppende Vorgehen der Justiz.

Herr Sowieso sei ein Kinderschänder und habe seine Tochter geschwängert. Flugblätter mit diesem Inhalt hatte ein Unbekannter vor rund drei Wochen an Bäume und Mauern in Kufstein, Oberaudorf und Kiefersfelden geklebt - mit dem tatsächlichen Namen und der Anschrift des Beschuldigten. Ein Österreicher ging damit zur Gendarmerie. Doch dort wussten die Beamten längst Bescheid. Die deutsche und österreichische Justiz ermittelt schon seit Monaten. Das mutmaßliche Opfer, eine 19-jährige Frau, klagt nun über das in ihren Augen schleppende Vorgehen der Justiz.

Der Beschuldigte stammt aus dem Raum Rosenheim und lebt heute in Tirol. Seine eigene Tochter hatte ihn angezeigt: Er soll die junge Frau sexuell missbraucht und mit ihr ein Kind gezeugt haben. Oberstaatsanwalt Jürgen Branz bestätigte entsprechende Ermittlungen. "Nähere Angaben können aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht gemacht werden", sagte der Rosenheimer Staatsanwalt gestern.

Nach einem Rechtshilfeersuchen der bayerischen Justiz wurde der Mann, der Mitte 40 ist, in Tirol vernommen. Zum Ergebnis wollte sich Branz nicht äußern. Nach Berichten österreichischer Medien wurde das Rechtshilfeersuchen bereits im Herbst 2010 gestellt, nachdem der Mann nach Tirol gezogen war. Auch dass ein DNA-Test die Vaterschaft bewiesen haben soll, wollte Branz nicht bestätigen.

Enttäuscht über den langsamen Fortgang der Ermittlungen ist das Opfer, eine heute 19-Jährige, die im Landkreis Rosenheim lebt. In Juni 2010, kurz nach der Geburt ihres Kindes, hatte sich die junge Frau zur Anzeige durchgerungen. Drei Jahre lang habe sie ihr Vater sexuell missbraucht und er sei auch der Vater ihres Kindes.

"Es hat schon über ein halbes Jahr gedauert, bis endlich der DNA-Test gemacht wurde", sagt die 19-Jährige. Das Ergebnis habe ihre Aussage eindeutig bestätigt: Ihr Vater sei auch der Vater ihres heute eineinhalbjährigen Kindes. Dennoch leugne der Mann die Vaterschaft ab.

Doch der DNA-Test allein reicht der Justiz offenbar nicht aus. Der weitere Fortgang der Ermittlungen hänge davon ab, wie ein Gutachter ihre Glaubwürdigkeit als Zeugin einschätze, sagt die junge Frau. "Dazu muss ich eigens nach München zur einem Institut für wissenschaftliche Gerichts- und Rechtspsychologie. Doch ich habe immer noch keinen Termin mitgeteilt bekommen."

Sie fühlt sich durch den langsamen Fortgang der Ermittlungen von der Justiz allein gelassen. "Manchmal denkt man, dass es vielleicht ein Fehler war, überhaupt eine Anzeige gemacht zu haben", sagt sie resignierend.

Wer den Beschuldigten mit den Flugblättern bis über die Grenze verfolgt hat, ist nicht bekannt. Wie österreichische Zeitungen berichten, ermittelt die österreichische Polizei nicht in dieser Sache. Da keine strafrechtlichen Verstöße vorliegen, könnte nur der Betroffene auf zivilrechtlichem Weg gegen den anonymen Schreiber vorgehen. Doch der Mann hat bislang keine Anzeige bei der Gendarmerie gestellt.

ku/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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