"DIE GANZE ZEIT BIMMELT ES - TAG UND NACHT"

Irrer Zoff um Holzkirchner Kuhglocken: gerichtliche Schlafprobe?

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Eine Milchkuh leckt an einer Kuhglocke, die im Viehstall der Familie Killer hochgehalten wird.

Holzkirchen/München - Ein Ehepaar im oberbayerischen Holzkirchen fühlt sich von den Glocken der Kühe auf einer angrenzenden Weide gestört und will gerichtlich eine Ende des Gebimmels erreichen. Vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) ging der Streit nun in weitere Runde.

Update, 17 Uhr:  

Im Holzkirchner Kuhglockenstreit haben die Bäuerin, das von den Glocken gestörte Nachbarehepaar und Vertreter der Gemeinde am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München (OLG) um eine Lösung gerungen, berichtet unser Partnerportal merkur.de


Nun wurden Überlegungen angestellt einen Ortstermin zu vereinbaren, um die Sache selbst in "Augen- und Ohrenschein", wie es der Vorsitzende Richter beschrieb, nehmen zu können. 

Möglicherweise müsse man aufgrund der Bedeutung auch eine Nacht dort verbringen. Dies ist allerdings erst um Frühjahr wieder möglich, wenn der Schnee abgetaut ist und die Kühe wieder auf der Wiese grasen.


Vorbericht:

Der Holzkirchner Kuhglockenstreit geht am Mittwoch ( 11 Uhr) vor dem Oberlandesgericht (OLG) München in eine weitere Runde. Nachdem zuerst der Ehemann und dann die Ehefrau in getrennten Prozessen in erster Instanz vor dem Landgericht München II gescheitert waren, zieht der Mann nun in die zweite Instanz vor das OLG.

Grund für die Abweisung der Klage in erster Instanz war unter anderem ein Vergleich, den der Mann mit der Bäuerin im September 2015 geschlossen hatte. Demnach sollten Kühe mit Glocken nur im mindestens 20 Meter entfernten Teil der Weide grasen. Allerdings brachte das kaum Entlastung. Deshalb klagten er und seine Frau. Dabei geht es ihnen nicht mehr nur um die Lärmbelästigung, sondern auch um Fliegen, die um die Kühe schwirren, und um das nach ihrer Auffassung überzogene Ausbringen von Gülle.

Kläger wollen Rechtsweg voll ausschöpfen

Es habe einen regelrechten Gülleteppich gegeben, sagte der Anwalt des Paares, Peter Hartherz von der Kanzlei Sauer Wolff Martin. Sollte es vor dem OLG keine Einigung geben, gehe er davon aus, dass der Rechtsweg weiter ausgeschöpft werde - möglicherweise bis zum Bundesgerichtshof.

Bäuerin Regina Killer sieht der erneuten Verhandlung entspannt entgegen. Sie könne sich kaum vorstellen, dass das OLG anders entscheide als zuvor das Landgericht, sagte sie.

Hintergrund

Hintergrund der Geschichte ist, dass ein Ehepaar im Jahr 2011 ein Häuschen in idyllischer Lage in der Gemeinde Holzkirchen gekauft hat und dort eingezogen ist. Jedoch haben kurz darauf zahlreiche Kühe auf der Wiese nebenan ihre neue Weide gefunden - traditionell mit Kuhglocken geschmückt.

Dadurch hat sich das Ehepaar dazu gezwungen gesehen, die Kühe quasi von der Wiese weg zu klagen. Das Verfahren hat im September 2015 mit einem Vergleich geendet. Doch das Ehepaar startete einen neuen Versuch, denn nicht nur das Gebimmel der Kuhglocken, sondern auch den Gestank beim Düngen mit Gülle und die dadurch anschwirrenden Insekten wollen sie nicht mehr dulden.

"Die ganze Zeit bimmelt es - Tag und Nacht"

Mitte November begann der neue Prozess vor dem Landgericht München II. Diesmal richtete sich die Klage nicht nur gegen die Landwirtin, die das Weideland pachtet und als Weise nutzt, sondern auch gegen die Gemeinde, die das Gelände als Ersatz für eine frühere Fläche zur Verfügung stellt.

"Die ganze Zeit bimmelt es - Tag und Nacht", sagt der Anwalt des Paars, Peter Hartherz, gegenüber der Passauer Neuen Presse. Die Folge: Schlaflosigkeit und Depressionen. Das Anwesen befinde sich in einem Wohngebiet, es gebe auch "keine Ortsüblichkeit der Weidehaltung", erklärt der Anwalt. Zudem verstoßen die Kuhglocken nach Meinung des Anwaltes gegen den Tierschutz. Durch die Kühe und die Gülle hätte sich auch der Wert der Immobilie verringert - um 40.000 bis 50.000 Euro.

mh mit Material der dpa

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