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Ist unser Fasching rassistisch? Heftige Vorwürfe gegen „Chinesen-Fasching“ in Dietfurt

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Von: Isabella Schweiger

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Collage: Chinesen-Fasching in Dietfirt und als Indianer verkleideter Mann
Manche Faschings-Verkleidungen werden als rassistisch empfunden. © dpa | Federico Gambarini/Armin Weigel/

Wie weit darf Fasching gehen? Kann man noch guten Gewissens als Indianer, oder wie im aktuellen Fall, als Chinese verkleidet gehen, oder ist das schon rassistisch? Diesen Vorwurf macht jedenfalls ein TikTok-Video, das derzeit hohe Wellen schlägt.

„Tausende Menschen die sich ihre Gesichter gelb anmalen“, „Yellow-Facing“, „rassistisch geprägte Fantasien“ sind nur einige der Schlagworte, die eine nicht näher genannte Frau asiatischer Herkunft in dem TikTok-Video der bayerischen Gemeinde Dietfurt vorwirft. Das Video, das den traditionellen „Chinesen-Fasching“ anprangert, wurde bisher bereits über 500 mal geteilt, fast 17.000 User haben den Beitrag geliked. Die Kommentare sind dabei relativ eindeutig: „Krass“, „Warum macht man das?“ „Bin mehr als geschockt“ oder „Bayern ist echt krass daneben“.

Ist unser Fasching rassistisch?

Die Stimmung unter den Kommentaren geht eindeutig in Richtung „Rassismus“. Dietfurts Bürgermeister Bernd Mayr weist diesen Vorwurf weit von sich. Gegenüber der bild.de sprach er von „Blödsinn“. Diese hatte das Video, das bereits im Oktober erschien, jetzt kurz vor Stattfinden des „Chinesen-Faschings“ am Unsinnigen Donnerstag, zur Diskussion gestellt.

Auf der Homepage der Stadt findet man auch die geschichtlichen Hintergründe, die das TikTok-Video völlig außer Acht lässt. Denn, dass in Dietfurt ausgerechnet die Chinesen an Fasching regieren, kommt aus einer Zeit, als die Dietfurter dem bischöflichen Kämmerer die Tür vor der Nase zuschlugen. Der wollte mehr Geld eintreiben, doch die Bevölkerung verschanzte sich „wie Chinesen hinter ihrer Mauer“.

1928 trat eine Faschingskapelle als Chinesen verkleidet auf, nach dem Krieg war dann der chinesische Faschingsumzug am Unsinnigen Donnerstag geboren. „Bayrisch China“ nennen sich die Dietfurter stolz und verweisen auf ihre chinesische Partnerstadt Nanjing, mit der seit vielen Jahren ein freundschaftlicher Austausch besteht. Viele Chinesen reisen sogar extra für diesen Tag an und auch die Dietfurter ihrerseits besuchen China häufig. Von Rassismus will hier niemand etwas wissen.

Chinesenfasching in Dietfurt
Mit einer chinesischen und bayerischen Bemalung im Gesicht nimmt ein Mann am traditionellen Chinesenfaschingsumzug in Dietfurt teil. © Armin Weigel/dpa

Muss unser Fasching politisch korrekt werden?

Neben dem aktuellen Fall in Dietfurt, kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Rassismus-Vorwürfen im Fasching oder Karneval. 2019 hat eine Hamburger Kita in einem Elternbrief kund getan, dass Indiander-, oder Scheichkostüme verboten seien. Eine Kita in Erfurt sagte sogar den kompletten Fasching aus kultursensiblen Gründen ab. Selbst in der Karnevalshochburg Köln hörte der Spaß beim Kostüm auf: So erntete die Kölner Bar „Bagatelle“ im letzten Jahr einen gewaltigen Shitstorm, weil sie Jecken im Indianerkostüm den Zutritt verwehren wollte.

Bereits im Sommer schlug die Winnetou-Debatte hohe Wellen: Ursache war hier das I-Wort, also Indianer, das wie auch die Karl May-Filme und Bücher, als diskriminierend empfunden werde. „Natives“ oder „Indigene Völker“ wären unter anderem die korrekten Begriffe. Die ARD reagierte mit einem heiß diskutierten Winnetou-Bann und strich den Publikumsliebling kurzerhand aus dem Programm. Und im Fasching geht diese Diskussion nun weiter: Deratige Kostümierungen werden von manchen als „kulturelle Aneignung“ empfunden. Und damit zurück zum „Chinesen-Fasching“ im oberpfälzischen Dietfurt, auch hier steht kulturelle Aneignung und Rassismus im Raum.

Eure Meinung ist gefragt

Soll der Fasching politisch korrekter werden? Gibt es tatsächlich Kostüme, die grenzwertig sind und andere Volksgruppen verletzen, wie eben Indianer, Mexikaner, Chinesen, Kannibalen mit schwarzen Gesichtern oder Scheichs mit Turban? Oder ist im bunten Treiben einfach alles erlaubt, was gefällt, weil es meist keinen bösen Hintergedanken hat? Sollte man mit Kindern sprechen, warum sie im Fasching nicht als ihr Held „Yakari“ gekleidet sein können oder geht das in Euren Augen zu weit? Schickt uns Eure Meinung an leserbriefe@ovb24.de (Stichwort FaschingBitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

si

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