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Ein Jahr Pandemie in Deutschland

Deutschlands erste Corona-Patienten über Sorgen und kuriose Erfahrungen

Das Hauptgebäude der Firma Webasto. In Deutschland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden.
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Das Hauptgebäude der Firma Webasto. In Deutschland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern habe sich infiziert, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München mit. Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland hat sich bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China sei zu einer Fortbildung bei der Firma Webasto im Landkreis Starnberg in Oberbayern gewesen

Sorge um die Familie, aber auch das Warten in der Ungewissheit: Das drückte bei den allerersten Corona-Patienten vor einem Jahr auf die Stimmung. Den meisten ging es immerhin körperlich nicht schlecht - und es gab auch kuriose Erfahrungen.

Der Kollege, der keinen Rosenkohl mochte, aß bewusst das eigentlich ungeliebte Gemüse, ein anderer griff zur sonst verabscheuten Banane. Auf diese Selbsttests aufmerksam geworden, prüften die Ärzte der München Klinik Schwabing systematisch die überraschende Geschmacksverwirrung ihrer Patienten - die ersten, die sich in Deutschland vor einem Jahr nachweislich mit Corona infiziert hatten. Geschmacksstörungen sind, das wurde damals klar, Symptome.

Manches schien skurril. Doch zum Lachen sei keinem der Kollegen gewesen, berichtet einer der damals betroffenen Mitarbeiter des Stockdorfer Autozulieferers Webasto. „Es war kein Spaß.“ Eine chinesische Kollegin hatte das Virus mitgebracht. Neun Kollegen sowie sieben Angehörige infizierten sich. Webasto schloss seine Zentrale in Stockdorf bei München und stoppte so die Ausbreitung.

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„Die Angst kam erst, als ich hörte, dass es Patienten schlechter geht“

Belastet habe vor allem die Ungewissheit sowie die Sorge um Frau und Kinder. Diese mussten zuhause in Quarantäne. Er sei im Krankenhaus isoliert gewesen. Obwohl es ihm bis auf einen Tag mit Schüttelfrost und Fieber gut ging, sei ein Zeitpunkt für die Entlassung immer wieder unklar gewesen, berichtete der Familienvater der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Kollegen ein paar Zimmer weiter habe es nur über soziale Medien und Telefon Kontakt gegeben.

„Ich hatte anfangs keine Angst. Die Angst kam erst, als ich hörte, dass es Patienten schlechter geht - und mit der Aussage der Ärzte, die sagten, sie wüssten nicht, wie lange es dauert. Zwischenzeitlich war auch die Rede davon, dass es einen zweiten Schub geben kann“, sagt der Mann, der zu den ersten vier Patienten Deutschlands zählte.

„Ob ich Wasser trank, Cola oder Bier, war egal - ich habe nichts geschmeckt“

Während er überrascht feststellte, dass das Duschgel nicht mehr roch, berichtete einer seiner Kollegen von plötzlich eintretenden Vanillegeruch in seinem Zimmer. „Man hat dann immer wieder selbst getestet: mit Kaffee schwarz, mit Milch oder mit viel Zucker - um sicher zu gehen, dass wir wirklich nichts schmecken.“ So blieb der Genuss des Bieres, das die Ärzte schließlich den Patienten mit leichtem Verlauf genehmigten, unbefriedigend. „Ob ich Wasser trank, Cola oder Bier, war egal - ich habe nichts geschmeckt. Es war ein komisches Gefühl.“

Wie Dutzende Kollegen sollte er vorsorglich zum Corona-Test als Kategorie-1-Kontakt eines Infizierten. „Ich habe mich morgens von meiner Familie verabschiedet mit den Worten: Das wird wahrscheinlich drei Stunden dauern.“ Als er abends zuhause anrief und sagte, dass er direkt in die Klinik müsse, war die Familie schockiert. Auch für ihn selbst sei das Test-Ergebnis schwer fassbar gewesen. „Ich weiß bis heute nicht genau, wie ich mich angesteckt habe.“

Er und seine Kollegen wurden zum Forschungsziel. Wissenschaftler veröffentlichten Studien über das sogenannte Webasto-Cluster. Er habe gern teilgenommen, um zu helfen. Ob er sich neu infizieren kann, weiß er nicht. Immunisierende Antikörper sind in seinem Blut nicht mehr nachweisbar. Er halte sich wie alle anderen an die Regeln.

dpa

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