Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vernehmungen zur Vertuschung nicht aufgezeichnet?

Kaltblütiger Dreifach-Mord in Starnberg: Verteidigung erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Polizei

Auftakt im Prozess um Dreifachmord von Starnberg
+
Die zwei wegen Mordes angeklagten Männer (l und 2.v.r.) stehen vor Beginn der Verhandlung mit ihren Anwälten Sarah Stolle und Alexander Betz (3.v.l.), Patrick Ottmann (4.v.r.) und Gerhard Bink (3.v.r.) im Sitzungssaal. Gut eineinhalb Jahre nach dem Dreifachmord in Starnberg beginnt der Prozess gegen zwei Freunde des jüngsten Opfers.

Es ist ein Aufsehen erregender Fall - und er wird immer komplizierter: Zwei Wochen nach dem Auftakt im Prozess um den Mord an einer Familie in Starnberg erhebt die Verteidigung eines Angeklagten heftige Vorwürfe gegen die Polizei.

Starnberg/München - Der erste Blick auf den Tatort war wohl der falsche - doch wie richtig war der zweite? Der Aufsehen erregende Prozess um den Mord an einer Familie in Starnberg wirft immer mehr Fragen auf. Stimmt die Annahme der Staatsanwaltschaft, dass ein junger Mann seinen Freund bestehlen und darum ihn und dessen Eltern kaltblütig erschoss? Wie verlässlich ist das Geständnis, das er bei der Polizei abgab? Und welche Rolle spielt ein anderer Freund des ermordeten Sohnes, bei dem Munition aus der Tatwaffe gefunden wurde? Mit diesen Fragen wird das Landgericht München II sich bei der Fortsetzung der Verhandlung an diesem Montag (9.15 Uhr) befassen müssen.

Prozess um Dreifach-Mord in Starnberg: Wurde der Hauptangeklagte gefoltert?

Als Zeugin geladen ist eine Ermittlerin, bei der der Hauptangeklagte 21-Jährige nach Polizeiangaben ein Geständnis abgelegt und seinen Freund und Mitbewohner, einen 20 Jahre alten Slowaken, als Komplizen belastet hat. Die Verteidigung des mutmaßlichen Mittäters will nun verhindern, dass diese Ermittlerin aussagt. Denn sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Es geht um nicht weniger als Folter.

Der Anwalt des Slowaken, Alexander Stevens, und sein Team wollen am Montag einen Antrag stellen, die geladene Zeugin nicht zu hören und das bei ihr abgelegte Geständnis nicht als Beweismittel zuzulassen. Es ist das einzige Mal, dass der Hauptangeklagte sich zu den Tatvorwürfen geäußert hat, im Prozess schweigt er dazu bislang.

Anwälte werfen der Polizei „Erniedrigung, Quälerei und Misshandlung“ vor

In einem Schreiben an das Landgericht München II heißt es: Die „angeblich gewonnenen Informationen beruhen auf verbotenen Vernehmungsmethoden“. Die Anwälte werfen der Polizei „Erniedrigung, Quälerei und Misshandlung“ bei dem Verhör in Fürstenfeldbruck vor. Die Polizei weist das entschieden zurück: „Der Vorwurf der Folter entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord am Sonntag.

„Die Zelle war dunkel, abgesehen von einer Neonlampe“, schreiben die Anwälte weiter. Der Angeklagte, der ihren mitangeklagten Mandanten in seiner Aussage belastete, sei „entweder ganz nackt oder nur mit einer Unterhose bekleidet und darüber hinaus lediglich notdürftig mit einer braunen Decke“ versorgt gewesen. Aufgrund einer schweren Neurodermitis habe der junge Mann „blutige Stellen am gesamten Körper“ gehabt.

Die Vernehmung des Deutschen wurde nach Angaben Stevens‘ nicht aufgezeichnet. Dadurch habe „die Folter (...) offensichtlich kaschiert werden“ sollen. Die Befragung sei „in der Haftzelle, ohne jegliche Protokollierung oder vorgeschriebene Aufzeichnung“ erfolgt. Die Ermittlerin sei „nur mit einer Butterbreze“ dort aufgetaucht.

Die Polizei will sich zu den Vorwürfen weiter nicht äußern. „Es gebietet der Respekt vor der Justiz, dass die Polizei in einem laufenden Gerichtsverfahren zu Vorgängen, die in diesem Verfahren behandelt werden, keine Auskunft erteilt. Sofern die Verteidigung derartige Vorwürfe bei Gericht vorbringt, werden sie Gegenstand der richterlichen Überprüfung sei“, sagt der Sprecher.

Verteidigung erhebt Zweifel an der „neuen Version“ der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der heute 21 Jahre alte Hauptangeklagte in der Nacht im Januar 2020 die Familie auslöschte - eine 60 Jahre alte Frau, ihren 64 Jahre alten Mann und den gemeinsamen Sohn. Anschließend habe er die wertvolle Waffensammlung des Sohnes gestohlen. Er steht unter anderem wegen Mordes vor Gericht. Zunächst waren die Ermittler von einem anderen Szenario ausgegangen. Nämlich davon, dass der Sohn erst seine Eltern und dann sich selbst erschoss. Er wurde mit der Waffe in der Hand gefunden, Schmauchspuren wurden festgestellt.

Die Verteidigung des Mitangeklagten hat aber auch an der neuen Version der Staatsanwaltschaft erhebliche Zweifel und gibt an, es gebe zahlreiche Hypothesen, was in jener Januarnacht 2020 in Starnberg geschehen ist. Sie legt darum auch großes Augenmerk auf einen zweiten Zeugen, der für diesen Montag auf der Tagesordnung stand: Bei dem weiteren Freund des getöteten Sohnes wurde Munition aus der Tatwaffe gefunden, wie die Staatsanwaltschaft München II bestätigte. „Von einem dritten Tatverdächtigen geht die Staatsanwaltschaft nach Auswertung aller bislang vorliegenden Erkenntnisse nicht aus“, betonte eine Sprecherin. An dieser Einschätzung hat die Verteidigung des 20-Jährigen allerdings ihre Zweifel.

dpa

Kommentare