Karfreitag: Alles steht still...muss das sein?

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Sind die gesetzlichen Bestimmungen zum Karfreitag noch zeitgemäß?

Landkreis - Vor über zweitausend Jahren starb Jesus Christus den Kreuztod. Am Karfreitag wird daran erinnert - mit Folgen für die Gastronomie bis heute. Ist das noch zeitgemäß? Diskutieren Sie mit!

Der Karfreitag ist im Zusammenhang mit Ostern einer der höchsten Feiertag im Kirchenkalender des Christentums. An diesem Tag gedenken weltweit Millionen von Christen an den qualvollen Tod Jesu Christi am Kreuz. Darüber hinaus ist es der Tag, an dem die Menschen von der Erbsünde befreit wurden und so den Sieg über den Tod feiern können. In stiller Trauer soll dieser Fast- und Abstinenztag von allen Christen begangen werden.

In Deutschland ist der Karfreitag seit je her ein gesetzlicher Feiertag mit sehr strengen und einzigartigen gesetzlichen Bestimmungen. So gilt beispielsweise ein striktes Tanzverbot in öffentlichen Lokalitäten jeder Art. Oftmals gibt es auch noch zusätzliche Auflagen, die jeweils von den Gemeinden und Städten nach eigenem Ermessen festgelegt werden können. So versteht jede Gemeinde zum Beispiel etwas anderes unter einer "den Umständen angepassten Musik" und der "angemessenen Musiklautstärke". Diese Sonderbestimmungen erstrecken sich dabei über die vollen 24 Stunden des Feiertages und treten somit um 0.00 Uhr in Kraft und hören erst um 24.00 Uhr auf zu wirken.

Für viele Bar-, Club-, Lounge- und Discobesitzer bedeutet dies den Ausfall zweier kompletter Arbeitstage. Denn der Spagat zwischen Party am Gründonnerstag bis 24.00 Uhr und dem folgenden abrupten Ende ist alles andere als leicht zu bewerkstelligen. Etwas leichter fällt zwar der Übergang von Karfreitag auf Ostersamstag, aber auch hier steht der eine oder andere Gastronom vor dem Problem, wie er bis zur Aufhebung des Tanzverbots seine Gäste bei Laune halten soll bzw. wie er sie motiviert, um 0.00 Uhr doch noch zum "Partymachen" zu kommen. Die Folge: Viele Betreiber lassen ihre Lokalitäten zähneknirschend ganz geschlossen und steigen erst wieder in der Nacht von Ostersamstag auf -sonntag in das Geschäft ein.

Denn bei Nichtbeachtung der gesetzlichen Bestimmungen werden empfindliche Geldstrafen fällig. Zur Durchsetzung werden am Karfreitag besonders strenge Kontrollen seitens der Ordnungsämter und der Polizei durchgeführt. Da vor allem junge Partygänger keinen wirklichen Bezug mehr zu kirchlichen Feiertagen haben, kommt es an diesem Tag besonders oft zu Missverständnissen zwischen ihnen und den Betreibern bzw. den Ordnungshütern. Doch selbst wenn man im Vorfeld über die gesetzlichen Eigenheiten Bescheid weiß, teffen diese immer öfter auf Unverständnis. "Das ist doch nicht mehr zeitgemäß!", ist wohl eines der häufigsten Argumente gegen das gesetzliche "Feierverbot". Zudem argumentieren viele Gegner damit, dass sie selber gar keine praktizierenden Christen sind und durch dieses Verbot in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt werden.

Meinungen aus dem Landkreis:

Unsere Redaktion hat sich für Sie bei Gastronomen, Gemeinden und Kirchen zu diesem Thema umgehört.

Die Meinung der katholischen sowie evangelischen Kirchen im Landkreis zu den gesetzlichen Bestimmungen des Karfreitags fällt eindeutig und klar aus: Sie sind in vollem Umfang gerechtfertigt! Da der Karfreitag zu den höchsten Festen des Jahres im Christentum zählt, sollte jeder in der Bevölkerung, egal welchen Glaubens und welche Meinung er persönlich zur Institution Kirche hat, Verständnis aufbringen sowie Rücksicht auf die christlichen Bräuche nehmen. Pfarrer Dr. Bernhard Liess (Referent im evangelischen Dekanat Rosenheim u.a. für Öffentlichkeitsarbeit) betont jedoch, dass die Kirche keinesfalls als "Spaßbremse" anzusehen ist, sondern eher als Bewahrer der christlichen Traditionen. "Dieser eine Tag im Jahr sollte als Ruhepol fungieren, an dem man sich auch ein mal bewusst mit den Schattenseiten des eigenen Lebens auseinandersetzen kann. Da passt es einfach nicht dazu, wenn parallel ausgiebig gefeiert wird." In seinen Augen gibt es dazu das Jahr über genug Möglichkeiten - "und das ist ja auch gut so! Dieser eine Tag im Jahr, an dem man nicht feiern kann, tut doch wirklich keinem weh."

In der Gastronomie sieht man dies gewohnheitsgemäß ein wenig anders. Andreas Plucinsky, Geschäftsführer der Event Gaststätte Bar Point in Waldkraiburg, findet die strikten Regelungen nicht mehr angebracht. "Jeder sollte am Karfreitag machen können, wie und was er/sie will." Niemand wird, seiner Meinung nach, durch die Partygäste in der Ausübung der Religion beeinträchtigt. Er habe ja volles Verständnis für die Gläubigen, fordert von diesen wiederum selbiges für sich ein. Mehr Toleranz und Akzeptanz ist sein Credo. Er selber hat sich dieses Jahr dazu entschlossen am Karfreitag den Bar Point komplett geschlossen zu lassen. "Es macht keinen Sinn aufzumachen. Das ist viel zu stressig mit den ganzen Sonderbestimmungen. Am Ostersamstag lassen wir es dafür aber wieder richtig krachen!"

Das Ordnungsamt der Stadt Rosenheim hält sich an die bayernweit festgesetzten Regelungen aus dem Feiertagsgesetz. Darin ist für den Karfreitag ein generelles Tanzverbot in öffentlichen Lokalitäten vorgesehen. Dies umfasst auch das generelle Verbot von Musik jeder Art (!) in gastronomischen Betrieben mit Schankraum. Die Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen wird von der Polizei gewährleistet. Auf Nachfrage von unserer Redaktion erklärte der Pressebeauftragte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd Franz Sommerauer, dass dieser Punkt am Karfreitag mit auf die Agenda gesetzt wird. "Die meisten Überprüfungen werden aber aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung durchgeführt", fügte Herr Sommerauer hinzu.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Wie stehen Sie zu dem Thema? Halten Sie die Regelungen zum Karfreitag noch für zeitgemäß? Sollte man eine Lockerung herbeiführen? Sollte man die Bestimmungen vielleicht noch verschärfen?

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Christian Kleih

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