Katholiken-Präsident zum Fall Mixa: Vergiftete Situation

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Alois Glück

Augsburg - Die öffentliche Debatte um den zurückgetretenen Augsburger Bischof Walter Mixa belastet weiterhin die katholische Kirche in Deutschland.

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Mixa war in einem Interview mit der Tageszeitung “Die Welt“ in die Offensive gegangen und hatte erklärt, er sei nur unter massivem Druck von Münchens Erzbischof Reinhard Marx und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zurückgetreten. In einem Brief an den Vatikan drei Tage nach seinem Rücktrittsangebot hatte Mixa dieses am 24. April widerrufen. Der Papst nahm den Rücktritt am 8. Mai dennoch an. Der Vatikan hat zwischenzeitlich klargemacht, dass für Mixa eine Rückkehr auf den Augsburger Bischofsstuhl nicht infrage kommt. Im Juli wird der 69-Jährige aber eine Audienz beim Papst bekommen.

Zu einem angeblichen “Geheimdossier Mixa“, das laut Medienberichten den 69-Jährigen mit Alkoholismusvorwürfen und dem Vorwurf sexueller Annäherungen an Männer belasten soll, äußerte sich der Vatikan nicht. “Der Papst hat natürlich seine Entscheidung zum Rücktritt Walter Mixas auf der Basis von Informationen getroffen. Woher er diese bekommen hat, ist zweitrangig“, erklärte Vatikansprecher Padre Fedrico Lombardi am Montag auf dpa-Anfrage.

Nach Berichten der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) und der “Süddeutschen Zeitung“ (Montag) war eine “Akte Mixa“ am 27. April an den päpstlichen Nuntius in Berlin und dann nach Rom gegangen. Sie habe auch Papst Benedikt XVI. bei der Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Bischofs vorgelegen.

In den Medienberichten ist von Zeugen aus dem engsten persönlichen Umfeld Mixas die Rede, deren Aussagen über seinen Lebenswandel dem Dossier beilägen. So gebe es Mitarbeiter, die den heute 69-Jährigen als “Spiegeltrinker“ beschrieben, der seinen Alkoholpegel über den Tag hinweg halten müsse. Andere Zeugen sollen von homosexuellen Übergriffen Mitte der 1990er Jahre gesprochen haben. Außerdem soll Mixa laut FAS Stiftungsgelder für Waisenkinder an eine in Rom lebende Person aus fragwürdigem Milieu gesandt haben.

Mixas Rechtsanwalt Gerhard Decker (Augsburg) erklärte zu den Vorwürfen, er halte es mit den Grundsätzen des Rechtsstaates unvereinbar, sich auf angebliche Quellen zu berufen, die niemand nachprüfen kann. Die genannten Quellen seien “ebenso nebulös wie das berichtete Geschehen“. Mixa könne und wolle sich zu den angeblichen Inhalten nicht äußern.

dpa

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