Kein Glück mit "Chiemsee-Gral"

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Kein Glück mit dem rätselhaften Chiemseegold: Dieser Kessel beflügelte die Fantasien von Betrügern und Investoren.

Rosenheim/Zürich - Die Gier nach Gold und Reichtum: Schatzsucher stürzte sie über Jahrhunderte hinweg ins Verderben. Nun hat der Chiemsee-Goldkessel auch einem Schweizer Geschäftsmann kein Glück gebracht.

Hier begann es: Bei Arlaching wurde der Kessel im September 2001 gefunden.

Am Mittwoch wurde er vom Amtsgericht Meilen (Kanton Zürich) wegen Betrugs für dreieinhalb Jahre hinter Gitter geschickt. Auch 38 Anleger erlebten mit dem Schatz ihr Waterloo: Insgesamt sieben Millionen Euro gaben sie dem Mann, um beim Geschäft des Jahrhunderts mit dem "heiligen Gral" dabei zu sein. Im September 2001 hatten Hobbytaucher am Nordostufer des Chiemsees einen Sensationsfund gemacht: Bei Seebruck zogen sie in Ufernähe einen Kessel aus dem Schlamm: elf Kilo pures Gold. Die Entdeckung war nur der Anfang einer unglaublichen Geschichte um geheimnisvolle Mythen und viel Geld.

2003 setzten Wissenschaftler den vielen Spekulationen ein Ende. Die Schale mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern stammt weder aus der Keltenzeit noch handelt es sich um Nazi-Gold oder gar Hitlers Nachttopf. Stattdessen soll sie Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Münchner Goldschmied angefertigt worden sein.

Jetzt in Haft: Gralshüter Marcel W.

Jahre später gelangte der Schatz aus dem Chiemsee in die Schweiz. Dort stand Unternehmer Marcel W. (61) vor dem Ruin. Der Kessel sollte ihm zum Geschäft seines Lebens verhelfen. Also kaufte er die Goldschale mit den gehörnten Gottheiten und schwertschwingenden Kriegern über einen Strohmann - für 300 000 Euro.

So war der nächste Mythos geboren: Es handele sich um den heiligen Gral, strickte der Geschäftsmann die mittelalterliche Legende um das wundertätige Gefäß aus der Artus-Sage weiter und suchte nach Geldgebern, die sich - so hieß es im Werbeprospekt - "am wohl bedeutendsten kunsthistorischen Fundobjekt des Abendlandes und der gesamten westlichen Hemisphäre" beteiligen sollten.

350 Millionen, vielleicht sogar eine Milliarde Euro sei der Schatz bald wert, schwärmte der "Gralshüter". Rasch bekam er sieben Millionen Euro zusammen - die Liste der Investoren zieht sich von Asien quer durch Europa. Sie reicht von der steinreichen Kasachin, die drei Millionen beisteuerte, bis zur "Kleinanlegerin" aus Rimsting, die 50 000 Euro in das Projekt steckte.

Erst als die versprochene Werbekampagne nicht in Gang kommen wollte und die traumhaften Renditen auf sich warten ließen, erstattete die millionenschwere Kasachin Anzeige. Die Schweizer Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren ein, sperrte den Schatz weg und brachte den 61-Jährigen vor Gericht. Laut Anklage betrieb der Finanzjongleur ein Schneeballsystem, richtete einen Schaden von über 24 Millionen Franken an und setzte zuletzt alles auf den "Gral". Gestern bekam Marcel W. die Quittung: Wegen Betrugs und Urkundenfälschung muss er für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Hinzu kommt eine drastische Geldbuße: 14 Millionen Schweizer Franken (rund elf Millionen Euro) will der Staat, zudem soll er die Investoren entschädigen.

"Das Gold des Chiemseekessels ist von einer Reinheit, wie sie modernes Gold gar nicht aufweisen kann", hatte der Verurteilte bis zum Schluss beteuert. Was wird jetzt aus dem Chiemseegold? Der Kessel soll laut gerichtlicher Anweisung in Zürich freigegeben werden und an ein Gericht in St. Gallen überstellt werden. Wie es dort mit dem Schatz weitergeht, ist noch unklar.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

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