Dreiste Bergsteiger: Keine Auskunft ohne meinen Anwalt!

Ramsau - Ziemlich unerwartet reagierten am Samstag einige Verletzte, die die Bergwacht vom Watzmann in Sicherheit brachte. Die "Geretteten" hätten die Hilfe nicht angefordert...

Manchmal müssen sich die Freiweillligen von der bergwacht starken Tobak bieten lassen, wie am Samstag am Watzmann-Südspitz-Abstieg: Gegen 20.30 Uhr meldeten Bergsteiger beim Wirt der Grieshütte zunächst eine verletzte und mehrere erschöpfte Personen auf etwa 2400 Metern Höhe unterhalb der Watzmann-Südspitze.

Die Melder wären Teil einer achtköpfigen Gruppe, hätten sich von den langsameren getrennt und wären vorausgegangen. Unterhalb der Wandstufe hätten sie aus der Distanz bemerkt, dass sich der Zustand der verletzten Person verschlechtere und dass sie wahrscheinlich den Abstieg nicht mehr von selber schaffen werde.

Die von der Integrierten Leitstelle Traunstein alarmierte Bergwacht Ramsau forderte einen für Nachtflüge geeigneten Polizeihubschrauber an, der gegen 22 Uhr mit Bergrettern an Bord zum Einsatzort am Berg ausrückte. An der bezeichneten Stelle war aber niemand mehr zu entdecken; die per Winde abgesetzte Mannschaft musste nach etwa einstündiger Suche unverrichteter Dinge wieder an Bord gewincht werden. Währenddessen hatte die Hubschrauberbesatzung jedoch im unteren Bereich Lichter feststellen können, so dass die Bergretter sich zu Fuß an den Abstieg machten. Auf Ruf- oder Lichtzeichen kam jedoch keine Antwort. Kurz vor dem Gries erreichten sie dann aber doch die Gruppe, die sich zunächst nicht zu erkennen geben wollte und doch selber mit Mühe und Not bis hierher den Abstieg geschafft hatte.

Es war etwa Mitternacht, als alle zusammen mit vereinten Kräften den Talboden im Wimbachgries erreichten. Als sie nach den Personalien zur weiteren Abwicklung des Einsatzes fragten, erhielten die Bergwachtleute die Anwort: „Ohne meinen Anwalt erhalten Sie gar nichts!“ Vielmehr bestanden die „Geretteten“ darauf, nicht um Hilfe gebeten zu haben und auch jetzt im Wimbachtal biwakieren zu wollen. Letztlich stellte sich auch heraus, dass sie die Rufe der Bergretter wohl gehört hatten, - auch ein Hubschrauber ist ja wohl nicht zu übersehen – aber einfach keine Antwort gaben. Die anderen Gruppenmitglieder in der Wimbachgrieshütte konnten dieses Verhalten ebenso wenig nachvollziehen wie die Bergwachtleute. Diese haben kein Recht auf Feststellung der Personalien wie Polizeibeamte, sind bei solchen Vorfällen aber in der Zwickmühle. Meldungen müssen sie nachgehen. Erst kürzlich erlitt eine Frau an selber Stelle einen Schwächeanfall.

Die Angehörigen der Ramsauer Bereitschaft trugen sie auf ihren Rücken vom Goldbrünndl ins Tal, weil der Hubschrauber nicht fliegen konnte. Wie sich herausstellte, hatte die Frau ein Nierenversagen erlitten und hätte die Nacht am Berg wohl nicht überstehen können.

Pressemeldung BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land

Rubriklistenbild: © Aktivnews

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