Dr. Michael Horn aus Berchtesgaden bezieht Stellung

Gesundheitliche Beschwerden wegen Maske im Unterricht? Kinderarzt: „Kompletter Humbug“

Kinder sitzen mit Maske im Schulunterricht - Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn aus Berchtesgaden bezieht dazu Stellung
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Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn aus Berchtesgaden nimmt Stellung zur Maskenpflicht an Schulen.

Schönau am Königsee - Das neue Schuljahr steht ganz im Zeichen von Corona. Vor allem die Maskenpflicht spaltet die Gemüter. Viele Eltern diskutieren lebhaft um Sinn und Unsinn der Maske. Ist das stundenlange Tragen in der Schule wirklich „eine Zumutung“? Wir haben die Frage an den Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn aus Berchtesgaden weitergegeben.

„Das halte ich für einen kompletten Humbug“, stellt Dr. Horn im Gespräch mit BGLand24.de klar und betont, aus medizinischer Sicht seien Bedenken unbegründet: Natürlich seien die Einschränkungen „unangenehm und das Maskentragen ungewohnt“. Es handle sich um eine neue Situation, in der die Menschen zunächst einen Widerstand überwinden müssten. Er spricht sich durchaus für das Tragen von Masken aus, um nicht sich selbst, sondern in erster Linie andere zu schützen. Dabei sollen die Kinder jene Masken tragen, die für sie am angenehmsten sind.

Maskenpflicht in der Schule: Kinder- und Jugendarzt aus Berchtesgaden spricht sich für „üben" aus

Unter anderem eine betroffene Schülerin sowie eine besorgte Mütter sendeten uns Erfahrungsberichte, dass die Schüler unter der Maske schlecht Luft bekämen, teilweise nicht atmen könnten. Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel würden die Kinder und Jugendlichen ab der fünften Klasse durch den Schultag begleiten.

„Wenn der eine oder andere ein psychisches Problem damit hat, wenn ihm schwindelig wird oder er glaubt, ohnmächtig zu werden, dann muss das Masketragen eben geübt werden“, untermalt der Berchtesgadener Kinderarzt. Nichts anderes würde er auch seinen Patienten raten, die täglich anfragen, ob nicht ein Attest zur Befreiung des Masketragens ausgestellt werden könnte. „Das ist aber nicht sinnvoll, denn die Leute müssen lernen, mit dem Erreger zu leben. Das neuartige Corona-Virus wird nicht der letzte Erreger sein, der über uns Menschen hereinbricht und wir müssen aus der jetzigen Pandemie Lehren ziehen."

Pause vom Maske tragen nicht notwendig? Dr. Michael Horn bezieht Stellung

„Wenn man in jene Länder schaut, die die Pandemie am erfolgreichsten im Griff haben - das sind Taiwan und Südkorea - fällt auf, dass dort als allererstes eine konsequente Maskenpflicht eingeführt wurde. Diese Länder haben weltweit die geringste Problematik mit der Corona-Virus-Pandemie, die wenigsten Todesfälle und die geringste Erkrankungsrate. Wenn der Taiwanese mit Maske nicht umfällt, dann fällt der Deutsche auch nicht um, wenn er die Maske aufsetzt“, bringt es Dr. Horn kurz und knapp auf den Punkt und spannt den Bogen hin zum Gesundheitswesen, in dem das stundenlange Arbeiten mit Maske seit Jeher Gang und Gebe ist. „Nach einer schwierigen OP mit sterilem Schutzanzug samt Maske lebt der Chirurg noch immer, was ganz erstaunlich ist bei den ganzen Berichten, die man da hört. Aber es ist wirklich wahr: Man kann noch am Leben sein, wenn man die Maske acht Stunden lang getragen hat“, lässt er sarkastisch verlauten.

Dazu kommt: „Kinder können die Maske viel leichter ertragen als Erwachsene, weil sie von der aeroben Energie-Bereitstellung besser aufgestellt sind und mit viel geringerer Sauerstoffdosis sausen können, ohne gleich aus der Puste zu kommen. Hier ist jegliche Diskussion um Pausen als Erholung von der Maske Käse. Wenn einer wirklich eine Pause braucht, geht er eben aufs Klo und schnauft kurz durch. Oder man findet einen Kompromiss und lässt die Kinder auf dem Schulhof ohne Maske und dafür mit genügend Abstand gewähren."

Kinder weniger anfällig auf schwere Covid-19-Verläufe?

Als Kinder- und Jugendarzt kann Dr. Horn bestätigen, dass die Verlaufsformen von Covid-19 beim Nachwuchs oft mild und unproblematisch seien. „Auch wenn ich den Eindruck habe, dass das Corona-Virus den Kindern wenig anhaben kann, muss ich trotzdem sagen, dass jeder Mensch egal welchen Alters, der an der Erkrankung stirbt, weil zu viel Leichtsinn im Spiel war, ist zu viel - gerade, wenn es vermeidbar ist. Deshalb sollten wir die Nerven bewahren, mitmarschieren, unsere eigenen Ängst überwinden und die Maske aufsetzen. Es ist nicht angenehm im Unterricht, aber nach dem Stand unseres heutigen Wissens sinnvoll.“

Das Hauptproblem, so betont Dr. Horn abschließend, sei, dass man generell zu wenig über diesen Erreger wisse: „Die beste Waffe gegen einen neuen Erreger ist Wissen. Doch dieses Wissen haben wir jetzt noch nicht. Wäre es bereits vorhanden, könnten wir Detailfragen zur Notwendigkeit eine Maske zu tragen oder Abstand zu halten leichter beantworten.“

Aber solange man noch zu wenig darüber wisse, müsse die Regierung Maßnahmen anordnen, die wohl „mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Bevölkerung schützen“. Dr. Horn habe „vollstes Verständnis dafür, lieber ein bisserl vorsichtiger zu sein, als plötzlich mit 200.000 denn mit aktuell 9.000 Todesfällen konfrontiert“ zu sein. „Hier in Deutschland haben wir im Vergleich zu anderen Ländern wie Spanien, Italien, Brasilien oder den USA sehr gute Zahlen und eine niedrige Sterblichkeitsrate. Das rührt vom strikten Pandemie-Managment her“, ist Dr. Horn überzeugt.

mb

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