„Online-Plan“ ausgehebelt

Kirchen erteilen Politik eine Absage: Präsenz-Gottesdienste zu Ostern durchgesetzt

Bild eines öffentlichen Gottesdienstes
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Symbolbild: Die Bitte, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, fiel auf massive Kritik.

München/Berlin - Die Regierung bat die Kirchen, auf Präsenz-Gottesdienste zu Ostern zu verzichten - und diese stattdessen online abzuhalten. Doch die Kirchen wollten der Bitte nicht nachkommen - nun ist diese vom Tisch.

Die Kehrtwende bei der Osterruhe dürfte auch die Kirchen freuen. Sah es noch am Dienstagmorgen nach dem Bund-Länder-Gipfel so aus, also ob die Oster-Gottesdienste auch dieses Jahr nur virtuell stattfinden würden, ist dies nun vom Tisch. Am Mittwoch, nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Abkehr von den Tags zuvor gefassten Beschlüssen zur Osterruhe verkündete, war noch gerätselt worden, inwiefern dies auch die Kirchen beträfe. Auf eine entsprechende Frage hatte Regierungssprecherin Ulrike Demmer zunächst nur ausweichend geantwortet.

Klarheit verschaffte am Donnerstag ein Schreiben des Bundespresseamts, in der die komplette Passage zur ursprünglich geplanten Osterruhe wegfällt. Damit entfällt auch der dort enthaltene Satz: „Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen, mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen.“

Widerstand in den Kirchen

Die Aufforderung zum Verzicht war auf Widerstand in der katholischen und der evangelischen Kirche gestoßen. Dabei ging es schon um die Art und Weise, wie der Plan vorgeschlagen wurde. Laut Informationen der „Welt“ kam die Idee, die Kirchen um Verzicht auf Präsenzgottesdienste zu bitten, in der langen Verhandlungspause zwischen Merkel und den Ministerpräsidenten am Montagabend auf. Nicht einmal der für die Religionsgemeinschaften zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber, sei in die Überlegungen eingeweiht worden sein.

Doch weder die Spitzen der katholischen Bischofskonferenz (DBK) noch der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hätten den Verzicht hinnehmen wollen. Die Gläubigen, so die Auffassung, hätten kein Verständnis für die Kirchenschließungen, auch wenn diese freiwillig seien. Man sei von der Bitte der Politik, darauf zu verzichten, überrascht worden – Gottesdienste seien „kein Beiwerk“, gab der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu Protokoll. Auch niedersächsischen Bischöfe wurden deutlich: „Wir sind irritiert darüber, aus den Medien erfahren zu müssen, dass die Kirchen gebeten sind, von Gründonnerstag bis Ostermontag ausschließlich digitale Gottesdienste zu halten“, teilten die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und des Katholischen Büros Niedersachsen am Dienstag mit.

In einem Gespräch mit Kerber hätten die Vertreter der Kirchen klargemacht, dass sie nicht dazu bereit seien, die Kirchen nicht zu öffnen. Auch hätten die Kirchenvertreter laut „Welt“ darauf verwiesen, dass sie verfassungsrechtlich nicht gezwungen werden könnten. Deshalb sei es auch nicht auszuschließen, dass es zu einzelnen Präsenzgottesdiensten komme - mit der anzunehmenden anschließenden Debatte, warum sich Christen versammeln dürften, während die Geschäfte aber geschlossen hätten. Unterstützung für die Kirchen gab es auch übrigens auch aus der Politik: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Bitte nach dem Präsenzgottesdienst-Verzicht offen kritisiert.

Ohnedies, all dies ist nun Makulatur. Kardinal Reinhard Marx (67), Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, gibt laut „Bild“ zu Protokoll: „Ich bin froh und dankbar, dass wir an Ostern, unserem wichtigsten Fest und Kern unseres Glaubens, in diesem Jahr auch wieder gemeinsam Gottesdienste in Präsenz feiern können, wenn auch unter Einschränkungen. Es ist selbstverständlich, dass wir mit unseren bewährten Schutzkonzepten das Infektionsrisiko weiterhin so gering wie möglich halten.“

Factbox: Präsenzgottesdienste erlaubt - das gilt jetzt

Anders als im vergangenen Jahr sind öffentliche Gottesdienste in Bayern an Ostern erlaubt - wenngleich unter strikten Zugangsbeschränkungen und Maßnahmen. Im Rahmen der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung könnten Ostergottesdienste stattfinden, sie sollen „weiterhin uneingeschränkt zulässig“ sein, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Mittwochabend nach einem Gespräch mit Vertretern der christlichen Kirchen und dem Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden.

Traditionelle Palmprozessionen fallen dieses Jahr wegen der Pandemie allerdings vielerorts aus. Am Münchner Liebfrauendom etwa wird es am Palmsonntag nicht wie üblich eine Prozession um den Dom und eine Segnung von Palmzweigen am Dombrunnen geben, wie das Erzbistum München und Freising mitteilte. Die Segnung der Palmzweige finde dafür im Dom statt.

An Präsenz-Gottesdiensten können weniger Menschen als sonst teilnehmenteils ist eine vorherige Anmeldung nötig. Um mehr Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, werden viele Gottesdienste live im Internet übertragen - das hat auch die Staatsregierung empfohlen.

Wie es in der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag aussiehthängt davon ab, ob es in der Region eine Ausgangssperre gibt. Dann sind die Gottesdienste so anzusetzen, dass Besucher vor Beginn der Ausgangssperre zuhause sein können oder erst nach Ende der Ausgangssperre daheim aufbrechen müssen. 

dp mit Material der dpa

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