Ausgangssperre, Kontakte, Katastrophenfall

Seit 9. Dezember, 0 Uhr: Diese Knallhart-Regeln gegen Corona gelten nun in Bayern

Markus Söder (CSU), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, spricht nach einer Kabinettssitzung zur weiteren Entwicklung in der Corona-Pandemie auf einer Pressekonferenz. Das Kabinett hat zuvor per Video-Schalte getagt.
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Markus Söder (CSU), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, spricht nach einer Kabinettssitzung zur weiteren Entwicklung in der Corona-Pandemie auf einer Pressekonferenz. Das Kabinett hat zuvor per Video-Schalte getagt.

München - Der Jahresausklang im Freistaat Bayern wird wegen Corona auf eine harte Probe gestellt. Um 0 Uhr sind die neuen Knallhart-Regeln in Kraft getreten, die die Staatsregierung bereits am Sonntag beschlossen hatte und am Dienstag vom Landtag ratifiziert wurden.

Neben Ausgangs- und weiteren Kontaktbeschränkungen gelten an Hotspots mit einer Inzidenz von über 200 nun sogar nächtliche Ausgangssperren (21 Uhr bis 5 Uhr). Zudem ist nun landesweit der Katastrophenfall in Kraft getreten. Auch in den Schulen werden zahlreiche Änderungen vorgenommen (News-Ticker Mittwoch, 9. Dezember).

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die harte Linie des Freistaats und seinen Zehn-Punkte-Plan gegen Corona in seiner Regierungserklärung am Dienstag im Landtag verteidigt. „Jetzt gilt: Daheim bleiben, Kontakte reduzieren. Die Lage ist leider sehr ernst. Wir müssen nachlegen. Krankenhäusern droht Überlastung und die Todesfälle steigen. Es wäre schuldhaft, nicht zu handeln. Hinter jeder Zahl steckt ein Schicksal. Unser Schutzversprechen: Wir werden nicht kapitulieren vor Corona“, sagte der Ministerpräsident.

Die Regeln gelten vorerst bis Anfang Januar, könnten aber dann nochmals verlängert werden. Außerdem überlegen Bund und Länder, ob es vor Weihnachten noch einen weiteren Corona-Gipfel mit Kanzlerin Merkel (CDU) geben wird. Hier könnten dann sogar noch einmal weitere Verschärfungen beschlossen werden, wie zum Beispiel ein totaler Lockdown zwischen Weihnachten und 10. Januar.

Die neuen Regelungen im Überblick:

  • Der Katastrophenfall wird in Bayern erneut ausgerufen
  • Strenge Ausgangsbeschränkungen: Das Verlassen des eigenen Hauses oder der eigenen Wohnung ist nur noch mit triftigem Grund gestattet.
  • Kontaktbeschränkungen: Treffen nur mit einem weiteren Hausstand und maximal fünf Personen erlaubt. Vom 23. bis zum 26. Dezember sind auch Treffen über die zwei Hausstände hinaus mit bis zu maximal zehn Personen erlaubt. Zum Jahreswechsel nur Treffen mit maximal fünf Personen aus zwei Hausständen erlaubt.
  • Nächtliche Ausgangssperre in Hotspots: Ab einer 7-Tage-Inzidenz von 200 gilt von 21 bis 5 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre.
  • Einzelhandel: Geschäfte bleiben geöffnet. Allerdings soll die 20-Quadratmeter-Regel besser überwacht werden.
  • Alten- und Pflegeheime: Nur noch ein Besucher am Tag und nur mit einem negativen Test. Pflegepersonal muss zwei Mal in der Woche zum Test.
  • Schulen: Ab Klassenstufe acht sollen die Klassen überall geteilt werden und in Wechselunterricht übergehen. In Hotspots, 7-Tage-Inzidenz von 200, wechseln die Schüler ab der achten Klasse komplett in den Distanzunterricht.
  • Home-Office: Arbeitgeber sollen, falls möglich, alle Mitarbeiter ins Home-Office schicken.
  • Kleiner Grenzverkehr: Der kleine Grenzverkehr wird ausgesetzt. Grenzüberquerungen nur noch für den Besuch eines engen Familienmitglieds und zu beruflichen Zwecken gestattet.
  • Gesundheitsamt: Die Gesundheitsämter sollen weiter mit Equipment und Personal ausgerüstet werden.

Service-Artikel im Überblick:

Service: Ausgangssperre in Hotspots - Das ist ab 21 Uhr noch erlaubt

Service: Strikte Ausgangsbeschränkung - doch was zählt als „triftiger Grund“?

Service: Kleiner Grenzverkehr ausgesetzt - darf ich trotzdem nach Österreich?

In Bayern sind die Corona-Infektionen auch nach dem seit Wochen geltenden Teil-Lockdown fast flächendeckend auf einem sehr hohen und vielerorts bedenklichen Stand. Fast 60 000 Menschen sind aktuell infiziert, so viele wie noch nie zuvor. Hinzu kommt eine stetig steigenden Zahl von Todesopfern unter den Infizierten. Markus Söder erklärte dazu: „Alle 20 Minuten stirbt in Bayern ein Mensch an Corona.“ Die Zeit der „Schlupflochsuche“ sei vorbei.

dpa/mz/mw

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