König Ludwigs II. elektrifizierter Schlitten

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Herrenchiemsee - Für die Bayerische Landesausstellung „Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit“ hatte ein Austellungsobjekt eine besonders spektakuläre Anreise.

Am 14. Mai eröffnet die Bayerische Landesausstellung „Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit“ im Königsschloss Herrenchiemsee. Eines der größten und empfindlichsten Ausstellungsobjekte hatte eine besonders komplizierte Anreise: Der berühmte Gala-Puttenschlitten Ludwigs II. musste durch ein Fenster an seinen Platz in der Ausstellung geschafft werden. Ein Transport durch das Innere des Schlosses war nicht möglich. Der Gala-Puttenschlitten war das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug in Bayern, wenn nicht sogar weltweit. Das königliche Gefährt aus dem Marstallmuseum in Schloss Nymphenburg war vor seiner Reise nach Herrenchiemsee aufwendig restauriert worden. Um ihn an seinen Platz im „Kriegssaal“ im 1. Stock des Schlosses zu bringen, mussten in einer spektakulären Aktion mehrere Transportcontainer übereinander gestapelt werden.

Der Gala-Schlitten mit Puttendekoration wurde 1872 „auf allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Königs Ludwig II. von Bayern von dem königlichen Hofsattler und Wagenfabrikanten Joh. Mich. Mayer, nach dem Entwurfe des königlichen Directors Franz Seitz erbaut“, wie auf einem Messingschild im Schlitten festgehalten ist. Er ist der größte von mehreren prunkvollen Schlitten, die Ludwig sich bauen ließ. Seine fantasievolle Gestaltung, inspiriert vom Stile des Rokoko, ist von herausragender kunsthandwerklicher Qualität: Mythologische Meereswesen stützen den Schlittenkasten, während Putten die Symbole von Herrschaft und Ruhm vorneweg tragen. Die verglaste Krone wurde 1885 mit einer Glühbirne ausgestattet. Eine Chromschwefelsäurebatterie, die im Sitzkasten untergebracht war, speiste die Lampe – damals eine bahnbrechende technische Neuerung.

Im Kriegssaal am Nordende der Spiegelgalerie von Herrenchiemsee wird der prachtvolle Schlitten während der Landesausstellung im reizvollen Kontrast mit einem höchst gegensätzlichen Ausstellungsobjekt präsentiert: dem Zivilmantel Ludwigs II. Dieser schwere dunkle Lodenmantel ist sehr schlicht; nur die doppelreihigen Knöpfe und ein Samtkragen zieren ihn. Möglicherweise ist es dieser Mantel, der auf den Porträts des Königs zusammen mit dem Schauspieler Joseph Kainz zu sehen ist, die 1881 in Luzern entstanden. Für die Ausstellung restaurierte die Bayerische Schlösserverwaltung den legendenumwobenen Mantel. Durch die nach dem Tod Ludwigs II. verbreiteten Photographien prägte dieser schlichte, dunkle Lodenmantel das „private“ Bild des Königs – im Kontrast zur fast verschwenderischen Ausstattung seiner Schlösser, Schlitten und Kutschen.

Pressemitteilung Bayerischen Schlösserverwaltung

 

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